LinkedIn vs. Xing: Beschleunigtes Rennen um Premium-Mitglieder

Das deutsche Business-Netzwerk legt im Wettkampf gegen den US-Rivalen um zahlende Kunden einen Zahn zu. Das zum Medienkonzern Burda gehördende Business-Netzwerk Xing ist eine Bastion: Den neuesten Quartalszahlen zufolge zählt man im deutschsprachigen Raum 6,7 Millionen Mitglieder, während der US-Rivale “nur” etwa 4 Millionen Mitglieder in der Region hat. Monatlich zahlende Premium-Nutzer sind für Xing die wichtigste Einnahmequelle – weswegen man den Premium-Club um neue Funktionen und Produkte aufpoliert hat.

 


 

  • 63 Prozent des Xing-Umsatzes (13,7 Mio. Euro im 3. Quartal 2013) stammt aus dem Premium Club.
  • Für LinkedIn sind die “Talent Solutions” für Recruiter und Jobsuchende mit 57 Prozent Anteil am Umsatz die wichtigste Einnahmequelle (224,7 Mio. Dollar im 3. Quartal).
  • Der Anreiz, für Xing zu zahlen, ist höher als bei LinkedIn.

Trotz des erstarkenden US-Rivalen LinkedIn aus Mountain View, Kalifornien, droht dem Hamburger Business-Netzwerk Xing noch lange kein StudiVZ-Schicksal – jenes deutsche Social Network, das von Facebook einfach überrollt wurde. Zu stark verankert ist die Burda-Tochter mittlerweile im Berufsleben vieler Deutschen, Österreicher und Schweizer, um den Account einfach mal so gegen ein LinkedIn-Profil zu tauschen. So wie viele andere betreibe ich deswegen zwei Business-Profile parallel – eines bei Xing und eines bei LinkedIn. Kontakte aus lokalen, manchmal eher traditionelleren Branchen finde ich eher bei Xing, während sich internationale Kontakte aus jüngeren Branchen natürlich eher bei LinkedIn tummeln. Für manche, die so ein Business-Netzwerk-Doppelleben führen, stellt sich da die Frage: Wo leiste ich mir den Premium-Account?

XING

Xings Premium-Mitgliedschaft kostet je nach Laufzeit und Vergünstigungsangebot zwischen 6,35 und 9,95 Euro pro Monat. Das entspricht Jahreskosten von bis zu 120 Euro und ist damit deutlich billiger als eine Premium-Mitgliedschaft bei LinkedIn (siehe unten). Xing Premium befriedigt natürlich vor allem ein großes Bedürfnis: Sehen zu können, wer das eigene Profil besucht hat. Im Berufsleben ist das eine spannende Sache, weil man sieht, welche potenziellen Arbeitgeber, Partner, Kunden und auch Konkurrenten Interesse an der eigenen Person haben – gehäufte Besuche deuten da auf einiges hin. Xing bietet seinen zahlenden Nutzern außerdem erweiterte Kommunikationsfähigkeiten: So darf man pro Monat 20 Nicht-Kontakte direkt anschreiben und Dateianhänge von bis zu 100 MB verschicken – letzteres lässt sich aber leicht mit Dropbox, WeTransfer oder dergleichen auch gratis und über die Mauern des Xing-Netzwerkes erledigen.

Xing Premium bietet außerdem erweiterte Suchfunktionen, die das Durchstöbern des Netzwerks nicht nur nach Namen, sondern auch nach Positionen, Arbeitgebern, Interessen oder Einträgen erlaubt. Weiters geht es bei Xing Premium stark ums Präsentieren der eigenen Person. Zahlende Mitglieder dürfen ihre Karrierewünsche detailliert in ihrem Profil darstellen. Außerdem kann man sein Portfolio mit Bildern (ein Handshake mit Barack Obama macht sich hier sicher gut) und Dokumenten (Textproben usw.) unbegrenzt aufmotzen und sich Referenzen von anderen Mitgliedern geben lassen (das ist bei LinkedIn gratis). Last but not least: Xing will seinem Premium-Club künftig auch Vergünstigungen bei anderen Services zukommen lassen und hat deswegen ein Vorteilsprogramm gestartet. Demnächst dürfen Premium-Mitglieder die Smartphone-App Blinkist, die Sachbücher für den flotten mobilen Konsum zusammenfasst, ein Jahr gratis nutzen und die Coworking Spaces der Design Offices gratis verwenden (Standorte in Berlin, Frankfurt, München, Düsseldorf und Nürnbeg).

