mealUp-Gründer Tom Jakubowicz im Gespräch

Im Interview erklärt Tom Jakubowicz, wie Deutschlands erste Social Dining-Plattform „mealUp“ funktioniert, an wen sie sich richtet und welchen Nutzen sie für unsere Gesellschaft hat. // von Merle Miller

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Seit Juni 2014 gibt es in Deutschland die erste Social Dining-Plattform im Internet für Berlin und nun seit Ende August 2014 auch für Hamburg und München. Mit mealUp kann man sich ganz unverbindlich zu einem Essen verabreden. Ob man nun ein Tourist, ein Neubewohner oder einfach auf Durchreise in einer der genannten Städte ist: Man muss nicht mehr alleine in Restaurants gehen. Gründer Tom Jakubowicz erklärt das Konzept der digitalen Anwendung und gibt unter anderem auch preis, selbst mealUp regelmäßig zu verwenden.

Merle Miller: Du bist Mitbegründer von mealUp. Wie ist eigentlich die Idee dazu entstanden?

Tom Jakubowicz: Ich bin früher sehr häufig für meine Arbeit und mein Studium gereist bzw. musste mich in neuen Städten einleben. Einerseits war ich in diesen Situationen anfangs häufig alleine unterwegs und mich störte es, alleine essen gehen zu müssen. Andererseits habe ich so immer wieder festgestellt, dass die Aktivität des gemeinsamen Essengehens eine ganz natürliche Gelegenheit zum Knüpfen neuer Kontakte und zum Entdecken einer Stadt ist. Eines Abends nach der Arbeit – ich hatte Hunger, nichts im Kühlschrank und keine Lust auf Lieferservice-Essen – hatte ich plötzlich die Idee für eine Online-Anwendung, die einen unkompliziert und spontan mit anderen Leuten zum Essengehen verbindet. Das war die „Geburtsstunde“ von mealUp.

Wie funktioniert die Plattform?

Wir haben versucht, mealUp so zu konzipieren, dass es für unsere Nutzer möglichst flexibel einsetzbar ist ohne kompliziert zu sein. Bevor es losgehen kann, registriert man sich kostenlos und erstellt ein kleines Nutzerprofil. Nach diesem kurzen Schritt kann man schon sein erstes „mealUp“ (eine offene Einladung zum gemeinsamen Essengehen in Restaurants) erstellen oder bereits bestehende mealUps, die von anderen Nutzern erstellt wurden, anfragen. Als Ersteller eines mealUps bestimmt man neben dem Restaurant auch die Uhrzeit, die Anzahl der Teilnehmer und den Anlass für das Essen (z. B. Netzwerken). Durch das Annehmen von Anfragen anderer Nutzer, die beim Essen dabei sein möchten, wird das mealUp bestätigt und schon kann man sich im vereinbarten Restaurant treffen.

An welche Zielgruppe richtet sie sich?

Natürlich gibt es einige Gruppen, für die mealUp einfach besonders relevant ist. Zum Beispiel Menschen, die viel unterwegs sind und in eine neue Stadt kommen, oder alle, die viel arbeiten, alleine wohnen und wenig Zeit haben, sich um die „Essens-Frage“ zu kümmern. Wir haben uns bei mealUp jedoch bewusst auf eine Aktivität (das Essengehen) fokussiert. Wir möchten für ein universelles Bedürfnis und eine von Natur aus sehr gesellige Aktivität eine einfach anwendbare Lösung bieten. Damit bedienen wir ein weites Spektrum an Nutzern. Man kann mit mealUp zum Beispiel die tägliche Mittagspause mit Kollegen organisieren, aber eben auch ein entspanntes Double-Date an einem Samstagabend.

Ist die Nutzung der Plattform kostenlos?

Ja, mealUp ist zu 100% kostenlos. Nur für das Essen in den Restaurants muss man wie gewohnt bezahlen oder hoffen, dass man eingeladen wird ;)

In welchen Sprachen kann mealUp verwendet werden?

Bisher gibt es mealUp nur auf Englisch. Weitere Sprachen sind jedoch in Arbeit.

Gibt es Einschränkungen bei der Restaurant-Auswahl?

Wir wählen die Restaurants, in denen man ein mealUp machen kann, sehr sorgfältig aus, damit selbst ortsunkundige Nutzer sich darauf verlassen können, mit mealUp immer eine positive kulinarische Erfahrung machen zu können. Wir achten bei der Restaurantauswahl im Einzelnen auf die Qualität der Speisen, ein stimmiges Konzept und ein angenehmes Ambiente. Ebenfalls wichtig ist uns die allgemeine Ausgewogenheit unseres Angebots, was Küche, Preisklasse und die örtliche Verteilung von mealUp-Restaurants angeht. Die meisten unserer Restaurants haben wir entweder selbst ausprobiert oder aufgrund von mehrfachen Empfehlungen unserer Nutzer hinzugefügt. Vielleicht werden wir ja dadurch nebenbei zu einem interaktiven Restaurantführer.

Wieso braucht man für eine Offline-Aktivität wie Essen eine digitale Plattform?

Zum Essen selbst braucht man natürlich keine digitale Plattform. Sobald man am Tisch sitzt, gilt der Fokus ja vor allem der Gesellschaft und dem sinnlichen Geschmackserlebnis. Eine digitale Anwendung oder Plattform wie mealUp ist dazu da, dass man jederzeit die Möglichkeit hat, solche (ent-)spannenden, sinnlichen und natürlich auch sättigenden Offline-Momente erstellen oder finden zu können.

Existieren in anderen Ländern auch Social Dining-Plattformen?

Dort, wo man es aufgrund des Innovationsreichtums auch erwarten würde, also zum Beispiel in den USA, England, den Niederlanden oder Israel gibt es immer wieder Ansätze, die mit mealUp eindeutig verwandt sind. mealUp unterscheidet sich jedoch durch Spontanität, den Restaurant-Fokus und das Geschäftsmodell. mealUp ist kein Klon / Copy Cat.

Hast du selbst schon ein Treffen via mealUp erstellt oder/und an einem teilgenommen? Wenn ja, wie sind deine Erfahrungen dazu?

Klar, ich erstelle regelmäßig mealUps in Berlin und freue mich über jede Anfrage. Vor meinem ersten eigenen mealUp war ich ziemlich aufgeregt und unsicher, wie es werden würde – aber die „Sorge“ ist noch vor der Vorspeise verflogen und in einem wirklich interessanten Gespräch verloren gegangen. Bisher war es wirklich sehr bereichernd, mit mealUp neue Leute kennenzulernen. Man muss sich nur ein wenig auf die Erfahrung einlassen und offen für Neues sein.


Teaser & Image by mealUp


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Merle Miller

Merle Miller

studiert Medieninformatik an der Fachhochschule Flensburg und schnupperte als Praktikantin bei den Netzpiloten erste Redaktionsluft. Nicht nur das Web 2.0 und Online-Medien begeistern sie, auch das Erlernen von Programmiersprachen findet sie faszinierend. Schon bevor das Internet in jedem Haushalt Einzug gefunden hatte, durchforstete sie das World Wide Web auf einem ruckeligen 56k-Modem und lernte früh die spannende Welt der Online-Medien kennen – von Beepworld bis Wordpress.

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