dropAstyle – Echte Menschen, echte Mode, bares Geld

E-Commerce ist tot, es lebe Social Commerce. Das war schon vor mehr als zehn Jahren eine Zukunftsprognose. Seitdem hat sich viel getan in der Welt des Onlineshoppings. Auch wenn der E-Commerce nicht vertrieben wurde, hat er mit Social Commerce eine weitere Komponente dazugewonnen. Immer mehr Plattformen, aber auch die großen Onlineshops selbst, nutzen die Nahbarkeit und Authentizität von Social-Media-Akteuren, um ihre Produkte zu verkaufen. Auch junge Unternehmen haben Social Commerce als Geschäftsfeld entdeckt.

Instagram trifft Onlineshopping

Ganz neu ist dabei die Applikation dropAstyle, eine Art Instagram fürs Onlineshopping. Dahinter steckt ein Startup aus Aachen, das mit einem neuen Konzept frischen Wind in die Branche bringen will. dropAstyle will eine Art Social-Media-Plattform für Mode schaffen, auf der echte Menschen Mode präsentieren – und am Verkauf mitverdienen können.

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Wie Social Media und E-Commerce funktionieren. Image by Alexander Graf.

Denn das Ziel beim Social Commerce ist immer noch der Verkauf, „allerdings steht nun nicht mehr das Produkt am Anfang, sondern der Mensch”, wie es E-Commerce-Experte Alexander Graf formuliert.

Während also beim klassischen E-Commerce das Produkt den Käufer überzeugen soll, sind es nach Ansicht von Graf beim Social Commerce die Peers, die beim Nutzer Vertrauen und Bedürflichkeiten wecken sollen.

Das Geschäft mit der Personalisierung

Blogger sind so längst zu Markensprechern geworden, Instagramer und YouTuber zu Influencern. Dahinter steckt nicht nur die Begeisterung über das Web 2.0 und seine Möglichkeiten, sondern auch ein sehr großer Markt. Nach einer Erhebung des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel wurden im ersten Quartal 2017 etwa 10 Prozent mehr erwirtschaftet als im ersten Quartal des Vorjahres. Insgesamt haben demnach die Onlinehändler 13,21 Milliarden Euro umgesetzt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Influencer zu einer Berufsbezeichnung geworden ist und immer mehr Angebote auf genau diesen Markt abzielen.

Vor allem im Bereich Fashion und Beauty ist Social Commerce sehr erfolgreich. So haben auch die Riesen im E-Commerce, von Amazon über Zalando bis hin zu Otto, erkannt, dass sie ihre Produkte personalisieren und das Internetshopping zum Erlebnis ausbauen müssen, wenn sie etwas verkaufen wollen. Amazon versucht dies über Echo Look mit einer Kombination aus künstlicher Intelligenz und Individualisierung zu erreichen. Zalando und Otto wiederum setzen über Apps wie Fleek oder Plattformen wie About You auf den Community-Gedanken. Andere Portale wie Dawanda oder Spreadshirt haben Social Commerce direkt zum Geschäftsmodell gemacht.

Wenn drei Informatiker ein Fashion-Startup gründen

Doch keins dieser Modelle hat Christoph Ersfeld, Fabian Debus und Swen Kühnlein, die drei Gründer von dropAstyle so richtig überzeugt. „Ich bin selbst sehr schlank und habe nie passende Hemden gefunden, egal ob im Laden oder in Onlineshops“, erklärt Christoph Ersfeld im Gespräch mit den Netzpiloten.

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Die Gründer von dropAstyle. Image by dropAstyle.

Im Offlineshop ist die Auswahl oft zu gering, im Onlineshop sagen Fotos der Kleidung an Models und allgemeine Größen nicht viel darüber aus, wie das Kleidungsstück hinterher an einem selbst aussieht. Der Einkaufsfrust trieb die drei Informatiker schließlich dazu, ein Fashion-Startup zu gründen. Neben der Webseite steht dabei vor allem die Applikation, die im Juni 2017 sowohl für Android als auch für iOS gelauncht wurde, im Fokus. Dabei ist zwar auch bei dropAstyle Social Commerce das grundlegende Geschäftsmodell, doch die App geht darüber hinaus, erklärt Ersfeld: „Wir wollen eine inklusive Community schaffen, auf der wir von Frau bis Mann, von alt bis jung, von groß bis klein, von dünn bis kurvig, Mode so vielfältig wie möglich darstellen.“

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Homepage von dropAstyle. Screenshot by Marinela Potor.

