Lernen, Lehren und Managen 2.0 – auf dem Weg zur Schule 2020

Das Bundesland Sachsen-Anhalt möchte mit seinem Bildungskonzept „Lernen, Lehren und Managen 2.0“ die Basis für die Schaffung eines integrierten Wissens-, Informations- und IKT-Management im schulischen Bereich des Landes legen. Auf der CeBIT stellte Frank Bonse vom Finanzministerium des Landes Sachsen-Anhalt das Konzept vor und erklärte es im Interview.

Tobias Schwarz: Hier auf der Cebit stehe ich im Zentrum vom Stand des IT-Planungsrates mit Herrn Frank Bonse, Referatsleiter für E-Government, Projekte und Dienste im Finanzministerium von Sachsen-Anhalt. Zur Einleitung: Was ist der IT-Planungsrat?

Frank Bonse: Der IT-Planungsrat ist ein Gremium, das seinen Ursprung im Grundgesetz hat und dort verankert ist. Es geht darum, dass die 16 Bundesländer und der Bund versuchen bzw. aufgefordert sind, gemeinsame Lösungen zu generieren, um Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) in der Verwaltung wirksam einsetzen zu können, also sichere Infrastruktur.

Die 16 Bundesländer haben alle Stände um uns herum und Sachsen-Anhalt ist natürlich auch mit einem eigenen Stand vertreten und zwar mit dem Titel „Sachsen-Anhalt auf dem Weg zur Schule 2020„. Was für ein Projekt ist das?

Das ist ein ganz spannendes Projekt, das wir uns da ausgesucht haben, um es hier auf der CeBIT zu präsentieren. Es geht darum, dass wir Bildung modernisieren und innovativ gestalten wollen. Das Thema Medienkompetenz ist ja an so einem Ort wie der CeBIT in besonderem Maße präsent. Technologien begleiten uns in unterschiedlichster Art und Weise und unser Anspruch und unser Ansatz ist, den Bildungsbereich Schule damit zu konfrontieren und Lösungen zu schaffen.

Bildung mit und an Computern findet in der Schule ja schon statt. Wir versuchen die verschiedenen Lösungen, die wir im Land haben, sei es aus der Landessicht oder aus der Sicht der kommunalen Schulträger, zusammenzuführen. Wenn sie den Titel der Broschüre anschauen – „Lernen, Lehren, Managen 2.0“ –, dann beschreibt es im Grunde genommen die unterschiedlichen Facetten, die wir hier zusammenbringen. „Lernen“ betrifft Schüler – wie können sie lernen, welche Methoden können sie lernen, wie wird ihnen Unterrichtsstoff beigebracht? „Lehren“ betrifft die Lehrer, die aufgefordert sind, Bildung in geeigneter Art und Weise zu vermitteln. Und „Verwalten“, also „Managen“, das heißt, Schule findet ja nicht im rechtsfreien Raum statt, es gibt Regularien, wie Schule stattfindet. Letztendlich gibt es Noten am Ende eines Schuljahres und die entscheiden im Zweifelsfall über Wohl und Wehe der Zukunft eines Menschen. Also auch diesen Bereich der Schulverwaltung wollen wir betrachten und zusammenführen.

Wir haben den Ansatz, eine gemeinsame Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, dass Internet als Medium unseres Landeskommunikationsnetz zu betrachten. Wir sehen, dass das Thema der unterschiedlichen Arbeitsplatzausstattung eines ist, das betrachtet werden muss – Stichwort „Bring your own Device“ (BYOD). Der PC-Arbeitsraum in der Schule, der dann einmal in der Woche für zwei Stunden aufgesucht wird, ist sicherlich nicht mehr das aktuelle, zeitgemäße Instrumentarium, sondern wie können wir das, was vorhanden ist, benutzen, damit Bildung innovativ vorangetrieben wird. Also Konzepte, ein sicherer Umgang, im Zweifelsfall mit dem Gerät, das der Schüler mitbringt, das er tagsüber in der Schule benutzt, mit dem er sich im Schulnetz anmeldet und auf Lehrinhalte zugreift. Lernarbeitsgruppen, die durch den Lehrer generiert und begleitet werden, die der Schüler nutzen kann, aber auch am Nachmittag zum Beispiel das Thema mit seinen Freunden, Mitschülern und Mitschülerinnen weiter bearbeitet. Die Lehrer und die Eltern werden eingebunden, also die Akteure, die das Thema Bildung betrifft, sollen hier zusammengeführt werden.

Das betrachten wir letztendlich als einen Infrastrukturansatz, der im Zweifelsfall bis zu den Inhalten hingeht. Das ist aber auch ein Projekt, das wir gemeinsam mit dem Kultusministerium machen, was auch den Kreis zum IT-Planungsrat schließt. Infrastruktur ist unser Ansatz aus dem Finanzministerium, das Kultusministerium hat sich schwerpunktmäßig um die Bildungsinhalte zu kümmern und wir arbeiten auch an der Stelle zusammen, um dieses Programm für Sachsen-Anhalt nach vorne zu treiben.

