Workplace (Image: wilofcom [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Life-Work-Balance: Arbeiten von überall. Dürfen wir das?

Solange es Kaffee und WLAN gibt, kann man fast von überall aus Arbeiten. Aber wollen wir das eigentlich? Von überall zu arbeiten? // von Felicitas Hackmann

Workplace (Image: wilofcom [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Wir, die zum Arbeiten (und gefühlt zum Leben) nur einen Laptop und eine Spur WLAN brauchen, laufen schnell genervt durch fremde Städte auf der Suche nach eben so einem Spot. „Gebt mir Kaffee und Internet“ ist die Devise.

Während sich in Berlin die Lage entspannt, habe ich neulich in Düsseldorf fast einen Wutanfall bekommen, weil das Netz entweder zum Arbeiten im Google Doc zu langsam war, sich keine Steckdose in der Nähe befand oder das Café schlichtweg zu voll war, um in Ruhe zu arbeiten. Wo ist ein St. Oberholz, wenn man es braucht?

Doch dann dachte ich zurück an eine Situation im Sommer. In Berlin saßen wir abends nach Feierabend im Altes Europa. Man sprach über dies und das und jenes, hielt sich am Strohhalm eines Kaltgetränks fest und guckte in den lauen Sommerabend. Und dann plötzlich geht am Tisch gegenüber ein Laptop auf und das Apfelzeichen leuchtet durch die Nacht.

Es war Feierabend. Ich wollte keine Laptops sehen, keine Gewissensbisse haben, weil ich jetzt nicht mehr arbeitete. Ich fand es fast unverschämt, bin aber natürlich nicht aufgestanden und habe was gesagt.

Dieser Vorfall bringt mich allerdings zu der Frage: Dürfen wir jeden Ort zu unserer persönlichen Arbeitszone machen? Selbst wenn ein Café kein WLAN anbietet, schlagen wir unseren Laptop auf und aktivieren den Zugang bringenden Surfstick. Auch in der Mittagszeit belagern wir mit einer kleinen Tasse Cappuccino und einer kleinen Apfelschorle einen Tisch, an dem ohne unseren Laptop zwei weitere zu Leute Mittag essen könnten.

2013 hinterließ jemand für das Café Tischendorf in Kreuzberg folgenden Tipp auf Foursquare: „Be aware of the laptop free sundays„.

Amirs Tipp beim Café Tischendorf: "Be aware of the laptop free sundays"
Amirs Tipp beim Café Tischendorf: „Be aware of the laptop free sundays“

Das gibt es jetzt nicht mehr. Ich habe schon so manchen Sonntag dort mit Frühstück und Laptop verbracht. Aber heute morgen fiel es mir in selbiger Location stärker auf als jemals zuvor: fünf Leute, fünf Laptops. Und nur an einem Tisch drei Gäste, die gemeinsam frühstückten und sich unterhielten.

Ist es ein Problem oder ist es keins? Sicherlich ist es besser Kundschaft mit Laptop dort sitzen zu haben, die hin und wieder was bestellt, als vielleicht niemanden. Aber machen wir mit unseren Laptops vielleicht auch ein Stück weit die gemütliche Atmosphäre in einem Café kaputt?

Natürlich kann man darüber streiten, was der Unterschied zwischen online lesen und eine Zeitung oder ein Buch mitbringen ist. Aber das ist es nicht.

Natürlich kann die Möglichkeit von überall aus arbeiten zu können ein Segen sein.

Aber wenn wir von überall aus arbeiten, wo arbeiten wir dann nicht?


Teaser & Image by wilofcom (CC0 Public Domain)


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Felicitas Hackmann

Felicitas Hackmann

studierte Medienwissenschaft in Siegen und arbeitete zwischendurch und danach in Startups wie z.B. Airbnb und Stuffle. Nach San Francisco und Hamburg, ging es 2014 nach Berlin, wo sie als freie Reporterin, für z.B. VentureVillage, schreibt. Ohne Twitter, Foursquare und Spotify geht es nicht! Alles weitere gerne in 140 Zeichen an @frau_feli.

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