Mehr als nur heiße Luft: Mark Williams über den Firefly-Vaporizer

tl;dr: Wir Netzpiloten verlosen dank Firefly Vapor einen neuen Firefly 2 (369,00 Euro UVP) in der Farbe Schwarz. Alles, was ihr dafür tun müsst, ist entweder dem Twitter-Account @fireflyvapor oder dem Facebook-Account FireflyVapor zu folgen und mit dem Hashtag #Firefly2 zu schreiben, warum ihr den neuen Vaporizer haben wollt. Falls ihr es noch nicht wisst: Auf Hello Smart findet ihr einen Testbericht unseres Autors Tobias Schwarz zu dem Vaporizer.

Das Gewinnspiel ist beendet!


Vor vier Jahren traten Mark Williams und Sasha Robinson dem Markt für Vaporizer mit einem der revolutionärsten tragbaren Vaporizer bei, der je hergestellt wurde: dem Firefly. Mit ihrem in San Francisco ansässigen Start-up war es ihnen etwas Einmaliges gelungen, was niemand zuvor erreicht hatte: einen tragbaren, elektronischen, umluftgesteuerten Vaporizer herzustellen, der sich in nur 10 Sekunden erhitzt. Nutzer solcher Vaporizer weltweit sind begeistert von diesem neuen und angesagten tragbaren Modell.

LifestyleShotSocialMedia (via Firefly Vapor)
Image by Firefly Vapor

Der Firefly-Vaporizer war jedoch nur ein erster Versuch mit einigen Defiziten, wie beispielsweise seiner Akkuleistung, seiner Größe oder dem Gewicht. Ende 2016 kam der Firefly 2 auf den Markt und es hat den Anschein, als hätten Mark Williams und Sasha Robinson eine steile Lernkurve hinter sich. Vor einigen Wochen traf ich Mark Williams im St. Oberholz in Berlin, um mit ihm nicht nur über seinen persönlichen Neustart als Startup-Gründer und CEO und die Führung von Firefly Vapor zu sprechen, sondern ihn auch danach zu fragen, wie es war, einen Vaporizer zu konzipieren.

Wie wurde aus einem Kerl aus New Jersey der Gründer und CEO eines Vaporizer-Unternehmens in San Francisco?

Mein erstes Unternehmen gründete ich, als ich gerade 20 Jahre alt war. Ich stellte Bongs nach meinem eigenen Design aus Keramik her und konnte genug Geld erwirtschaften, um mein erstes Auto zu kaufen. Nachdem ich mit der Universität fertig war, begann ich im Technologiebereich zu arbeiten. 20 Jahre später konsumierte ich noch immer Cannabis, und zwar auf eine Art, die mein Leben bereicherte. Ich hatte nie ein Problem damit, aber Rauchen an sich fühlt sich eben einfach nicht gut an. Ich wollte trotzdem das Cannabis genießen können. Daraufhin machte ich Erfahrungen mit einem Produkt aus Deutschland, dem Vaporizer von Volcano. Dabei handelt es sich um eine Art riesige Pyramide.

Ich habe Bilder davon gesehen, sie ist wirklich riesig.

Sie ist riesig und sieht auch irgendwie albern aus. Aber sie brachte mich auf die Idee, Pflanzen zu dampfen, statt sie zu rauchen. Und ich war sofort total davon begeistert, weil es offensichtlich so viel besser war. Es schmeckte besser, es fühlte sich besser an und es verursachte kein anhaltendes Schweregefühl. Alles daran war besser, außer, dass das Gerät wirklich albern aussah.

Ich war zu der Zeit bei Apple angestellt und leitete ein Designteam, das an Mac OS 10 arbeitete. Und ich war an einem Punkt angelangt, an dem sich viele Dinge in meiner Karriere wiederholten – ich hatte keine Herausforderungen mehr. Aber die wenigen Jobs in meinem Arbeitsumfeld im Designbereich waren alle von Leuten in meinem Alter oder von etwas älteren besetzt. Manche hatten auch Kinder, für die sie die Universität bezahlen mussten, also würden sie sich nicht weiterbewegen. Ich fühlte mich, als hätte ich einen Punkt meiner Karriere erreicht, an dem sich entweder die gleichen Dinge immer wiederholen würden und ich mich immer öfter langweilen würde – oder an dem ich ein Risiko eingehen könnte. Und ich war bereit für ein Abenteuer. Ich wollte mehr Entwicklung und mehr Herausforderungen. Und hierbei handelte es sich nicht nur um simples Softwaredesign, sondern auch um mechanisches, elektrisches und thermisches Design, was tatsächlich sehr kompliziert ist.

