Microsoft: kann eigene Hardware Windows 10 zum Hit machen?

Oft wird der Hightech-Konzern aus Seattle neben Google, Apple, Facebook und Amazon als wichtiger Player vergessen. Doch jetzt gibt es wieder kräftige Lebenszeichen. In all den Storys über die baldige Weltherrschaft der IT-Konzerne über die Welt kommt eine Firma eher selten vor: Microsoft. Dem einstigen PC- und Windows-Giganten wird derzeit im Vergleich zu Apple und Google wenig zugetraut und hat nicht das Image, innovativ zu sein. Doch unter dem neuen CEO Satya Nadella soll sich das schrittweise ändern.

Die Überraschung des Hightech-Herbsts hat weder Google noch Apple abgeliefert, sondern Microsoft. Während die beiden Silicon-Valley-Riesen erwartbare Hardware (neue Nexus-Smartphones bzw. iPhone 6s und iPad Pro) ablieferten, zeigte Microsoft vergangene Woche neben neuen Lumia-Smartphones, einer neuen Version des Surface-Tablets und einem Sport-Tracker-Armband auch sein erstes Notebook: Das Surface Book (ab 1.500 US-Dollar) punktet bei ersten Begutachtern mit abnehmbarem Tablet-Display, starker Performance und schickem Design und wurde sogar schon als “MacBook-Pro-Killer” bezeichnet.

Dass Microsoft immer mehr mit eigener Hardware in den Markt geht, hat seinen Grund. Zwar laufen bis dato 110 Millionen PCs weltweit Windows 10 mit dem neuen Betriebssystem Windows 10, doch die einstige Größe hat Windows in einer immer mobileren Welt, die von Apples iOS und Googles Android dominiert wird, nicht mehr. Der PC-Markt, den Microsoft immer dominierte, ist weiter am Schrumpfen: Sowohl Gartner als auch IDC sehen weiter sinkende PC-Verkäufe und gehen von 74 bzw. 71 Millionen verkauften PCs im dritten Quartal 2015 aus – jeweils bei einem Minus von 8 bzw. 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Marktforscher von Gartner meinen, dass Windows 10 wenig Effekt auf den Verkauf von neuen PCs sondern sich eher dort zeige, wo alte Windows-Versionen auf einem bestehenden PC erneuert werden (v.a. in Unternehmen). IDC erwartet immerhin, dass neue Windows-Hardware 2016 den Markt wieder beleben könnte.

Bestärken des Marktes durch eigene Hardware

Um den Markt zu beleben, hat Microsoft nun selbst das Zügel in die Hand genommen. Eigene Hardware, das hat man von Apple gelernt, sollen Konsumenten scharf auf die neue Software machen und außerdem anderen Herstellern vorzeigen, wie Notebooks, Tablets und Smartphones mit Windows 10 funktionieren können. Keine blöde Idee auch deswegen nicht, weil Microsoft hinter Apple, Google und Coca-Cola immer noch die viert wertvollste Marke der Welt ist. Da das Logo auf teure Hardware zu kleben, kann den Absatz ankurbeln.

Dass Microsoft aber künftig so wie Apple den Gros seines Umsatzes mit Hardware machen wird, davon ist nicht auszugehen. Ein Blick in die Umsatzzahlen zeigt, dass die Seattler mittlerweile äußert breit aufgestellt sind und verschiedenste Einnahmequellen haben. Während die zwei einstigen Cashcows Windows und Office im Sinken sind, gewinnen andere Sparten (Search, Azure-Cloud, Online-Abos für Office 365, Xbox, Dynamics CRM) an Bedeutung. Wenn es Microsoft nun schafft, sein Hardware-Geschäft (mit Surface setzt man bereits pro Jahr fast eine Milliarde US-Dollar um) auf stabile Beine zu stellen und die Milliardenkosten der Nokia-Übernahme wieder hereinzuholen, hat man die Diversifizierung geschafft. Anders als Apple (= iPhone) und Google (=Search Advertising) ist man dann nicht von einer einzigen Einnahmequelle abhängig und kann als Dachmarke unterschiedlichste Sparten (von Surface über Azure bis Office) bedienen.

Das erklärt letztendlich auch das Kuriosum bei der Apple-Präsentation des iPad Pro, bei der auch ein Microsoft-Manager zugegen war. Microsoft sieht sich selbst nicht mehr als die alles beherrschende Software-Plattform, sondern sucht sich für seine Produktsparten die jeweils wichtigsten anderen Plattformen (in diesen Fall iOS für Office 365), um so an möglichst viele potenzielle Kunden zu kommen.


Image (adapted) “Microsoft sign outside building 99” by Robert Scoble (CC BY 2.0)


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Jakob Steinschaden

Jakob Steinschaden

ist seit 2006 publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist und hat die beiden Sachbücher "Phänomen Facebook - Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt" (2010) und "Digitaler Frühling - Wer das Netz hat, hat die Macht?" (2012) veröffentlicht. In seinem Blog “Jakkse.com” und in Vorträgen schreibt und spricht er gerne über die Menschen und ihr Internet – von Social Media über Mobile Business und Netzpolitik bis zu Start-ups.

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