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Nintendo blickt auf 125 Jahre zurück

Happy Birthday Nintendo! Im Jahr 1889 wurde das Unternehmen als Hersteller von Spielkarten gegründet. Die letzten Jahre liefen die Geschäfte vergleichsweise schlecht. Längst hat man den Anschluss an Sony und Microsoft verloren. // von Lars Sobiraj

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125 Jahre Nintendo. Über 40 verschiedene Geräte und unzählige Videospiele brachte das japanische Unternehmen seit seiner Gründung auf den Markt. Mit stationären Geräten wie dem NES und tragbaren wie dem Game Boy war man lange Zeit Marktführer. Statt beschreibbarer Rohlinge wurden die Spiele lange Zeit mit Steckmodulen verkauft. Die Spielehersteller fluchten über die enorme Piraterie auf der Sony Playstation, die vielen Raubkopien sorgten aber letztlich für dessen Siegeszug.


Warum ist das wichtig? Nintendo gehörte lange Zeit zu den größten Herstellern von Videospielen und Spielekonsolen. In den letzten Jahren haben aber die Konkurrenten Nintendo abgehängt, sodass die Geschäfte schlechter laufen.

  • Aus den Kinderzimmern der 80er und 90er Jahre sind Spielfiguren wie Mario, Kirby, Yoshi oder Zelda nicht mehr wegzudenken. Nintendo hat mehrere Jahrzehnte maßgeblich die elektronische Spielekultur in Japan, Europa und den USA beherrscht.
  • Den ganz großen Wurf konnte man schon lange nicht mehr landen. Früher war der Game Boy der Inbegriff einer robusten und batteriesparenden Handheld-Konsole. Den Markt für stationäre Spielkonsolen haben längst die Hersteller der PS4 und Xbox One inne.
  • Im Gegensatz zur Konkurrenz richten sich die niedlichen Spielfiguren des Unternehmens stets an Kinder. Blut und Brutalität war nie Nintendos Sache. Dafür bleibt man den eigenen Spielfiguren bis zum Ende treu. Für jede weitere Hardwaregeneration werden die Spiele immer wieder neu aufgelegt.

Die Netzpiloten gratulieren, 125 Jahre sind für ein Technologieunternehmen wirklich ein stolzes Alter. Trotzdem stehen die Zeichen bei „Big N“ mal wieder auf Sturm. Die eigene Spielkonsole Wii U kann sich nicht gegen Sonys Playstation 4 oder Microsofts Xbox One durchsetzen. Das gleiche galt auch für die Vorgänger Wii und Gamecube. Auf dem tragbaren Markt gibt es zwar keinen neuen Konkurrenten, dafür spielen Kinder und Erwachsene schlichtweg nicht mehr mit Handhelds. Dieses Geschäftsmodell wurde schon vor Jahren von den kostenlosen oder preisgünstigen Android- und iOS-Apps abgelöst.

Doch der erfolgreiche Umgang mit Krisen nebst ausgefallenen Experimenten haben das Unternehmen in aller Welt bekannt gemacht. Neben den Spielkarten, mit denen in den ersten Jahren die Umsätze generiert wurden, kamen später Versuche mit eigenen Kinderwagen, einem Stundenhotel, Taxis und portioniertem Reis hinzu. In den 70ern kam Bewegung in den Markt, die ersten simplen Spielkonsolen waren verfügbar. Mit ihnen konnte man auf dem heimischen Fernseher “Pong“ spielen. Mit viel Fantasie wurde in den Köpfen der Konsumenten daraus ein Tennisspiel.

