FYI: Corporate Innovation geht nicht nach Blaupause, sie zu kennen lohnt sich aber


Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der Digitalkonferenz EXPLAINED von Microsoft Deutschland. Die Konferenz findet am 23. März 2017 in Berlin statt.


Unsere Sprache gibt uns den Rahmen vor, indem wir dazu in der Lage sind, Gedanken zu formulieren. Verallgemeinerungen sind deshalb die sprachlichen Ursprünge von Missverständnissen. Wie beispielsweise der Annahme, dass Jugend ein Garant für Innovation sei (Startups) oder das Erfahrung mit Leistung gleichzusetzen ist (Corporates).

Wir kennen Beispiele für beide Behauptungen, das bedeutet aber nicht, dass dies deshalb auf alle Startups oder eben alle Corporates zutrifft. Obwohl es sicherlich Muster gibt, aus denen vermeintliche Vorlagen abgeleitet werden können, muss jedes einzelne Unternehmen in der Wirtschaft selbst herausfinden, wie es innovativ und leistungsfähig sein kann.

Um zu innovieren, müssen Corporates die verschiedenen Wege kennen und dann mit den Fähigkeiten und der Struktur des eigenen Unternehmens abgleichen. Die ausschließlich auf Geld setzenden Lösungen – Übernahmen, Investitionen, Sponsoring (in externe Accelerator) – lasse ich aus und widme mich den Wegen, die wirklich Veränderungen abverlangen.

Entweder: Innovation im Unternehmen

Die meiner Meinung nach wirklich lohnenswerten Lösungen können in zwei Gruppen aufgeteilt werden: firmeninterner und kooperierender Natur. Der ersten Gruppen gehören Strategien wie ein „Innovation Team“ an, ein internes „Innovation Lab“ und vor allem Intrapreneur-Programme für die eigene Belegschaft innerhalb des Unternehmen.

Für ein „Innovation Team“ braucht man Mitarbeiter, die Veränderungen verstehen und kommunizieren können. Diese entwickeln neue Prozesse und etablieren diesen im Unternehmen. Ein „Innovation Lab“ wiederum besteht aus Mitarbeitern verschiedener Bereiche, um funktionsübergreifend Wissen zu teilen und so Innovationen zu entwickeln.

Beide Lösungen habe ich bereits von Unternehmen, die Mitglieder im Berliner Coworking Space St. Oberholz sind und solche Gruppen dort hingeschickt haben, beobachten können. Eine wichtige Lektion hierbei für mich war, wie wichtig dieser Tapetenwechsel, also in einer Umgebung wie einem Coworking Space statt einem Hauptquartier zu arbeiten, sein kann.

Ein Intrapreneur-Programm gibt Mitarbeitern eine Plattform und die Ressourcen zur Umsetzung eigener Ideen innerhalb des Unternehmens. Die Mitarbeiter wissen meist am besten, was nicht gut läuft. Sie zu motivieren, dies zu lösen, halte ich für äußerst spannend. Wir haben dies einem unserer Mitglieder vorgeschlagen, die dass bald wagen werden.

Oder: Innovation durch Kooperation

Image by Tobias Schwarz
Das St. Oberholz in Berlin.

Es lohnt sich aber auch, einmal umzuschauen, wie andere es machen. Das muss aber nicht eng auf den Corporate-Bereich fokussiert sein, gerade im vermeintlich Exotischen findet man oft die interessanteste Inspiration. Hier wirkt das Phänomen der Serendipität am besten und eine überraschende Beobachtung erweist sich als für einen selbst besonders wertvoll.

Das St. Oberholz ist feste Station solcher Touren in Berlin. Auch andere Coworking Spaces in der Stadt kennen dieses Phänomen, der wie Touristen nach Berlin reisenden Unternehmen. Aufgrund der Nachfrage habe ich inzwischen, als ein Projekt des von mir im letzten Jahr mitgegründeten Institut für Neue Arbeit, ein Reisebüro für Corporate-Tourismus entwickelt.

Nach Innovation suchend zu reisen sorgt für die größte Veränderung im Denken und darauf kommt es an. Branchen sollten Innovation-Stützpunkte in anderen Regionen eröffnen, um vor Ort neue Ideen, andere Märkte und mögliche Partner kennenzulernen. Für „Das Netz 2016/2017“ habe ich 16 Orte, die das nächste Silicon Valley sein wollen, einmal vorgestellt.

Je nach Branche und Standort lohnt sich unter Umständen auch die enge Kooperation mit den hiesigen Hochschulen und Initiativen, vor allem beim Thema Forschung und Entwicklung. So können erste Schritte mit neuen Akteuren zusammen gemacht werden, positive Erfahrungen adaptiert, wenn nicht sogar ganze Projekte danach integriert werden.

Reminder: Corporate Innovation geht nicht nach Blaupause

Diese drei internen und drei externen Strategien sind kein Garant für Erfolg und Innovation. Sie sind aber ein Weg dahin, der, wenn er richtig gegangen wird, den Grundstein für Erfolg legt: ein verändertes Denken und Handeln. Ohne ein sich vom Status Quo unterscheidendes Mindset kann keine Innovation entstehen. Egal wie viel Geld man wem auch hinterherwirft.

Auf der EXPLAINED-Digitalkonferenz am 23. März 2017 wird Kai Jäger vom Deutsche Bank Labs darüber sprechen, wie Banken sich in Corporate Innovation durch Zusammenarbeit mit Startups versuchen. Ich bin auf den Vortrag gespannt (wie auch auf den Vortrag von Peter Jaeger), denn Banken haben oft eine sehr herausfordernde Unternehmenskultur im Gepäck.


Image (adapted) „Business“ by jarmoluk (CC0 Public Domain)


 

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Tobias Schwarz

Tobias Schwarz

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit.

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