Mesh-Netzwerke: Alternatives unabhängiges Internet für alle

Zensur ist längst Alltag im Internet, sei es aus politischen oder kapitalistischen Gründen. Sogenannte Mesh-Netzwerke sollen ein alternatives Internet schaffen, das wieder dezentral und unabhängig ist.Das ursprünglich freie und dezentral geplante Internet ist schnell von der politischen und kapitalistischen Realität eingeholt worden. Nicht nur in Krisensituationen und bei Naturkatastrophen wollen Internetaktivisten mit sogenannten Mesh-Netzwerken den ursprünglichen Grundgedanken des Internet wiederherstellen und es für alle zugängig machen, ohne dass Staaten oder große Provider darauf Einfluss nehmen können.


  • Mesh-Netzwerke sind dezentrale Netzwerke aus mehreren verbunden Geräten.
  • Sie ermöglichen die Vernetzung von Menschen auch ohne Internetzugang.
  • Dank günstiger Hardware und einfacher Software kann jeder Teil eines Mesh-Netzwerkes werden.

Das Internet wird aus vielerlei Gründen in einigen Bereichen der Welt abgeriegelt, die Great Firewall of China ist dabei sicher eines der bekanntesten Beispiele, der Versuch der ägyptischen Regierung 2011 durch abschalten des Internets im Lande einen aufkeimenden Aufstand zu verhindern, eines der Jüngsten. Aber auch im vermeidlich freien Westen haben nur wenige Telekommunikationsunternehmen die Macht über das Internet, dessen Netzneutralität in vielen Bereichen in Gefahr ist. Das Problem liegt in der Struktur begründet – war das Internet ursprünglich als dezentrales Netzwerk geplant, läuft heute fast der gesamte Datenverkehr über einige zentrale Knotenpunkte, deren Kontrolle natürlich auch Macht bedeutet.

Unter Internetaktivisten machen sich aus diesen Gründen immer stärker Mesh-Netzwerke als mögliche Alternative breit. Die Idee dahinter ist, dass sich möglichst viele Geräte dabei untereinander vernetzen, die dann jeweils einen eigenen kleinen Knotenpunkt darstellen. Dafür wird vor allem kostengünstige Hardware mit leicht bedienbarer Software benötigt, so dass sich wirklich jeder an den Netzwerken beteiligen kann und diese eine entsprechende Größe und Reichweite erlangen.

Derartige Netzwerke sind vor allem in Krisengebieten von Vorteil, sei es weil die Regierung den Zugang zu bestimmten Webseiten verhindert, oder der Zugang zum Netz aufgrund einer Naturkatastrophe verhindert ist. In beiden Szenarien könnten sich Menschen über Mesh-Netzwerke vernetzen und Hilfe organisieren. Soll ein solches Ad hoc-Netzwerk allerdings auch Zugang zum Internet bieten, wird mindestens ein Knoten benötigt, der eine physikalische Verbindung zu einem der großen Knoten besitzt um die restlichen Geräte zu versorgen.

Unter anderem aus diesem Grund ist es allerdings auch unrealistisch, dass Mesh-Netzwerke das Internet jemals komplett ablösen werden. Allerdings kann durch den Ausbau das Maß an Kontrolle der Regierungen und Telekommunikationsunternehmen über das Internet reduziert werden.

Mehrere Initiativen fordern und fördern mittlerweile den Ausbau von Mesh-Netzwerken. FreedomBox oder Freifunk oder Funkfeuer in Österreich seien an dieser Stelle nur als bekanntere Beispiele genannt, das Serval Project wiederum hat sich dabei auf mobile Mesh-Netzwerke spezialisiert. Bestimmte Router lassen sich durch DD-WRT-Firmware zu Mesh-Netzwerkgeräten umrüsten und mit dem Kickstarter-Project Flutter wird derzeit versucht, eine günstige Arduino-basierte Hardware mit über einem Km Reichweite zu finanzieren.


Image (adapted) „FON Wireless Router“ by nrkbeta (CC BY-SA 2.0)


 

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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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