Schwarzkopien führten Sony nach oben

Doch die Technik blieb nicht stehen. 1983 wurde mit dem „Nintendo Entertainment System“ (NES) die Blütezeit des Konzerns eingeläutet. Es folgten das Super Nintendo (SNES) und das Nintendo 64 (N64). Durch die Verwendung von Steckmodulen wurde das Problem mit den Schwarzkopien gelöst. Die Steckmodule hatten zwar im Vergleich zu CDs null Ladezeiten, dafür war ihre Kapazität stark begrenzt. In Zeiten aufwändiger Spiele mit 3D-Grafik und Sound entwickelte sich die eingeschränkte Aufnahmefähigkeit der Steckmodule immer mehr zum Nachteil. Zwar verdiente Nintendo weit mehr mit den Spielen als mit ihren Konsolen, dennoch konnte Sonys Playstation Erfolge feiern, weil die raubkopierten Spiele für Jedermann verfügbar waren. Kopierstationen gab es zwar auch für die Hardware von Nintendo. Die Super Wild Card war in Deutschland das System, mit dem wahrscheinlich die meisten SNES-Spiele auf HD-Disketten im PC-Format schwarzkopiert wurden. Auch der Doctor V64 (Nintendo 64) war in Europa nahezu unbekannt und viel zu teuer. Die Spiele wurden vom Doc des Herstellers Bung Enterprises Ltd. von gebrannten CD geladen. Im März 2000 wurde Bung auf Druck von Nintendo und anderen Herstellern aufgelöst.

Nintendo stellte sein System um, es war aber schon zu spät. Der Nachfolger des N64 wurde erstmals mit einem Laufwerk für MiniDVDs ausgestattet. Als der Gamecube im Jahr 2001 erschien, war der Vorsprung von Sony schon nicht mehr einzuholen. 2006 gelang dem Unternehmen mit der Bewegungs-Steuerung der Wii der letzte große Erfolg.

Klare Absage an Apps

Die letzten Umsatzzahlen waren entsprechend ernüchternd. Auch Fortsetzungen wie das Rennspiel „Mario Kart 8“ konnten das Unternehmen nicht aus den roten Zahlen hieven. Die Hardware der Wii U kommt mit der PS4 und Xbox One einfach nicht mit. Und bei den tragbaren Geräten haben die Smartphones den Handheld-Konsolen längst den Rang abgelaufen. Weil man die tragbaren Hardware-Plattformen nicht gefährden will, weigert man sich bislang, die eigenen Spiele als App für Tablet-PCs oder Smartphones zu vertreiben. Der einzig sichtbare Kompromiss ist bislang eine Web-App für „Mario Kart 8“. Wer über eine eigene Nintendo Network ID verfügt, darf seine Gameplay-Videos hochladen und ansehen. Mit Ausnahme der Hardcore-Fans darf aber bezweifelt werden, dass man mit diesem „Kompromiss“ jemanden hinter dem Ofen hervorlocken kann.

Was Nintendo jetzt braucht, ist eine neue Idee, die ähnlich revolutionär wie die bewegungsgesteuerten Spiele der Wii sein muss. Doch die Firma hat seit ihrer Gründung so manche Berg- und Talfahrt durchlaufen. Der Umgang mit Krisen ist für den Konzen nichts Neues.

Was auch kommen mag: Die Netzpiloten drücken „Big N“ für die nächsten 125 Jahre ganz fest die Daumen! Wer ein wenig mehr in der Historie der Firma schmökern will, sollte sich den Bericht von Oliver Bernt durchlesen.


Teaser & Image by JD Hanckock (CC BY 2.0)


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Lars Sobiraj

Lars Sobiraj

schrieb von 2000 bis zum Jahr 2002 für mehrere Computerzeitschriften rund 100 Artikel. Von April 2008 bis Oktober 2012 leitete er beim IT-Portal gulli.com die Redaktion als Chefredakteur. Thematische Schwerpunkte der über 1.000 Beiträge sind Datenschutz, Urheberrecht, Netzpolitik, Internet und Technik. Seit Frühjahr 2012 läuft die Video-Interviewreihe DigitalKultur.TV, die er mit dem Kölner Buchautor und Journalisten Moritz Sauer betreut. Seit mehreren Monaten arbeitet Lars Sobiraj auf freiberuflicher Basis bei heute.de, ZDF Hyperland, iRights.info, torial, Dr. Web und vielen weiteren Internet-Portalen und Blogs. Zudem gibt er Datenschutzunterricht für Eltern, Lehrer und Schüler.

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