Die Vermessung der österreichischen Blogger-Szene

Sie schreiben über Spritzwein, Palatschinken, Kirchen, Toiletten, Bier, Trachten, Hochzeiten und natürlich über Essen, Fashion, Reisen und Technik: In Österreich gibt es definitiv eine vielfältige Blogger-Szene (u.a. auf Blogheim.at gelistet), doch wie sie leben und arbeiten, darüber gibt es recht wenig Informationen. Die in der Szene sehr umtriebigen Teilzeit-Blogger Petra Köstinger und Tom Schaffer haben es sich deswegen zur Aufgabe gemacht, in regelmäßigen Abständen eine Umfrage zu machen, die genau das abfragt.

Heute haben sie die Ergebnisse veröffentlicht – und sie geben spannende Einblicke in die Welt der österreichischen Blogger. Zwar kann man die Umfrage nicht repräsentativ nennen, weil die Grundgesamtheit nicht bekannt ist, aber mit knapp 460 Teilnehmern gibt die Befragung sicher gute Insights in die Szene. Zu der Demografie: Österreichische Online-Schreiberlinge sind sehr oft Frauen (62 Prozent), die meisten sind zwischen 18 und 30 Jahren alt (47 Prozent). Und sie sind sehr ausdauernd: Die größte Gruppe (29 Prozent) betreibt einen oder mehrere Blogs bereits länger als fünf Jahre.

Auch die Hauptmotivationen überraschen nicht – Interesse am Thema, Spaß am Schreiben und das Teilen von Wissen stehen im Vordergrund. Nur sechs Prozent sehen Bloggen als Arbeit an, für 45 Prozent hat sich die Tätigkeit zu einer Mischung aus Beruf und Hobby entwickelt. Die überwiegende Mehrheit (80 Prozent) sieht ihren Blog als möglichen Partner für Unternehmen an.

Wenn es um das Veröffentlichen von bezahlten Beiträgen (“Sponsored Posts”) geht, ist die Mehrheit (64 Prozent) noch ablehnend. Für jene, die mit ihrem Blog Geld verdienen, ist Sponsored Content dann aber doch die wichtigste Einnahmequelle (27 Prozent), vor indirekten Einnahmen über Vorträge, Workshops etc. (25 Prozent), klassischer Online-Werbung (24 Prozent) und Partnerprogrammen (21 Prozent). Reich wird damit in Österreich niemand: Nur acht Prozent verdienen mit ihrem Blog mehr als 2.000 Euro pro Monat, weitere sieben Prozent zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Satte 38 Prozent machen mit ihrem Online-Auftritt zwischen 0 und 50 Euro im Monat.

Das könnte auch an den Reichweiten liegen. 35 Prozent der Befragten geben an, pro Monat weniger als 1.000 Leser zu haben, weitere 41 Prozent haben eigenen Angaben zufolge zwischen 1.000 und 10.000 Leser pro Monat. Insgesamt 17 Prozent kommen auf mehr als 10.000 Besucher im Monat. Übrigens 36 Prozent sagen selbst, dass sie gerne mehr Leser hätten.


Image “Blogging” (adapted) by Till Westermayer (CC BY-SA 2.0).


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Jakob Steinschaden

Jakob Steinschaden

ist seit 2006 publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist und hat die beiden Sachbücher "Phänomen Facebook - Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt" (2010) und "Digitaler Frühling - Wer das Netz hat, hat die Macht?" (2012) veröffentlicht. In seinem Blog “Jakkse.com” und in Vorträgen schreibt und spricht er gerne über die Menschen und ihr Internet – von Social Media über Mobile Business und Netzpolitik bis zu Start-ups.

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