Insolvenz von GT Advanced Technologies (Bild: Bidness Etc)

Misswirtschaft im großen Stil – Apple und der Fall GTAT

Die Vorwürfe wiegen schwer: Apple soll den Saphirglashersteller GT Advanced Technologies (GTAT) heruntergewirtschaftet haben und Schuld an der Insolvenz sein. // von Philipp Biel

Insolvenz von GT Advanced Technologies (Bild: Bidness Etc)

Letzte Woche berichtete ich über den Insolvenzfall von GT Advanced Technologies, in dessen Ablauf sich jetzt nun neue Abgründe über Apples Preispolitik auftun. Neben den bisher bekannten miserablen Margenbeteiligungen scheint Apple auch über die Auswahl der Maschinen und des Stromanbieters zu entscheiden. Des Weiteren scheint man strategisch wichtige Firmen mit Krediten gezielt in Abhängigkeit zu bringen.


Wieso ist das wichtig? Apple behauptet Verantwortung gegenüber den Zulieferern und seinen Mitarbeitern zu übernehmen. Das Beispiel GT Advanced Technologies zeigt aber das Gegenteil.

  • Apple versprach die Arbeitskonditionen bei den Zulieferern zu verbessern, dies gelingt jedoch nicht mit einer insolvenzherbeirufenden Marge.
  • GTAT wurde bevormundet und verlor so seine Eigenständigkeit, dies ist für eine amerikanische Firma eher unüblich.
  • Mit einem Kredit in Höhe von fast einer halben Milliarde Dollar wurde die Firma in Abhängigkeit gebracht und teilweise auch vom Markt abgeschottet.

Wer ist wirklich Schuld?

Laut GTAT ganz klar Apple! Im Rahmen des Gerichtsverfahrens zum Gläubigerschutz wurden die Unterlagen des Insolvenzverfahrens offengelegt und von Gigaom analysiert. So ließ GTAT-Manager Daniel Squiller laut Gerichtsunterlagen verlautbaren, dass man „mit den von Apple diktierten Preisen niemals Gewinne hätte erwirtschaften können„, Nachverhandlungen von Apple abgewiesen worden sind und die Verträge zu „einseitig“ waren.

Bereits 2012 wurden die ersten Verträge zur Saphirglasproduktion abgeschlossen, seit dem habe sich viel bei GTAT geändert: Weniger Entscheidungsfreiheit und eine sehr starke Abhängigkeit waren nur zwei Nebenwirkungen der Zusammenarbeit mit Apple.

Apple entschied über die Produktion

Anders als von US-amerikanischen Firmen gewohnt, bestimmte in dieser Zulieferer- und Abnehmerbeziehung Apple über die Maschinen und gar den Stromanbieter von GTAT. Eine Einmischung die so gar nicht in das liberalistisch US-amerikanische Bild zu passen scheint. Ein Bild, dass sich durch die Offenlegung einiger Vertragsklauseln zu bestätigen scheint:

  • Eine $50 Millionen US-Dollar Vertragsstrafe für jeden Verstoß gegen die Verschwiegenheitsvereinbarung.

  • Keine Produktionsfaktorenänderung durch GTAT ohne Apples Zustimmung, jedoch musste GTAT Apples Wünschen umgehend nachkommen.

  • GTAT musste jeden, von Apple geforderten Kauf, an dem von Apple gewünschten Datum durchführen oder durch vergleichbare Produkte auf GTATs Kosten erbringen

Tatsächlich lesen sich Klauseln, weniger wie eine Vertragsvereinbarung zwischen zwei Geschäftspartnern, und mehr wie eine Bestimmungsregelung über einen Zulieferer, der die Nachfrage suchte und das Geld von Apple brauchte.

Ein Kredit der (ver-)bindet

Als wäre das nicht schon genug, brachte Apple seinen Saphirglashersteller noch in eine weitere Abhängigkeit: Ein Kredit in Höhe von 439 Millionen US-Dollar soll nun, nach Kündigung der Geschäftsbeziehungen, über vier Jahre zurückgezahlt werden. Laut Gerichtsunterlagen soll GTAT für die Zusammenarbeit mit Apple sogar rund 900 Millionen US-Dollar ausgegeben haben. Darunter fallen neben den Maschinen- und Stromkosten, auch die Baukosten für die Errichtung zwei extra für Apple gebauter Hallen, die nun wohl keine Nutzung mehr finden werden.

Welche Auswirkungen hat der GTAT-Fall?

Die Antwort ist stark davon abhängig, wie die Verträge anderer Zulieferer aussehen, ob Apple sich bei GTAT nur eine enge Zusammenarbeit gewünscht hat und den Produzenten vor Samsung & Co. abschotten wollte, oder tatsächlich viele dieser Zuliefererverträge eine derart einseitige Interessensausrichtung zeigen. Eins sollte Apple jedoch klar sein: Die Sicherung einer stabilen Produktionskette und die Einhaltung der selbstgesetzten Verantwortungsziele sieht anders aus.

Dieser Artikel ist ein Ergebnis der Kooperation von Netzpiloten.de mit dem renommierten Apple-Watchblog Appleunity.de. Appleunity ist auch auf FacebookYouTube, Google+ und Twitter zu finden.


Teaser & Image by Bidness Etc


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Philipp Biel

Philipp Biel

war Geschäftsführer vom Apple Online Magazin appleunity.de, ist nun Geschäftsführer einer Videoberatung für klein und mittelständische Unternehmen und schließt gerade seinen Bachelor an der WHU - Otto Beisheim School of Management ab.

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