MIDEM

Midemlab: Music discovery, recommendation & creation

In der ersten von drei Pitch-Sessions des Midemlab auf der diesjährigen Midem, stellten sich Startups zu den Themen Musik entdecken, Musik empfehlen und Musik erstellen vor. // von Tobias Schwarz

Die Jury des Midemlab

Die Jury ist hochkarätig besetzt (siehe Bild: v.l.n.r.): Corinne Bach (Vivendi), Jon Bradford (Techstars London), Stéphane Distinguin (Fabernovel), Marie Ekeland (France Digitale), Pär-Jörgen Pärson (Northzone), Roxanne Varza (Microsoft) und Paul Brindley (Music Ally). Am Sonntag werden die Sieger bekannt gegeben.

1. FeedYourMusic

Erstes pitchende Startup war FeedYourMusic aus Südkorea. Die Plattform bietet Erklärvideos zum Erlernen eines Instruments an. An sich keine lang ersehnte Neuerung, FeedYourMusic setzt aber auf Offenheit und persönlichen Kontakt zwischen Lernenden und Lehrenden. Jeder Musiker kann Dozent auf FeedYourMusic werden und nach zehn kostenlosen Unterrichtsstunden sein Wissen zu einem eigenen Preis anbieten. Nutzer haben die Möglichkeit, sich persönlich mit ihren Dozenten auszutauschen, wodurch sie Instrumente noch besser erlernen sollen und diese zu bewerten, so dass gute Lehrer transparenter und schneller gefunden werden. Über einen prozentualen Anteil an den kostenpflichtigen Unterrichtsttunden, will sich das Startup finanzieren.

Stimmung der Jury: Höflich unbeeindruckt.

2. Audioshot

Das US-amerikanische Startup Audioshot setzt auf den wachsenden Trend von Messengern, denn es bietet Nutzern an, ihre Lieblingssongs von iTunes oder Spotify direkt mit Freunden via iMessage, Snapchat, Twitter, Facebook, WhatsApp, Instagram, Gmail, etc. und andere Dienste zu teilen. Mit einer einfachen Geste werden die Lieder während des Abspielens geteilt, man kann aber auch seinen Verlauf einsehen oder mit einer Suchfunktion neue Musik in iTunes endtecken. Die Monetarisierungsideen sind noch nicht final ausgearbeitet, Werbung soll aber nicht geschaltet werden, aber vor allem Musikmagazine und Blogs sollen in die App eingebunden werden.

Stimmung der Jury: Erkannte das Potenzial, wirkte aber nicht überzeugt.

3. The Best Song

Das französsiche Startup The Best Song (http://www.thebestsong.co/) empfiehlt seinen Nutzern neue Musik – eine Art TripAdvisor für Musik. Diese können durch eine Geste zeigen, ob ihnen die Musik gefällt oder nicht. Mit der Zeit lernt die App den Geschmack ihrer Nutzer kennen und will so immer bessere Empfehlungen abgeben. Das Startup startete erst vor drei Wochen, möchte aber bald internationalisieren. Die Nutzung der App soll spielerisch erfolgen – „Musik soll so leicht entdeckt werden, als ob man CandyCrush spielt“. Dies soll zugleich die Vernetzung von befreundeten Nutzern fördern.

Stimmung der Jury: Die Jury bleibt skeptisch.

4. fusic

Mal etwas aus der Deine-15-Sekunden-Ruhm-Abteilung: Das israelische Startup fusic (http://www.fusic.com/) bietet Nutzern an, eigene kurze Videos eines von ihnen nachgesungenen Songs mit dem Originalvideo zu mixen. Der neue Mix kann dann in sozialen Netzwerken geteilt werden. Etwas unkreativ an verschiedene Nutzungsszenaerien gedacht, fallen mir Plattenlabels und Musiker ein, die Karaoke-Wettbewerbe mit viralen Videos organisieren können. Durch Sponsorships, ein Freemium-Modell in der App und eine BI-Datenbank möchte das Startup auf dem vierten Quartal dieses Jahres mondetarisieren.

Stimmung der Jury: Die Idee ist nicht neu, das Startup aber überzeugend.

5. Soundsgood

Nach einem TripAdvisor für Musik kommt ebenfalls aus Frankreich ein Pinterest für Musik: Soundsgood (http://soundsgood.co/). Das Startup bietet kuratierte Playlists an, damit Nutzer aus den Millionen von Liedern die besten nicht verpassen. Bekannte DJs, andere Musiker, Fachjournalisten, aber auch nur irgendwie bekannte Leute können Kuratoren werden – Firmen können kuratierte Playlists sponsern (so möchte das Startup u.a. Geld einnehmen). Die präsentierten Lieder können dann ebenfalls auf YouTube, SoundCloud, Deezer und Spotify gefunden werden.