Ich wollte diese Gelegenheit nutzen, mich als Ingenieur weiterzuentwickeln und etwas herzustellen, bei dem ich meine Erfahrungen verarbeiten konnte, die ich mit dem Volcano gemacht hatte. Ich wollte Dinge verändern. Ich wollte die Idee der Vaporizer verbreiten. Es sollte etwas sein, dass jeder ganz einfach benutzen kann und was ich selbst auch benutzen wollen würde. So kam das zusammen, was ich für mich selbst und für die Welt da draußen entwickeln wollte. Ich fing einfach irgendwie an.

Besonders in den USA wurde Cannabis für lange Zeit nur von Kriminellen vertrieben. Um eines klarzustellen: War die Nutzung von Cannabis zu medizinischen Zwecken bereits legal, als Sie sich dazu entschlossen, etwas Besseres als den Volcano zu entwickeln?

In der Tat, ja. Denn man kann den Vaporizer benutzen, um jegliche Arten von Pflanzen zu dampfen. Er ist nicht ausschließlich für Cannabis gemacht, sondern kann für alle möglichen Kräuter verwendet werden. Er könnte ebenso für Tabak benutzt werden, ich habe ihn selbst auch jahrelang mit Pfeifentabak verwendet, bis ich beschloss, keinen Tabak mehr zu konsumieren. Ich empfehle ihn auch nicht dafür, weil ich generell nicht dazu raten würde, süchtigmachende oder sogar illegale Substanzen zu konsumieren.

Vor Kurzem war ich in Großbritannien. Ich möchte auf keinen Fall die Botschaft herüberbringen, dass man irgendetwas nur deshalb tun sollte, weil es im eigenen Land verboten ist. Aber es ist eine Tatsache, dass immer dann, wenn Dinge verboten werden, nach denen die Menschen sich sehen, die daraus entstehende Lücke durch das organisierte Verbrechen besetzt wird. So war es schon in den USA während der Prohibition in den Zwanziger und Dreißiger Jahren.

Ganz offensichtlich ist der Krieg gegen organisierte Kriminalität und Drogen vollkommen gescheitert. Daher hoffe ich, dass die rationalen Entscheidungsträger in den Regierungen weltweit, und vor allem in Deutschland, sich mit den Informationen vertraut machen, die beispielsweise Kalifornien und Colorado zur Verfügung gestellt werden. In Colorado haben die Menschen schon seit Jahren zu Erholungszwecken Zugriff auf Cannabis – und alles läuft bestens. Im Endeffekt können die Informationen, die zeigen, dass man auch konsumieren kann, ohne große soziale Einbußen machen zu müssen, die rationale Entscheidungsfindung begünstigen.

Sie hatten erwähnt, dass man einiges wissen muss, um Geräte wie den Firefly herzustellen. Haben Sie es allein als erfahrener Designer geschafft?

Ich habe zusammen mit meinem Geschäftspartner Sasha Robinson angefangen. Wir haben diese Firma quasi zusammen aufgebaut. Wir beide haben Erfahrung im Bereich Produktdesign, er hat ebenfalls Vorkenntnisse in der Softwareentwicklung und in der Elektrotechnik. Und meine Kenntnisse umfassen Design und wie der Mensch tickt, außerdem weiß ich ein bisschen über Maschinenbau Bescheid. Daher dachten wir uns, dass wir das alles verbinden könnten, um zu sehen, was passiert.

Wir beide hatten kein Fachwissen zur Wärmetechnik, aber es war sehr spannend, mehr darüber zu lernen. Wir haben mit ein bißchen Hilfe alles zusammen gemacht. Wir haben gelernt, mit CAD zu zeichnen. Nachdem wir die Prototypteile erstellt hatten, leiteten wir die Prototypenentwicklung. Wir haben alles selbst zusammengebaut und getestet. Im Prinzip fand der Entwicklungsprozess in Sashas Garage statt, so eine Art Lagerraum im Silicon Valley. Der existiert wirklich. Wir haben sogar ein kleines Museum in seiner Garage eröffnet.

Wie hat sich Ihr Vaporizer in diesem Entwicklungsprozess verändert?

Ursprünglich haben wir mit Butan-Gas gearbeitet. Da es eine so viel dichtere Energiequelle ist als Batterien, wollten wir ein Feuer entfachen und so Hitze erzeugen. Es stellte sich allerdings bald heraus, dass Butan sehr schwer zu kontrollieren ist. Tatsächlich wollen die wenigsten Leute gern Butan-Tanks auffüllen. Die Leute wissen inzwischen teilweise gar nicht mehr, wie das geht.

