Lohnen sich Online-Marketing Studiengänge?

Du musst studieren, schließlich hast Du doch Abitur gemacht. Das hätte sich doch sonst gar nicht gelohnt. Ich weiß nicht, wie oft ich das schon gehört habe, aber vor allem kam es von Leuten, die natürlich selber studiert haben. Aber ich habe auch die anderen kennen gelernt, die Personen, die auch Abitur gemacht haben, aber trotzdem etwas geworden sind, auch wenn sie nicht studiert haben. Mit Sicherheit ist es immer besser, wenn man ein Studium in der Tasche hat. Vor allem wenn man im Marketing etwas erreichen möchte, ist das Studium eine Pflicht. Und so stellt sich mir momentan die Frage, wie sieht es eigentlich aus mit den Studiengängen, die es vor allem im Online Bereich gibt?


Egal ob in der Werbranche oder PR Agenturen. Jeder von uns bekommt es momentan hautnahe mit. Ein Teil der Werbespendings wird neu verteilt und in den nächsten Monaten wird das wahrscheinlich noch stärker durchgesetzt. Erst kürzlich kam auf Horizont die Nachricht, dass Procter und Gamble eine Steigerung des Online Budgets plant. Im Jahr 2009 ging der Trend vor allem in Richtung nationale Online Kampagnen um Kosten zu sparen. Jedoch viel vielen Unternehmen auf, dass auch Online Werbung recht teuer sein kann. Vor allem, wenn es um Reichweitenaufbau geht. Schaltet man beispielsweise in einer Zeitung wie der ADAC, ist man zwar mal eben einen sechsstelligen Betrag los, jedoch erreicht man auch gut ein drittel der Gesamtbevölkerung und baut eine enorme Reichweite auf. Unternehmen setzen sich solche Benchmarks und wollen diese natürlich auch erreichen. Aber wem vertrauen sie ihr Geld an? Im Online Markt gibt es viele, aber wer ist der Richtige?
Die Frage nach ausgebildeten Fachleuten wird immer größer und das Angebot von privaten Studiengängen wächst. Schulen wie die WAK oder die DDA bieten zum Beispiel den Online Marketing Fachwirt an. Ein Studiengang, wo auch ich mit dem Gedanken spiele dran teilzunehmen. Aber die Fragezeichen sind noch recht groß, schließlich gibt es noch nicht so viele die diese Studiengänge gemacht haben und vor allem sind sie sehr kostspielig.
Der Ablauf der Studiengänge ähnelt sich sehr, unterscheiden sie sich doch lediglich ein wenig von den Timings. So hat man beispielsweise bei der DDA die Möglichkeit zu entscheiden, ob man den Studiengang in 8 Monaten oder in 36 Monaten machen möchte. Schon eine ganz schöne Zeitspann, schließlich macht man bei beiden Varianten den gleichen Stoff. So sollen zum einen die Grundlagen des Online Marketing, die Online Marketing-Instrumente und Strategie und Planung im Online Marketing behandelt werden. Auch an der WAK werden klassische Themen wie Digitales Marketing, Online Advertising, Guerilla Marketing und und und behandelt. Wer alle Inhalte sehen möchte kann ich bei der DDA und hier bei der WAK nachschauen.

Interview mit einem Absolventen

Und um nochmal ein paar Eindrücke zu bekommen, haben wir die Möglichkeit gehabt mit jemandem zu sprechen, der selber den Kurs an der WAK belegt hat und nun in der Onlinemarketing-Branche arbeitet.
Alex Trol ist Junior Produktmanager Neue Medien beim Greven’s Adreßbuchverlag GmbH & Co. KG. Er hat sich ein wenig Zeit genommen, um uns seine Impressionen zu schildern.

