Die New York Times peilt zehn Millionen digitale Abonnenten an

„Wir haben uns das Ziel gesetzt, zehn Millionen digitale Abonnenten zu erreichen“, sagte der New York Times-Geschäftsführer Mark Thompson, während der jährlichen UBS Global Media Conference in New York, vor wenigen Tagen. Auch wenn das noch etwas hin ist — im September hatte die Times schon ca. 1,6 Millionen digitale Abonnenten, auch im Zusammenhang mit ihrem Kreuzworträtsel — wir sehen definitiv den Fortschritt imStrategie-Plan 2020, der auch von dem bereits zwei Jahre alten Innovations Bericht angekurbelt wurde.

Die Times hat seit dem 1. Oktober etwa 200.000 neue (Netz-) Abos verkauft. Dabei handelt es sich um eine erstaunliche Bilanz. Man munkelt, dass die Rate um das Zehnfache zum Vorjahresvergleich gestiegen sei. Die neuen Abos werden zunehmend online getätigt und bringen der Times eventuell bis zu 30 Millionen US-Dollar extra zu ihrem Einkommen – was auch dringend benötigt wird, nachdem die Times im dritten Quartal einen 18prozentigen Verlust bei der Printwerbung feststellen musste.

Durch die Wahl Donald Trumps kam es nach dem 8. November 2016 zu einem Anstieg der Abozahlen. Zuvor hatte die Times im dritten Quartal ihre Abonnentenzahl aber schon verdoppelt; genau das zeigt die Macht des Journalismus und die analytische Intelligenz, mit der man gelegentliche Leser als Abonnenten gewinnt. Zudem hat die Times seine Aktivitäten auf Facebook verstärkt. Vor der Kampagne haben Besucher, die auf einen Link bei Facebook geklickt haben, kostenlos lesen können, von nun an wird man nach zehn Artikeln zum Zahlen aufgefordert. Die Times hat außerdem die Teilnahme an den Instant Articles eingestellt.

Abonnenten außerhalb der USA

Abonnenten aus der ganzen Welt bilden 13 Prozent der gesamten Abos der Times ab, so Thompson. Während diese Zahl relativ stabil blieb, ist dennoch die Anzahl an internationalen Abonnenten der Digitalversion – mittlerweile dürften es rund 200.000 sein – bemerkenswert. Während der Anstieg wegen Trump bei den US-Abonnenten deutlich erkennbar ist, dürfte der internationale Prozentsatz die Times dennoch ermutigend sein: der Zuwachs an Kunden außerhalb der USA ist treibendes Element der neuen Strategie.

Gut 22 Prozent des Gesamteinkommens der Times errechnet sich aus der Printwerbung. Daraus ist erkennbar, dass man sich weniger auf die Einkommenskategorie verlässt, die Zeitungsfirmen den größten Kummer bereitete, oder, um es mit Thompsons Worten zu sagen: „Wir sehen die Entschuldung und Ausschaltung der Printwerbung.“ Die Folgen sind klar: Indem man sich zunehmend auf das Einkommen der aufstrebenden Branchen innerhalb eines Business verlässt und die Branchen vernachlässigt werden, die ohnehin aussterben, ist eine Weiterentwicklung durchaus möglich.

Das Inhaltsgeschäft ist schwächer als gedacht

Bei der erwähnten Konferenz hatte Thompson vorhergesagt, dass die Times ihr ursprüngliches Inhaltsgeschäft in 2016 „fast verdoppeln“ könnte (bei 35 Millionen US-Dollar im Jahr 2015). Als er gefragt wurde, ob die Firma noch auf diesem Weg sei, verneinte Thompson. „Sie ist nicht so gewachsen, wie ich es mir gewünscht hatte“, sagte er, aber deutete auch an, dass das Business weiterhin bedeutend wachse.

Thompson sprach die 360 Grad-Kampagnen von Samsung an und nannte über die Werbeträger-Beziehungen, die man nun in einem Spitzen-Markt erwarten könne. „Marketingchefs denken jetzt anders. Sie wollen nicht über Werbung reden. Wir verkaufen jetzt weiße Flächen… leere Flächen.“

Das Einkommen von geschützten Marken ist eine absolute Priorität für die Times und die nationalen Kollegen, während digitale Anzeigenkunden gleichzeitig Druck verspüren, die Preise zu senken und die Doppelherrschaft von Google und Facebook begutachten. Obwohl die Verkaufszahlen der digitalen Abos Mut macht, muss die Times dennoch abschätzen, wie weit die geschützten Marken in den nächsten Jahren wachsen können.

Zehn Millionen digitale Abonnenten

Diese Zahl warf Thompson vor wenigen Tagen in den Raum – meiner Erinnerung nach zum ersten Mal: „Wir haben uns das Ziel gesetzt, zehn Millionen digitale Abonnenten zu erreichen“. Natürlich nannte er dabei keinen Zeitraum. Dennoch kann uns diese Zahl einigen Aufschluss über die neuen Möglichkeiten der Times in Zeiten des Smartphones geben. Der Aktienkurs der Times, der seit Juni bereits um 20 Prozent gestiegen ist, stieg vor wenigen Tagen noch einmal um drei Prozent, nachdem Analysten und Investoren diese Wachstumspläne anscheinend positiv aufgefasst haben.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Nieman Journalism Lab“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „New York Times“ (adapted) by Samchills (CC BY 2.0)


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Ken Doctor

Ken Doctor

ist Analyst der Nachrichtenindustrie und Autor des Buches Newsonomics: Twelve New Trends That Will Shape the News You Get (St. Martin’s Press).

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