#MeetTheBloggerDE: Anne Häusler über Deutschlands größtes Blogger Meet-and-Greet

Seit Anfang Mai diesen Jahres findet bereits zum zweiten Mal #MeetTheBloggerDE statt, eine von der Bloggerin Anne Häusler ins Leben gerufende Challenge, bei der sich 14 Tage lang deutschsprachige Blogger*innen auf Instagram porträtieren und miteinander vernetzen. Jeden Tag stellen sie einen anderen Aspekt ihres publizierenden Schaffens vor. Der unter jedem Beitrag verwendete Hashtag #MeetTheBloggerDE vernetzt die verschiedenen Beiträge und erzeugt ein Abbild der hiesigen Blogosphäre auf Instagram.

Anne Haeusler (Image by Anne Häusler)
(Image by Anne Häusler)

Auf ihrem eigenen Blog hat Anne Häusler Ende April den Aufruf gestartet, inzwischen haben nach eigenen Angaben rund 1.400 Blogger*innen an der Aktion teilgenommen. Darunter auch ich, @isarmatrose, der den Hashtag in den letzten 11 Tagen intensiv verfolgt habe. Mir gefällt die Challenge ausgezeichnet, vor allem aber erfreue ich mich daran, neue Blogger*innen und ihre Themen zu entdecken. Und genau darum geht es auch bei der Aktion, wie mir Anne Häusller im Interview erklärt:

Tobias Schwarz: Dieses Jahr hast du inzwischen zum zweiten Mal zur #MeetTheBloggerDE-Challenge aufgerufen. Was hat dich zu dem Projekt im letzten Jahr inspiriert und warum machst du es noch einmal?

Anne Häusler: Am Bloggen hat mich schon immer der Netzwerkaspekt besonders interessiert. Die Möglichkeit, sich mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen auszutauschen, von ihnen zu lernen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, finde ich total spannend.

Im letzten Jahr habe ich mich ausgiebig mit Instagram beschäftigt. Die große Rolle von Hashtags und der einfache visuelle Zugang zu den Inhalten machen Instagram zu der perfekten Plattform, um Blogger nischenübergreifend zu vernetzen. Also habe ich das einfach mal ausprobiert und die Instagram Challenge #MeettheBloggerDE ins Leben gerufen.

Nachdem einige Influencer die Challenge 2016 aufgegriffen und in ihre Netzwerke getragen haben, wurde die Aktion zum Selbstläufer. Mehr als 600 deutschsprachige Blogger haben mitgemacht und ich habe fast aus Versehen das größte Blogger Meet-and-Greet im deutschsprachigen Raum veranstaltet. Das Engagament hat mich wirklich umgehauen. Bei soviel positivem Feedback war klar: die Aktion mache ich auf jeden Fall nochmal.

Auch wenn die zweite Challenge erst halb rum ist, kannst du schon ein erstes Fazit ziehen, was in diesem Jahr anders war oder ist als bei der ersten Challenge im vergangenen Jahr? Haben in diesem Jahr mehr Blogger*innen teilgenommen?

Was soll ich sagen, die Challenge rockt! Klar hatte ich gehofft, dass ich noch mehr Leute erreichen kann. Aber mit mehr als 1400 aktiven Teilnehmern habe ich nicht gerechnet. Einige sind die ganzen zwei Wochen dabei, andere machen nur an einzelnen Tagen mit. Aber das ist auch total ok so. Es geht bei #MeettheBloggerDE um den Spaß und die Vernetzung, das soll nicht in Stress ausarten.

Ich habe die Challenge in diesem Jahr deutlich gekürzt. 14 Tage statt 30 Tage wie im letzten Jahr sind ausreichend, um sich kennen zu lernen und den Community-Effekt herzustellen. Dadurch trauen sich auch Blogger an die Aktion ran, die bisher vielleicht nicht ganz so Instagram-affin waren.

Es scheinen mir verhältnismäßig sehr viele Frauen mitzumachen, die meisten schreiben zu den Themen Bücher, Reisen, Kinder und DIY. Wie würdest du die teilnehmenden Blogger*innen beschreiben?

Deine Beobachtung ist vollkommen richtig. Rund 95 Prozent der Teilnehmer sind Frauen. Das liegt sicher auch an mir: Mein Blog annehaeusler.de wendet sich speziell an Bloggerinnen und ich habe die Challenge vor allem innerhalb meines eigenen Netzwerks beworben. Außerdem ist Instagram in Deutschland fest in Frauenhand. Schade eigentlich. Die Plattform ist nämlich super, um eine Community rund um den eigenen Blog aufzubauen.