Hallo Alex, vielen Dank, dass du Dir die Zeit genommen hast. Was würdest du so ganz allgemein sagen, lohnt sich der Studiengang an der WAK?
Ich bin überzeugt, das man diese Frage nicht allgemein beantworten kann und sollte. Gerade für Leute, die beruflich zwangsweise immer mehr mit (im weitesten Sinne) Online-Marketing zu tun haben, ist der Kurs zum „Fachwirt für Online-Marketing“ eine gute Möglichkeit sich neben der Arbeit weiterzubilden.
Wie sieht so der grobe Ablauf im Studium aus?
An zwei oder drei Tagen unter der Woche bekommt man zuerst die Grundlagen beigebracht,
wie zum Beispiel: Was sind Banner? Welche Formate gibt es? Welche Abrechnungsmodelle stehen zur Verfügung? Man bekommt auch einen Einblick in das PR Geschäft, wobei man sich anfangs fragen wird, ob man gerade etwas über PR lernt oder ob man jetzt erst anfängt die deutsche Sprache zu verstehen. Ebenso wird über rechtliche Grundlagen im Internet, Marktforschung, Marketingkonzepte oder Mobile Werbeformen in eigenen Fächern diskutiert.
Wie sieht es denn mit allgemeinen Themen wie Social Media und Co. aus? Werden sie berücksichtigt?
Leider werden alle, die etwas über aktuelle Themen wie Social Media lernen möchte, ein wenig enttäuscht. Grundlagenwissen über Blogs, Twitter und facebook wird vermittelt, aber das war es dann auch. Ob sich daran aktuell etwas geändert hat kann ich nicht beurteilen. 2008 waren diese Themen jedoch kein Schwerpunktthema.
Wo siehst du den Vorteil der WAK?
Ein Vorteil der WAK war ganz klar, dass die Dozenten direkt aus dem jeweiligen Berufsfeld kamen. D.h. es gab oft konkrete Fallbeispiele und Erfahrungen, die man für seine eigenen Ideen aufgreifen konnte. Natürlich macht das der eine Dozent besser als der andere, aber so ist es doch überall. Die Frage der monatlichen Gebühren erledigt sich oft dadurch, dass Unternehmen den Abendkurs (mit-)finanzieren. Also eine durchaus machbare finanzielle Hürde, die es zu nehmen gilt. Ich würde aber jedem empfehlen, das Studium nur berufsbegleitend zu machen!
Und was hast du aus dem Studium so an Erfahrungen für dich mitgenommen?
Erst im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass die Kontakte, die man in Lesungen und auf Veranstaltungen knüpft vielleicht sogar wertvoller sind, als der Inhalt mancher Lehreinheiten. Wobei das natürlich nur für die Personen gilt, die Spaß an solchen Terminen haben. Ich weiß, dass manche dank dem Studium einen neuen Job bekommen haben. Andere haben es einfach als Erweiterung des vorhandenen Wissens gesehen. Man sollte allerdings nicht glauben, dass es eine Garantie gibt, danach den Traumjob im Online-Bereich zu bekommen. Aber auch hier gilt: Wo gibt es die Garantie schon?“

Die Frage der Fragen ist und bleibt: „Lohnt es sich, für diese Studiengänge so viel Geld auszugeben, oder gibt es noch gute Alternativen?“
Gerade der Punkt  „Geld“ ist für viele der entscheidende Aspekt. Will man beispielsweise das Studium an der DDA in 8 Monaten absolvieren, ist man schnell mit knapp 7500€ dabei. Geld, das in jedem Fall gut angelegt sein sollte. Schließlich kann dieser Weg eine rosigere Zukunft begründen. Für viele mit denen ich mich darüber unterhalten habe, sind es eben nur Zertifikate, für die man viel Geld bezahlt, aber nicht wirklich weiß, ob sie einen später wirklich weiter nach vorne bringen. Die Akzeptanz ist noch schwer einzuschätzen, schließlich kann man diese Studiengänge ja nicht mit den klassischen bekannten Studiengängen wie BWL oder Jura vergleichen. Auch in meinen Augen ist es gerade im Bereich der neuen digitalen Medien so, dass es nicht drauf ankommt, ob du irgendwelche Seminare belegt hast, sondern es ist wichtig, was du wirklich kannst.
Im Jahr 2009 erhielten bei der DDA zum Beispiel 96 Studenten ihr Abschlussdiplom in Gütersloh. Auf den ersten Blick mag das jetzt nicht die große Zahl sein, aber wenn man diese Zahl mal mit knapp 7500€ multipliziert, kommt da schon eine ganze Hausnummer zusammen. Doch bis man an diesem Punkt angelangt ist, muss man auch einiges dafür tun.
Wie bereits erwähnt gibt es bei der DDA einen sehr straffen Zeitplan.
21 Wochenenden, 5 Klausuren, Projekt-Gruppenarbeit für realen Auftraggeber, Mündliche Prüfung und die Diplomarbeit. Bei der WAK hingegen nimmt man sich etwas mehr Zeit und verteilt den Stoff auf insgesamt 1,5 Jahre. Die monatliche Studiengebühr beträgt hier 310€. Auch eine ganze Stange Geld, die hier von einem verlangt wird.
Und vor allem bleibt die Frage, was kommt danach? Ist es nur Nice to have, oder stellt es einen echten Mehrwert dar?
(Bei den Beträgen handelt es sich um Werte, die ich den Seiten der WAK und DDA entnommen habe)

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André Paetzel

André Paetzel

ist 21 Jahre jung und seit 2007 als Blogger unterwegs. Zurzeit macht er eine Ausbildung in der Werbebranche und schreibt auf seinem Blog LogoLook über Logos, ihre kreativen Schöpfer und die Unternehmen, die dahinter stehen.

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