LinkedIn

LinkedIn Premium kostet mindestens 14,95 Euro pro Monat (Business), wenn man gleich ein ganzes Jahr bucht, die Betreiber versuchen aber gleich, das Paket um 29,95 Euro pro Monat (Business Plus) zu verkaufen. Im Unterschied zu den Gratis-Nutzern dürfen zahlende Nutzer jedenfalls alle Profile bis zum 3. Vernetzungsgrad (Kontakt eines Kontaktes eines Kontaktes) einsehen und bekommen alle Besucher des eigenen Profils gelistet – wie auch bei Xing die wohl beliebteste Funktion. Neben der Sichtbarkeit geht es bei LinkedIn Premium auch stark um die Reichweite. Zahlende Mitglieder dürfen je nach Tarif zwischen 3 und 25 Direktnachrichten an Nicht-Kontakte schreiben und sich 15 bis 35 Mal pro Monat von einem eigenen Kontakt einem Mitarbeiter eines bestimmten Unternehmens vorstellen. In der Gratis-Version ist das 5 Mal pro Monat möglich, was wohl den meisten Nutzern völlig ausreicht.

Wer besonders großzügig ist, erlaubt via OpenLink-Funktion allen anderen LinkedIn-Nutzern, ihn gratis zu kontaktieren. Schließlich geht es bei LinkedIn Premium auch stark um erweiterte Suchfunktionen: Zahler bekommen bis zu 700 statt nur 100 Profile bei einer Personensuche angezeigt und dürfen mit bis zu 8 Filtern auch genauer aussieben. Außerdem darf man öfter als die Gratisnutzer eine gespeicherte Suche automatisch ihren Dienst verrichten lassen (bis zu zehn Mal täglich statt nur drei Mal wöchentlich).

Fazit

Insgesamt zahlt es sich für den durchschnittlichen Nutzer im deutschsprachigen Raum heute eher aus, Premium-Mitglied bei Xing zu werden als bei LinkedIn. Xing ist günstiger, bietet für die meisten die wohl interessantere Zielgruppe und hat mit seinem neuen Vorteilsprogramm für Club-Mitglieder einen echten Vorsprung. LinkedIn sind derzeit spezielle Kunden wie Recruiter und Firmen wichtiger, für die eigene, sehr teure Abos (300 Euro pro Monat und mehr) geschnürt werden. Außerdem stößt man bei LinkedIn weniger häufig an die Grenzen des Gratis-Accounts, weil etwa einige Funktionen wie Referenzen anderer Nutzer oder die Anzeige von Profilbesuchern teilweise gratis ist – deswegen ist die Notwendigkeit, für LinkedIn zu zahlen, einfach nicht so groß wie bei Xing.


Image (adapted) „business_meet_121125“ by Richter Frank-Jurgen (CC BY-SA 2.0)


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Jakob Steinschaden

Jakob Steinschaden

ist seit 2006 publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist und hat die beiden Sachbücher "Phänomen Facebook - Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt" (2010) und "Digitaler Frühling - Wer das Netz hat, hat die Macht?" (2012) veröffentlicht. In seinem Blog “Jakkse.com” und in Vorträgen schreibt und spricht er gerne über die Menschen und ihr Internet – von Social Media über Mobile Business und Netzpolitik bis zu Start-ups.

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