Stimmung der Jury: Was bei anderen ein Feature ist, soll ein eigener Dienst sein?

6. Chew

Ein Streaming-Dienst für DJs: Chew (http://chew.tv/) ist ein Startup aus Großbritannien, dass diesen Dienst anbieten möchte. DJs können ihre Liveauftritte sowohl Audio als auch Video anbieten, in Zukunft kann hier aber jede Form von elektronischer Musik laufen. Im Gegensatz zu Vorbildern wie Soundcloud organisiert das Startup von Anfang an die Lizenzierung der Musik, ein wichtiger Service für DJ. Die Substanz der Idee ist spürbar, hier baut jemand ein ernsthaftes Geschäft auf. Wie groß das mal wird, der Vergleich zu Twitch könnte dann doch stark übertrieben sein, ist schwer zu sagen.

Stimmung der Jury: Nicht der Charme der Idee, sondern die Zahlen beeindruckenten.

7. SoundBetter

Das israelische SoundBetter (https://soundbetter.com/) möchte die Produktion von Musik demokratisieren. Wenn ich das richtig verstanden habe, können Musiker über SoundBetter sich andere Kreative suchen, die ihren Teil zu der Produktion von Musik beisteuern – also eine Art Marktplatz für alles, was man nicht selber oder andere besser können.

Stimmung der Jury: Die Idee überzeugte, die Umsetzung ist im Detail noch zu klären.

8. neoScores

Was mit Papier und das bei einem Pitch? neoScores (https://www.neoscores.com/) aus Belgien möchte ein Marktplatz für Noten (sheet music) werden. Allerdings dann doch digital und nicht auf Papier – die technologische Komponente ist der Kauf und die Darstellung von Musiknoten. Theoretisch kann die Musik, die man aufführen möchte, vor einem Auftritt auch schnell auf das eigene Gerät heruntergeladen werden. Geld soll ähnlich wie bei iTunes verdient werden – neoScores behält 25 Prozent von jedem Verkauf durch die Content-Besitzer.

Stimmung der Jury: Unsicherheit, trotz des erkennbaren Nutzens, aber der Musiknoten-Markt ist zu unbekannt.

9. Tradiio

Das portugisische Startup Tradiio (http://www.tradiio.com/) bietet Musikern die Möglichkeit, von ihren Fans durch die Vergabe von virtuellen Coins gefördert zu werden. Nutzer können neue Musiker entdecken und die ihnen am besten gefallene Musik durch ein Investment mit den Coins unterstützen. Dafür gibt es Preise wie Festivaltickets oder Gutscheine für Musik. Die am meisten geförderten Bands bekommen Auftritte auf Festivals, Plattenverträge, Videos für ihre Lieder oder Studiezeit als Gewinn. Geld verdienen tut das Startup, in dem sich Nutzer mehr virtuelle Coins kaufen.

Stimmung der Jury: Hmm, hier ist wohl zu wenig Geld zu holen.

10. Vox by Coppertino

Mac-Nutzer kennn Vox vielleicht schon, den der Player ist sehr beliebt, da er Musik auch in exotischen Formaten abspielen kann – Mashable nannte es mal „die beste Alternative zu iTunes“. Die Zukunft kennt dieses Startup aus den USA auch nicht, aber sie haben einen grundlegenden Fakt erkannt: in Zukunft wird Musik in immer höherer Qualität gestreamt werden. Der Player setzt schon jetzt auf verlustfreie und hochausgelöste Musik. Bis jetzt nur etwas für exklusive Musikliebhaber, mit höheren Bandbreiten und besseren Dateiformaten aber bald Standard auf jedem Smartphone. Vox setzt auf Qualität und nicht Masse und vor allem die Möglichkeit, jedes existierende Format abzuspielen.

Stimmung der Jury: Das Startup ist schon auf den richtigen Weg, aber jede Menge anderer auch.


Fahrplan:

  • 05.06.2015, 14:30-16:30: „Midemlab: Music discovery, recommendation & creation“

  • 06.06.2015, 10:30-12:30: „Midemlab: Marketing, Social Engagement & Monetisation Solutions“

  • 06.06.2015, 14:30-16:30: „Midemlab: Hardware & Internet Of Things“

  • 07.06.2015: 16:30-18:30: „Midemlab: Discover the winners“


Teaser by Midem, Image by Tobias Schwarz/Netzpiloten (CC BY 4.0)


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Tobias Schwarz

Tobias Schwarz

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit.

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