Also mussten wir von einem butanbetriebenen Produkt auf ein batteriebetriebenes System umstellen, bevor wir überhaupt ein Gerät auf den Markt gebracht hatten. Das ist lange her, so etwa um die Zeit herum, als Lithium-Ionen-Akkus noch überall zu kriegen waren. Diese Akkus hatten eine gute Energiedichte. Als dann Handys immer beliebter wurden, wurden Lithium-Ionen-Akkus deutlich günstiger, sodass sie auch für andere Produkte verwendet werden konnten.

Firefly 2 Vaporizer (Image by Tobias Schwarz)
Ansprechendes Design: Der Firefly 2 von Firefly Vapor (Image by Tobias Schwarz)

Würden Sie die letzte Entwicklerversion des Firefly, besonders die zweite Generation, die Sie auch in Deutschland verkaufen, als ein smartes Gerät bezeichnen, weil es mit unseren Smartphones verbunden ist?

Naja, es kann aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Für unsere Kunden ist dieses Gerät eine sehr private Angelegenheit. Ich sehe es nicht so, dass es ein Teil des Internets der Dinge ist, weil wir in kultureller Hinsicht noch nicht so weit sind. Man muss in vielen Gegenden der Welt immer noch sehr diskret damit umgehen.

Die Benutzeroberfläche der App auf einem Handy ist so viel besser als jedes andere kleine Interface, das auf einem Gerät erstellt werden kann. Zugegebenermaßen funktionieren diese auch nicht. Wir ermöglichen dem Benutzer im Endeffekt ein besseres Erlebnis, indem er sein Telefon nutzen kann, das eine viel bessere Benutzeroberfläche habt.

Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung des Firefly?

Die größte Schwierigkeit war die, etwas zu erschaffen, das in etwa die Größe eines Müsliriegels hat, aber sich innerhalb von drei Sekunden bis auf 250 Grad Celsius erhitzen kann, ohne in der Hand zu heiß zu werden. Das ist schwierig, weil es die Regeln der Physik angreift. Letztlich verhält sich die Natur so, wie sie will, aber wir mussten lernen, wie sich Hitze in einem kleinen System bewegt. Das hat unglaublichen Spaß gemacht, war aber auch die schwierigste Aufgabe.

Eine zweite komplizierte Sache war die Werkstofftechnik. Wir mussten Materialien finden, die extreme Leistungsmerkmale aufwiesen. Beispielsweise ist unser Heizelement aus einem Material, das bei Raketenantrieben verwendet wird. Es ist also sehr teuer, wir mussten es daher selbst aus dem unverarbeiteten Material herstellen und zu Draht verarbeiten, sodass es in unserem Heizsystem verwendet werden konnte. Wir hatten schon andere herkömmliche, widerstandsfähige Heizdrähte ausprobiert, aber diese funktionieren nicht in unserem System. Sie heizten zyklisch und es schälte sich Material ab. Außerdem gingen sie zu schnell kaputt. Daher mussten wir einiges an Forschung zu fundamentaler Werkstofftechnik betreiben – und ebenfalls verdammt viele Muster testen, um etwas zu finden, was unseren Leistungseigenschaften entspricht. Es hat ein ganzes Jahr gedauert, das richtige Material zu finden.

Ein drittes Problem war das Konzept für die Fertigung. Es ist nämlich eine Sache, ein Produkt zu gestalten, das gut funktioniert und gut zu handhaben und stabil ist und eine gute Nutzererfahrung bietet. Es ist eine völlig andere Sache, etwas zu designen, das ganz einfach herzustellen ist und durchgängig so produziert werden kann, dass es immer gleich ist. Es ist schwierig, das Produkt so zu konzipieren, dass jedes Einzelteil gleich gut funktioniert, wenn es in einen Karton gepackt und zum Kunden geschickt wurde. Das ist wirklich schwierig zu bewerkstelligen.

Erzählen Sie mehr über Ihr Team bei Firefly.

Wir sind acht Leute, mich als Gründer und CEO eingeschlossen. Zur Zeit haben wir verschiedene Ingenieursbereiche und haben außerdem noch Leute, die uns helfen. Wir haben ein Team aus Ingenieuren in Hong Kong und ein Softwareentwicklungsteam für eine App in der Ukraine. Wir nutzen also mehrere Technikberater oder Auftragnehmer, aber um die technische Vision und das Design kümmern sich ausschließlich Sasha und ich. Wir finanzieren uns auch beide selbst, worauf ich sehr stolz bin.

