March4Me – Pariser demonstrieren virtuell mit

Mit der Webseite March4Me können sich Pariser Aktivisten während der COP21-Konferenz online mobilisieren und mit anderen Demonstranten solidarisieren. // von Maren Jentschke

Screenshot March4me Homepage

Die Webseite “March4Me”, die am 25. November 2015 online ging, erlaubt allen, die aus Sicherheitsgründen zum Auftakt des COP21 nicht auf die Straße gehen können, sich virtuell anderen Demonstranten anzuschließen. Von Berlin, über Kampala, Ottawa bis nach Sydney mobilisieren sich über 57 Demonstrationen weltweit. Per Mausklick kann nun symbolisch mitgelaufen werden.

March4Me – Virtuelle Solidarität trotz Absage der Großdemonstrationen

Carlos aus Spanien läuft für Betrand aus Frankreich. Leese aus Südafrika für Alex aus Frankreich. Und Apoorv aus Indien nimmt Joana aus Frankreich mit auf seine Klima-Demonstration.

Die Webseite “March4Me” bringt Menschen zusammen, die sich für die Umwelt engagieren. Protestierende aus Amerika, Afrika, Asien und Europa schließen sich virtuell zusammen und setzen ein Zeichen gegen die Erderwärmung, während sich in Paris vom 30. November bis zum 11. Dezember 138 Staats- und Regierungschefs für den COP21 treffen.

Die Idee ist, sich auf “March4Me” mit seinem Vornamen, Anfangsbuchstaben des Nachnamen, der Angabe des Landes und einem Foto zu registrieren. Der Inhalt ist auf Englisch, Französisch oder Spanisch abrufbar.

Entweder wählt man die Kategorie “Ich laufe für jemanden” oder “Ich suche einen Teilnehmer einer Demonstration”. In einer virtuellen Galerie werden dann die jeweiligen Personen in Zweier-Paare gruppiert. Sollte jemand noch ohne Lauf-Partner sein, kann dieser per Twitter oder Facebook unter dem Hashtag #March4me (Geh’ für mich) oder #IMarch4U (Ich gehe für dich) gesucht werden.

Können Sie für mich laufen? fragen Franzosen in dem Begrüßungsvideo der Webseite. Bis jetzt haben sich so 24.486 Personen zusammengefunden.

Das Verbot der französischen Regierung – eine politische Entscheidung?

Eine Idee, die von der “Coalition Climat 21” (Klima-Koalition 21) ins Leben gerufen wurde. Diese vereinigt 130 Organisationen, Gewerkschaften, soziale Verbände und Umwelt-Organisationen. Außerdem beteiligen sich Greenpeace, WWF, die Fondation Nicolas Hulot und France Nature et Environment.

Es ist ihre Antwort auf das Verbot der Großdemonstrationen in Paris von der französischen Regierung. Sich nicht zu mobilisieren, wäre unverantwortlich, erklärt der Zusammenschluss Coalition Climat 21. Zwar würde verstanden werden, dass die Attentate die Sicherheitsvorkehrungen geändert haben. Jedoch ändere dies nichts am Klimawandel.

Außerdem wird die Maßnahme von den meisten Organisationen als eine politische Entscheidung interpretiert. Denn es wurden zwar als Reaktion auf die Attentate die Demonstrationen abgesagt, jedoch öffentliche Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte gestattet, deren Sicherheit ebenso wenig gewährleistet werden können. Ein Grund mehr, online aktiv zu werden.

Ein neues “Wir-Gefühl”

Nach den tragischen Anschläge in Paris, Beirut und Bamako, “ist es notwendiger denn je, sich weiterhin für eine Welt des Friedens einzusetzen” betont die Koordinatorin der Climate Coalition 21, Juliette Rousseau. Mit der Webseite soll nicht nur ein Zeichen für die Klimaverhandlungen gesetzt werden. Die jüngsten Terroranschläge richteten sich gegen die Gesellschaft selbst, der Aktionen wie “March4Me” ein neues Wir-Gefühl gegeben werden soll. Gemeinsam stark zu sein – auch zu schweren Zeiten. Sei es für das Weltklima, sei es für das gesellschaftliche Klima, das gerade in Paris herausgefordert wurde.

Die Klimakatastrophe wird zukünftig auch viele Opfer fordern, wenn die Regierenden der Länder nicht zum Umdenken und Handeln gezwungen werden, betonen Nichtregierung-Organisationen (NGOs) der Koalition. Eine Petition der Fondation Nicolas Hulot konnte bereits über 630.000 Unterschriften auf ihrer Online-Petition sammeln, die sich konkret an die Regierungschefs richtet:

Wir, die Bürger der Welt, rufen die politischen Verantwortlichen der reichsten Länder, die die meisten Treibhausgase produzieren, auf, endlich auf den Klimawandel zu reagieren!

Ihr Staatsoberhäupter, traut euch!


Teaser & Image by March4me.


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Maren Jentschke

Maren Jentschke

ist fasziniert von der Welt der Medien und hat während ihres Studiums schon in der Film- und Fernseh-Branche Erfahrungen sammeln können. In Paris macht sie derzeit ihren Master in „deutsch-französischen Journalismus“ an der Sorbonne Nouvelle.

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