Mesh-Netzwerke: Vernetzen gegen die Geheimdienste?

Es gibt nur einen sicheren Weg, wie man seinen Computer vor den neugierigen Blicken der Geheimdienste schützen kann: Offline bleiben. Allerdings ist diese Strategie in der vernetzten Gegenwart nahezu unmöglich von der Theorie in die Praxis zu übertragen. Es gibt aber auch andere Alternativen, wie etwa Mesh-Netzwerke. In Griechenland und Spanien haben sich bereits große dezentrale Netzwerke etabliert und auch beim Arabischen Frühling, in der Türkei und Hong Kong konnten die Demonstranten sich auf diesem Weg an der Kontrolle der Regierung vorbei vernetzen. Doch sind Mesh-Netzwerke wirklich die sichere, abhörfreie Alternative zum Internet?

Vernetzen gegen die Telekommunikationsunternehmen

Wir alle nutzen das gleiche Internet und sind somit auch der staatlichen Kontrolle ausgeliefert. Auf der Suche nach einer Möglichkeit den neugierigen Blicken der Geheimdienste zu entgehen, rückten Mesh-Netzwerke schnell in den Fokus. Dabei handelt es sich um Netzwerke, die ohne die Infrastruktur der Provider, von Nutzer zu Nutzer aufgebaut werden. Jedes Empfangsgerät fungiert in diesen Netzen nicht nur als Sender und Empfänger von Daten, sondern auch als Knotenpunkt. Auf diesem Weg können genug Nutzer ein dezentrales Netzwerk aufbauen. Diese Technologie haben sich bereits Demonstranten beim Arabischen Frühling, in der Türkei sowie Hong Kong zu Nutze gemacht, als der Staat den Zugang zum Internet gesperrt hat, weil sich die Aktivisten darüber organisierten. Aber nicht immer sind politische Gründe Auslöser für die Entstehung derartiger Netzwerke.

In Athen etwa hat sich seit 2002 das Wireless Metropolitan Network entwickelt, das inzwischen etwa 1120 Backbone-Nodes und ca. 2900 Client-Computer verbindet. Dabei handelt es sich um ein privates, lokales Internet, ein sozialer Hub, über den sich Nutzer in Athen vernetzen und austauschen. Ursprünglich war das AWMN als kostengünstige Alternative zum Internet gedacht, aber das lokale Angebot sorgt für immer stärkeren Zulauf. Ähnliche Initiativen finden sich auf der ganzen Welt, so etwa auch in Spanien. Der Ursprung von Gufi.net liegt in der Unzufriedenheit der Nutzer, die es satthatten, darauf zu warten, dass die Telekommunikationsunternehmen die ländlichen Regionen verkabeln. Die Lösung waren einige Langstreckenantennen, die Nutzer an WLAN-Adapter angeschlossen und diese auf öffentliche Hotspots, etwa in Bibliotheken gerichtet haben. Inzwischen ist Gufi.net mit über 21.000 Nutzern zum größten Mesh-Netzwerk der Welt.

Sicher im Mesh-Netzwerk?

Die meisten Mesh-Netzwerke werden aus ökologischen Gründen gestartet. Entweder weil die Telekommunikationsanbieter zu langsam oder zu teuer oder manchmal sogar beides gleichzeitig sind. Doch wie sich schnell herausgestellt hat, besitzen Mesh-Netzwerke auch ein starkes politisches Element, schließlich bieten sie Menschen (besonders politischen Aktivisten) eine sicherere und zuverlässigere Kommunikationsmöglichkeit. Auf diese greifen digitale Aktivisten immer häufiger zurück, um sich an den überwachbaren Diensten im Internet auszutauschen und zu organisieren. Etwa mit Hilfe von Commotion, einem Open-Source-Wireless-Mesh-Netzwerk, das das Open Technology Institute entwickelt hat. Bekanntheit erlangte das „Internet in a Suitcase“, als es nach Hurricane Sandy genutzt wurde, um Anwohnern von Brooklyn’s Red-Hook-Nachbarschaft wieder Zugang zum Internet zu bieten, oder als Protestierende bei den Occupy-Wall-Street-Protesten einsetzten um ihr eigenes Netzwerk zu kontrollieren. Doch die Sicherheit, in der sich die politischen Aktivisten wägen, ist trügerisch. Denn sogar das OTI schreibt auf der eigenen Website über Commotion, dass es:

  • die Identität der Nutzer verbergen kann

  • die Überwaschung des Internetverkehr nicht verhindert

  • nicht vor Überwachung des Datenverkehrs über das Mesh schützt

  • und zudem mit Radio/Daten-Signalen gestört werden kann

Den zweiten Punkt könnte man dadurch zumindest weitestgehend verhindern, dass keines der verbundenen Geräte zudem mit dem Internet verbunden ist. Für die anderen Punkte sieht es nicht so gut aus. Nach unserem aktuellen Kenntnisstand besitzen NSA und andere Geheimdienste ausreichend Know-How und technische Mittel, um auch in Mesh-Netzwerken einen Überblick über das virtuelle Geschehen zu haben. Derzeit ist es also recht leichtsinnig Mesh-Netzwerke zu nutzen um der staatlichen Kontrollierbarkeit zu entgehen. Allerdings wurden Mesh-Technologien wie Commotion vor den Enthüllungen Edward Snowdens entwickelt, also bevor wir über die technischen Möglichkeiten der Geheimdienste wussten. Wenn dieses Wissen nun allerdings in die Entwicklung der nächsten Generation der Mesh-Netzwerke einfließt, könnten diese Tools in Zukunft tatsächlich Schutz vor den Geheimdiensten bieten.


Image (adapted) „Networking Switch“ by @felixtriller (CC BY 2.0)


 

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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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