Besonders gut vertreten sind bei der Aktion Buchblogger, Reiseblogger, Elternblogger, Foodblogger und Lifestyle-Blogger. Außerdem habe ich in diesem Jahr gezielt versucht, Selbständige mit Blog für die Challenge zu begeistern. #MeettheBloggerDE ist eine tolle Möglichkeit, sich und sein Unternehmen der Blogger-Community auf Instagram vorzustellen, ohne den Followern mit der Marketing-Fahne im Gesicht rumzuwedeln. Das hat gut geklappt. Es sind eine ganze Reihe von kleinen Unternehmen mit dabei.

Die deutschsprachige Blogosphäre ist schwer zu erfassen und allgemein wahrzunehmen. Zeigt die von die initiierte #MeetTheBloggerDE-Challenge ein realistisches Abbild der hiesigen Blog-Szene?

Nein, die Challenge ist kein Abbild der hiesigen Blog-Szene. Sie zeigt lediglich, welche Blog-Nischen Instagram intensiv nutzen und dort miteinander vernetzt sind. Ich will die Challenge im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder veranstalten, die ersten Anfragen dazu habe ich schon bekommen. Die spannende Frage wird dann sein: wie schaffe ich es, Blog-Nischen anzusprechen, die von der Aktion bisher nichts mitbekommen haben. Und ich will beim nächsten mal mehr Männer dabei haben.

In dieser Woche fand auch wieder die re:publica in Berlin statt. Vor Jahren war dies eine beinahe reine Blogger*innen-Konferenz; heutzutage ist es eine wesentlich vielfältigere Gesellschaftskonferenz. Brauchen wir Blogger*innen vielleicht wieder ein Event nur für uns?

Ich finde die re:publica aus vielen Gründen super, aber die Konferenz der Netzgemeinde ist sie für mich nicht mehr. Es gibt ja eine Reihe von Barcamps und Nischen-Konferenzen für Blogger. Aber bei einer großen, themenübergreifenden Konferenz für deutschsprachige Blogger wäre ich sofort dabei. Netzwerken über alle Nischen hinweg, Wissenstransfer und die Diskussion von Themen wie Monetarisierung versus Blogger-Idealismus, gesellschaftliches Engagement versus Feel-Good-Bloggen oder solche Themen fände ich total spannend.

Zum Schluss bitte noch ein Blick in die Glaskugel: Brauchen wir in Zeiten von snackable Content und mobile Messaging überhaupt noch Blogs? Verschwinden diese nicht vielleicht und Blogger*innen werden nur noch mit dem stets gleichen Nutzernamen plattform- und mediumübergreifend publizieren?

Ich snacke gerne. Aber wenn ich richtig Hunger habe, will ich ne richtige Mahlzeit. Meiner Meinung nach geht der Trend zurück zum Hauptgericht: lange, gut recherchierte und gedanklich ausgereifte Blogposts. Quasi Wissensbomben, die dem Leser jede Menge Infos und Mehrwert bieten. Wenn du in deiner Nische zu einer hörbaren Stimme werden willst, kommst du daran nicht vorbei. Der einzige Ort, an dem du dieses Wissen dauerhaft vermitteln kannst, ist der eigene Blog. Alle anderen Plattformen sind nur Mietwohnungen. Wenn da der Besitzer wechselt, stehst du eventuell auf einmal vor verschlossenen Türen.

Zusätzlich zum Hauptgericht erwarten die Nutzer (es sind ja nicht mehr alles Leser) ein Menü an Appetizern und Häppchen in Form von kurzen, ergebnisorientierten Posts, Live-Videos, Podcasts Infografiken… was auch immer die Zielgruppe anspricht.

Um ehrlich zu sein, ich finde diese Entwicklung ganz spannend. Es nimmt mir den Druck, aus jedem Blog-Post ein preisverdächtiges Werk zu machen. Und gleichzeitig habe ich die Möglichkeit, die wirklich tiefen, arbeitsintensiven Blogposts zweimal, dreimal oder viermal zu verwerten und damit jeweils andere Bedürfnisse bei meinen Lesern anzusprechen. Blogs wurden schon so oft für tot erklärt… und haben sich dann immer als extrem flexible Biester entpuppt. Ich sehe da ganz entspannt in die Zukunft.

Auf annehaeusler.de findet Ihr mehr Informationen zur #MeetTheBloggerDE-Challenge!


Image (adapted) Red Hands Woman Creative by Kaboompics_Karolina (CC0 Public Domain)

Image by Anne Häusler


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Tobias Kremkau

Tobias Kremkau

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit.

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