Mode soll also nicht (nur) von Models präsentiert werden, sondern von echten Menschen. Je bunter die Mischung, desto besser. So stellen es sich die drei Gründer zumindest vor. Darüber hinaus soll auch eine Onlinegemeinschaft entstehen, in der sich Nutzer aktiv über Mode austauschen können. Jeder, der mitmachen will, erstellt dazu ein Profil auf dropAstyle und kann dann Fotos von seinen „Styles“ hochladen. Die Kleidungsstücke können anschließend anhand eines Produktkatalogs aus aktuell 500.000 Produkten kategorisiert und mit Begriffen getaggt werden.

 

User, die nach Inspiration suchen, können dann wiederum auf dropAstyle über einen speziellen Suchfilter die Mode an den Menschen sehen, die ihnen selbst ähnlich sind – und kaufen. Dazu werden die Produkte über Affiliate-Schnittstellen automatisch mit Onlineshops verbunden. Aktuell kooperiert dropAstyle mit etwa 50 Shops. Nutzer werden über die Produkttags auf der App an diese Onlineshops weitergeleitet und können die Kleidung dann dort direkt kaufen.

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Das Konzept der dropAstyle community. Screenshot by Marinela Potor.

Die Suche nach dem richtigen Style wird bei dropAstyle nicht nur über Hashtags, sondern auch mit künstlicher Intelligenz vorangetrieben. Das Userverhalten wird beobachtet und erlernt und je nach Vorlieben werden den Nutzern verschiedene Styles vorgeschlagen. Das soll nicht nur zu einem individualisierten Erlebnis führen, sondern natürlich auch zum Kauf.

Am Verkauf verdienen dann aber nicht nur der Onlineladen und dropAstyle, sondern auch der Nutzer, der den Kauf inspiriert hat. Je mehr Käufe jemand anregt, umso höher wird der persönliche Anteil an den verkauften Produkten. „Newcomer“ bekommen 20 Prozent Provision, „Fashion-Stars“sogar 70 Prozent.

Ein durchaus attraktives Konzept. Noch merkt man aber, dass dropAstyle eine brandneue Plattform ist. Christoph Ersfeld will zwar nicht verraten wie viele Nutzer derzeit aktiv sind und wie viele Verkäufe schon stattgefunden haben, vom ersten großen Meilenstein – 100.000 Usern – sei man aber noch ein gutes Stück entfernt. Das mag mit ein Grund sein, warum die Style-Darsteller hauptsächlich jung und weiblich sind und aus der Instagram- oder Modebloggerszene kommen und noch nicht so vielfältig sind wie die Gründer es gerne hätten.

Christoph Ersfeld glaubt aber, dass sich das in Zukunft ändern wird: „Die ersten Nutzer auf unserer App sind überwiegend Instagrammer oder Fashionblogger, die einfach eine neue Plattform ausprobieren wollen. Doch wir hoffen natürlich, dass mit steigender Nutzerzahl auch die Profile diverser werden.“


Image (adapted) „Fashion“ by freestocks.org (CC0 Public Domain)
Images by Alexander Graf & dropAstyle; Screenshots by Marinela Potor


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Marinela Potor

Marinela Potor

begann ihren journalistischen Werdegang bei kleinen Lokalzeitungen und arbeitete dann während ihres Studiums als Reporterin für den Universitätsradiosender. Ihr Volontariat machte sie bei Radio Jade in Wilhelmshaven. Seit 2010 hat sie ihren Rucksack gepackt und bereist seitdem rastlos die Welt – und berichtet als freie Journalistin darüber. Über alle „inoffiziellen“ Geschichten schreibt sie in ihrem eigenen Blog fest. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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