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Manetch.com – effizientes Netzwerken mittels Business-Matchmaking?

Können Manager mittels Business-Matchmaking tatsächlich Zeit beim Netzwerken sparen? Manetch.com glaubt daran.

Manetch.com - effizientes Netzwerken mittels Business-Matchmaking?

Kontakte sind das A und O. Und ohne Netzwerk geht gar nichts. So oder so ähnlich lautet das Credo, welches sich ausnahmslos, wie ein roter Faden, durch alle Branchen zieht. Dabei geht es vor allem auch um den Austausch von Erfahrungen, Zielsetzungen und um die Suche nach Partnern. Eine neue Plattform möchte nun Manager und Entscheider nach dem Prinzip des Online-Datings zusammenführen und Kompetenzen vermitteln.

Das Berliner Startup Manetch glaubt an das Netzwerken. Ist jedoch der Meinung, dass es zum einen viel zu zeitraubend ist, den richtigen „Sparringspartner“ ausfindig zu machen und zum anderen auch immer dem Zufall unterliegt, ob man den jeweiligen Deckel zum Topf begegnet. Dabei kann es so einfach sein, Gleichgesinnte zu finden. Das Geheimnis liegt im Grunde in Algorithmen, die wie beim Prinzip des Online-Datings, Personen anhand ihres Profiles miteinander verknüpfen. Darauf beruht das System des Startups manetch, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, Manager weltweit thematisch punktuell zu vernetzen.

Sara Maria Spiller, die Geschäftsführerin, erklärt, wie es zu dieser Idee kam: „Wir Gründer haben mehrere Jahre lang Fachkonferenzen für Manager organisiert. Dabei haben wir festgestellt, dass der größte Mehrwert in den Pausen zwischen den Vorträgen geschaffen wird. Hier entstehen aus den Gesprächen zum Teil jahrelange geschäftliche Beziehungen. Das Zusammentreffen der richtigen Gesprächspartner bleibt in solchen Situationen allerdings dem Zufall überlassen. Um das zu ändern, haben wir angefangen, einen Algorithmus zu entwickeln, anhand dessen die interessanten Kontakte ermittelt werden können. Mittels manetch ist dies nun nicht nur im Rahmen einer Veranstaltung möglich, sondern unter Managern weltweit.“

Der Algorithmus, von dem hier die Rede ist, basiert dabei auf einen Fragebogen, der das Wissen, die aktuellen Prioritäten und Herausforderungen der Nutzer abfragt. Anhand der angegebenen Antworten werden die besten Gesprächspartner errechnet. Um der ganzen Idee dann auch noch den gewissen Mehrwert zu liefern, wird das „Business-Matchmaking“ durch die Möglichkeit, On- und Offline-Meetings auf Knopfdruck zu organisieren, komplettiert. Und wer auch dafür keine Zeit hat, bucht den Meeting Concierge, der sich um alles kümmert, von der Kontaktanbahnung zwischen den Gesprächspartnern bis hin zur Reservierung eines Tisches für den Business-Lunch.

Visualisiert sieht das Ganze dann so aus:

“Zeit ist Geld?”

Das Prinzip macht augenscheinlich Sinn. Als Tool zur Vorab-Recherche könnte manetch.com durchaus herangezogen werden. Denn unter Managern ist eines klar: „Zeit ist Geld!“. Doch bleibt das System „Matchmaking“ prinzipiell einer Erfolgsgarantie schuldig. Nicht alles was verknüpft wird, ist tatsächlich auch fruchtbar und kann sich schlussendlich dennoch im Sand verlaufen. Studien, die sich mit dem Thema Matchmaking beispielsweise im Online-Dating-Bereich auseinander setzen, machen dies deutlich.

So hat sich zuletzt ein Review-Artikel im Fachmagazin Psychological Science in the Public Interest (Bd. 13, S.3, 2012) gegen diesen Branchen-Konsens ausgesprochen. Ein Forscherteam um den Sozialpsychologen Eli Finkel von der Northwestern University kam zu dem Ergebnis, das Partnerbörsen zwar hilfreich bei der Vermittlung von Kontakten seien, aber es keinerlei wissenschaftliche Beweise gebe, dass Matching-Algorithmen tatsächlich funktionieren. „Zumindest dann nicht, wenn es nicht nur um Anfangsattraktivität gehen soll, sondern um Beziehungsstabilität“, so Finkel.

Anderes Etikett, gleicher Inhalt, könnte man meinen. Denn genauso wird es sich auch beim Business-Matchmaking verhalten. Den persönlichen Kontakt muss man dennoch wagen. Der Gegenüber muss kennengelernt werden. Und auch hier wird sich zeigen, dass Differenzen in der Beziehung auftreten können und man von seinem 90%-Treffer dennoch enttäuscht wird. Ob man dann Zeit gespart und seinen Versuch sein Netzwerk effizienter zu vergrößern, erreicht hat, bleibt abzuwarten. Es ist und bleibt eine Frage des Zufalls.


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Andreas Weck

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.

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