Nexus 4: Megastar oder Megahype?

Das Interesse an Googles diesjähriger Neuauflage eines eigenen Smartphone, dem Nexus 4, ist größer als je zuvor, doch kann das Smartphone dem Hype überhaupt standhalten?

Nexus 4: Megastar oder Megahype?

Jedes Jahr im November steht die Android-Welt Kopf, wenn Google ein neues Nexus-Smartphone auf den Markt bringt. In diesem Jahr wurden genaugenommen neben dem Nexus 4 auch die Tablets Nexus 7 (in neuen Speichervarianten) und Nexus 10 vorgestellt, aber um die kümmern wir uns ein anderes Mal. Das Nexus 4 hat bei der prunklosen Vorstellung Ende Oktober bereits große Begeisterung ausgelöst. Das lag zum einen an der hervorragenden technischen Ausstattung sowie an dem Kampfpreis von 349 Euro (16 GB-Modell) und zum anderen aber auch an der Tatsache, dass Google das Gerät im hauseigenen Play Store anbietet. Wir wollen das Phänomen mal näher beleuchten und prüfen, ob das Nexus 4 den Begeisterungssturm überhaupt rechtfertigt.

Googles Nexus-Programm

Vor vier Jahren, als Android noch ein kleiner Stern am mobilen OS-Himmel war, hat Google beschlossen ein eigenes Smartphone speziell für Entwickler auf den Markt zu bringen. Dafür wurde das Nexus-Programm aus der Taufe gehoben, bei dem alle Android-Hersteller an einer Ausschreibung teilnehmen dürfen – Google wählt den vielversprechendsten aus, der das Gerät dann fertigen darf. Das erste Gerät der Serie, das Nexus One, wurde von HTC gebaut, für die beiden Nachfolger Nexus S und Galaxy Nexus war jeweils Samsung verantwortlich und das Nexus 4 wird von LG gefertigt. Zu den Besonderheiten zählt neben der naturbelassenen Android-Version auch die Tatsache, dass die Nexus-Geräte neue Android-Versionen direkt von Google erhalten und das sehr schnell.

Was macht das Nexus 4 so besonders?

Im Gegensatz zu den soliden Vorgängern bietet das Nexus 4 aus technischer Sicht absolute Gourmet-Kost. Neben einem 4,7 Zoll großen Display mit HD-Auflösung (1280 x 720 Pixel) sichert sich das Google-Flaggschiff vor allem durch den 1,5 GHz schnellen Quad Core-Prozessor der zweiten Generation, den mit 2 GB sehr großzügig bemessenen Arbeitsspeicher und einem üppigen 2.100 mAh-Akku einen der vordersten Platz auf dem Smartphone-Markt. Das Nexus 4 hat aber natürlich auch negative Aspekte: Dass der Akku fest verbaut und daher nicht ohne weiteres wechselbar ist, werden die meisten noch verschmerzen können – dass allerdings keine Möglichkeit besteht, den internen Speicher per microSD-Karte zu erweitern, wird vor allem bei der kleineren Speichervariante schnell zu Frust führen. Der Preis von 299 für die Version mit 8 GB internem Speicher und 349 für die 16 GB-Variante lässt diese Nachteile allerdings schnell wieder vergessen, da bei den in der Preisklasse sonst erhältlichen Mittelklasse-Smartphones deutlich größere Kompromisse eingegangen werden müssen. Das Nexus 4 ist also aufgrund des Preis-Leistungsverhältnisses eine absolute Kaufempfehlung.

Was bedeutet das Nexus 4 für den restlichen Markt?

Sowohl das Nexus 4 als auch die beiden Tablets Nexus 7 und Nexus 10, die ebenfalls ein fantastisches Preis-Leistungsverhältnis bieten, werden von Google über den eigenen Play Store – wie gesagt – zu wahren Kampfpreisen angeboten. Damit löst Google eine kleine Revolution im Smartphone- und Tablet-Bereich aus, da nun alle anderen Hersteller unter Zugzwang gesetzt werden, wenn diese den Anschluss nicht verlieren und konkurrenzfähig bleiben wollen. Ein Gerät, das vor einem Monat noch als sehr gut für den Preis angesehen wurde, lässt sich dank Nexus 4 nun nur noch sehr schwer an den Mann bringen. Es wird daher in den nächsten Monaten sehr spannend, wie sich der Markt entwickelt – ob entweder das Experiment von Google scheitert oder alle anderen Hersteller ähnliche Geräte zu derart niedrigen Preisen anbieten.

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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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