Ich hatte Glück, zum richtigen Zeitpunkt bei Apple zu sein, was mir genug Geld eingebracht hat, um meine Hälfte des Unternehmens zu finanzieren. Es reicht nicht aus, um in Rente gehen zu können, daher bin ich immer noch sehr motiviert, aber es reicht bequem für die Ausstattung mit dem wichtigsten Handwerkszeug und für ein kleines Startkapital, also kann ich noch eine Zeit lang am Produkt arbeiten, ohne dass ich dringend dafür bezahlt werden muss. Dass ich mir dazu Zeit nehmen kann, ist am wichtigsten.

Wie kriegen Sie es hin, dass Ihre Mitarbeiter die Kultur Ihres Unternehmens verstehen, wo Sie doch zwei einzelne Teams haben?

Nun ja, das Team in Hong Kong sehe ich sehr regelmäßig. In der Tat würde ich sogar noch ein bisschen weiter gehen und sagen, dass ich eine sehr enge Bindung mit unserem Hersteller habe. Ich war zum Beispiel gerade vor zwei Wochen in China, ich besuche sie dort sehr oft. Beim Aufbau der Fließbandproduktion sind wir sehr praxisorientiert. Wir wollen sicherstellen, dass alle Gerätetests angemessen ausgeführt werden. Wir sind bei der Qualitätsprüfung sehr sorgfältig. Und es macht Spaß, ich besuche die Fabrik wirklich gern.

Wir haben also eine sehr enge Beziehung zu den Ingenieuren in der Fabrik, zu den Geschäftsleuten, zu den Leuten, die die Lieferkette verwalten und zu unserem Team in Hong Kong, weil ich sie schon seit Jahren kenne. Ich spreche wöchentlich stundenlang über Skype mit diesen Leuten. Ich halte im Wesentlichen seit Jahren ein wöchentliches Meeting über mehrerer Stunden mit diesen Teams über Skype ab, bei denen ich Zeichnungen oder Videos auf den Bildschirm projiziere, die den momentanen Entwicklungsstatus eines Teils darstellen. Deswegen stehen wir trotz der Distanz in engem Kontakt.

Mit dem Team aus der Ukraine telefoniere ich regelmäßig. Wir können alle auf die Benutzeroberflächen zugreifen, die live für die App entwickelt wird. Die eigentliche Anpassung war für mich eher, in einem 24-Stunden-Zyklus zu leben, weil ich mit dem ukrainischen Team um eine bestimmte Uhrzeit telefonieren muss, die für unsere Unternehmen funktioniert. Aber das kann ich natürlich nicht zeitgleich zu meinem Telefonat mit dem Team in Hong Kong tun, also bedeutet das für mich, dass ich mein Unternehmen im Laufe eines kompletten Tages leiten muss. Das ist eigentlich eine viel deutlichere Veränderung. Ich denke, es ist eine sehr moderne Art und Weise, über Unternehmen in der Welt nachzudenken. Das ist das weltweite Business, das heißt, dass immer etwas am Laufen ist.

Es ist wirklich bemerkenswert, so einen 24-Stunden-Arbeitstag zu akzeptieren.

Natürlich gilt dieses 24-Stunden-Arbeitskonzept nur für mich und nicht für den Rest meines Teams. Ein kleines bisschen trifft es auch auf meine Kollegin zu, die Leiterin der Unternehmensverwaltung, die die Transaktionsabwicklung der Direktverkäufe auf unserer Website macht, oder wenn eine Bestellung von Hong Kong versandt wird. Sie ist also die, die eher mal 24 Stunden arbeitet, weil sie immer irgendwie darauf achten muss, was so vor sich geht. Es betrifft uns also beide.

Der Rest des Teams konzentriert sich auf andere Bereiche wie den Markt im Inland oder in Übersee. Aber es gibt sehr klar festgelegte Grenzen. Ich bin in die Produktion mit einbezogen. Die Dinge, die wir herstellen, beinhalten Komponenten für Software und Hardware. Für diese Komponenten habe ich weltweite Beraterteams, also muss ich meine Aufmerksamkeit jederzeit über die ganzen Welt verteilen. Aber mir gefällt das ganz gut – ich sehe mich dabei als eine Art Weltbürger. Ich habe vielleicht so etwas wie eine weltumspannende Geisteshaltung. Daher gefällt mir diese Art zu leben wirklich sehr.


Image „Im St. Oberholz: Mark Williams und Tobias Schwarz“ by Netzpiloten
Image Firefly 2 Vaporizer by Tobias Schwarz
Image by Firefly Vapor


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Tobias Schwarz

Tobias Schwarz

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit.

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