Streaming (Bild: Mads Bødker [CC BY 2.0], via Flickr)

MIDEM 2014: Die Flucht ins Streaming

Auf der MIDEM 2014 scheint es neben YouTube nur ein weiteres Thema für die Musikindustrie zu geben: Streaming. // von Tobias Schwarz

Music (Bild: Findung Josephine [CC BY 2.0], via Flickr)

Kann Streaming ein nachhaltiger Wert für Musiker sein? Auf der Musikfachmesse MIDEM gab es neben YouTube kaum ein anderes Thema. Nachdem Thom Yorke im Vorjahr Spotify & Co. ein baldiges Ende vorher sagte, erfreuten sich gerade die Streaming-Anbieter in diesem Jahr viel Beachtung. Der respektvolle Umgang mit den Künstlern und der Branche trägt Früchte und wurde auf fast jedem Podium lobend erwähnt. Scheinbar hat die Branche den Wert von Streaming erkannt und nutzt ihn bereits intensiv.

Ein Kindergarten namens Musikindustrie

Musiker sind Künstler, Emotionen sind Teil ihrer Natur. Und an denen fehlte es der prominenten Podiumsrunde auch nicht, die am Samstagabend auf der MIDEM 2014 über die Zukunft der Musikindustrie diskutierten. Deezer-CEO Axel Dauchez, Eddy Maroun von Anghami, Musikmanager Brian Message, Mandar Thakur von der indischen Firma Times Music und schließlich noch Thorsten Schlieche von Napster. An Kompetenz fehlte es offensichtlich eben so wenig in der von Milana Rabkin moderierten Runde.

Und Rabkin machte gleich zu Beginn einen provokanten Start: „Die Musikindustrie hat in den letzten Jahren das Wachstum von Streaming stark gebremst. Wollte man einen Streaming-Dienst aufbauen, war es ein Alptraum. Einige in der Musikindustrie haben sich wie im Kindergarten benommen

Streaming als Strategie

Wie zum Beispiel von Eddy Maroun vom arabischen Streaming-Dienst Anghami, der auf den Wert des Produkts verwies. Es muss stets attraktiv sein und „nichts setzt einem mehr Wettbewerbsdruck aus als Piraterie„. Doch die Entwicklung ist erst am Anfang und das volle Potenzial von Streaming noch gar nicht erkannt. Auch Schlieche von Napster sieht die Entwicklung noch lange nicht beendet und berichtete von eigenen Versuchen, „Play“ als neue Währung des Streaming zu etablieren, denn am Ende kommt es nur darauf an, wie oft ein Lied oder Video abgespielt wurde, wenn es um Geld für Künstler geht und um nichts anderes geht es. Deshalb setzt Napster auch vermehrt auf eigene Inhalte, wie z.B. Videos von Akustiksessions oder Interviews, alles was Fans interessieren könnte und näher an die Musiker bindet, so dass Videos öfters geschaut werden und Musiker bekannter werden.

Brian Message betonte den Nutzen von Streaming für noch wenig bekannte Musiker oder für diejenigen, die nicht viel von Marketing halten: „Es kann für einen neuen Musiker sehr schwierig sein, mit bereits bekannteren Musikern zu konkurrieren, (…) aber Streaming ist genau dafür ein sehr praktisches Werkzeug„. Deshalb hat er zum Beispiel bei Nick Cave „Streaming an vorderste Stelle aller Aktivitäten gesetzt, noch vor der Entwicklung von Spotify-Apps oder Songtextekarten, um mehr Aufmerksamkeit zu erzielen. Und das hat ausgezeichnet funktioniert„. Es lässt sich zwar nicht alles monetarisieren, aber alles zählt wiederum in den Bereich des Messbaren und das kann viel Wert sein.

Aufmerksamkeit und Geld

Wie viel wert so etwas ist, wollte das Publikum vor allem von Deezer-Geschäftsführer Alex Dauchez wissen, der die Bemühungen seines Unternehmens, mehr Aufmerksamkeit zu generieren, nicht nur als Service für Musiker verstanden wollte, sondern als Hilfe für die gesamte Musikindustrie. Die interessierten sich aber eher dafür, wie viel Deezer gewillt ist, von den Einnahmen abzugeben als für die Investitionsvorhaben. Dauchez verwies auf Deezers unterschiedlichen Beteiligungsformen, die sich nach dem Lied richten.

Musiker aus dem Publikum interessierten sich besonders für die Daten, denn sie wissen kaum etwas über ihre Fans auf Deezer und würden gerne das Wissen besser monetarisieren, in dem sie sich auf Zielmärkte konzentrieren könnten. Vom Respekt allein lässt es sich eben auch nicht leben, doch Dauchez blockte hier schnell ab. Es wird zwar über Wege nachgedacht, wie Musiker auf Deezer mehr aus den Daten machen können, eine Herausgabe und damit vielleicht eine Nutzung des Wissens in anderen Diensten, könnte er nicht zu lassen.

Eine Lösung aus diesem Dilemma brachte zum Ende der lebhaften Diskussion Schlieche ins Gespräch: „Wenn Künstler ihre eigenen Plattformen bauen würden und selber ihre Inhalte bewerben, sollten sie es auch selber schaffen, Zugang zu ihrer Fangemeinde zu bekommen„. Und Messsage ergänzte: „Das Gute ist doch, dass wir die Wahl haben, denn es gibt schon jetzt eine Reihe von Möglichkeiten, denn immer mehr Unternehmen mit Diensten, die früher Labels angeboten haben, bieten einen leichten Zugang zu ihren Daten„.


Teaser by Mads Bødker (CC BY 2.0)

Image by Finding Josephine (CC BY 2.0)


Schlagwörter: , , , , ,
Tobias Schwarz

Tobias Schwarz

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit.

More Posts - Website - Twitter - Facebook - Google Plus