Wir hören aber nicht an den Grenzen des Landes Sachsen-Anhalt auf, wir schauen natürlich auch, was andere Bundesländer um uns herum an Lösungsansätzen haben und ich nutze auch bewusst hier die CeBIT, um in Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen zu treten und zu fragen, was gibt es dort, wo gibt es Ansätze, wo wir vielleicht auch lernen, oder verstehen, dass wir eigentlich mit unterschiedlichen Worten aneinander vorbei reden. Das ist ein Problem, das ich aus der Vergangenheit kenne. Dass wir also eine gemeinsame Zielstellung haben, von der wir noch gar nicht erkannt haben, dass sie existiert, und dass es Wege gibt, dort aufeinander zuzugehen und dann unsere Ressourcen gemeinsam einzusetzen und zu optimieren.

Sie haben die Broschüre angesprochen, die ich hier in der Hand habe, die nennt sich „Lernen, Lehren, Managen 2.0 – Auf dem Weg zur Schule 2020“. Das ist ein Konzept, das die Basis für die Schaffung eines zentrierten Wissens-, Informations- und IKT-Managements im schulischen Bereich aufstellen soll. Welche Signalwirkung wird dieses Konzept auf die anderen Bundesländer haben, wenn es Erfolg hätte?

Signalwirkung insofern, als dass wir zu erkennen geben, dass wir mit anderen zusammenarbeiten wollen, dass wir eine einheitliche Sicht auf das Thema Bildung für unser Land sehen, obwohl verschiedene Beteiligte, also die Kommunen, das Land usw., dort miteinander agieren müssen und dass wir natürlich auch versuchen, über diese Grenzen hinaus, künftige Lösungsansätze modular auszugestalten und zusammen Lösungen zu schaffen. Wir haben ja an der Stelle den Förderalismus. Es gilt die Lösung zu harmonisieren und zu konsulitieren und letztendlich Standards zu generieren und zu schaffen.

Sehe ich mir das Konzept sprachlich an, lese ich: Jede Schule soll über ein Medienbildungskonzept verfügen, die Schulen sollen mit digitalen Medien und moderner Informations- und Kommunikationstechnik ausgestattet werden. Sie sind vom Finanzministerium und sie arbeiten mit dem Kultusministerium zusammen. Habe ich zuletzt etwas über Bildung und Finanzen in Sachsen-Anhalt gehört, ging es eigentlich mehr darum, dass der Bildungshaushalt zusammengestrichen wurde. Wie finanziert das Land das?

Wir setzen zielorientiert, im Rahmen unseres Förderprogramms „STARK III“ Mittel ein, die dazu beitragen, eine energetische und infrastrukturelle Sanierung der Schulen zu ermöglichen, insbesondere im Bereich IKT zu modernisieren und die kommunale Ebene dafür zu unterstützen. Die Schulträger sind die Landkreise und die kreisfreien Städte, ihnen überwiegend Unterstützung zu geben, damit sie Fördermittel einsetzen können. Diese kommen teilweise von der Europäischen Union, teilweise aus dem Landeshaushalt.

Und wenn sie das Wort „soll“ betont haben, dann reflektiert das natürlich auf den Ist-Zustand. Wir haben momentan noch nicht überall bzw. an zu wenigen Stellen, diese besseren oder idealen Zustände, und unser Ansatz ist dazu beizutragen, dass es sich hier verbessert, dass wir eine innovative Bildungslandschaft haben, in der diese guten Lösungsansätze, die vorhanden sind, einer breiteren Schülerschaft oder Lehrerschaft zugänglich gemacht werden. Dass versuchen wir mit diesem Konzept zu vermitteln.

Ein wichtiger Punkt sind auch die Lehrer. Ich bin selber Landeskind und hatte das Glück 1996 auf ein nagelneues Magdeburger Gymnasium mit der neusten Technik zu gehen, aber wir haben sie kaum angewendet. Wie wird dieser Punkt jetzt angegangen? Denn einfach nur neue Computer zu kaufen oder dass die Schüler ihre eigenen Geräte mitbringen, reicht ja nicht aus.

Sie haben natürlich völlig Recht. Medienkompetenz gilt es Schülern zu vermitteln, aber die Vermittelnden, die Lehrer, müssen natürlich auch darüber verfügen. Es gibt natürlich begleitende Aktivitäten, was das Thema in der Lehrerschaft angeht. Wie kann ich eigentlich Technologie sinnvoll und als Unterstützung, nicht als Selbstzweck, für die Themen im Unterricht einsetzen. Natürlich ist es im Sportunterricht zum Beispiel schwerer, Technik einzusetzen, als vielleicht in den klassischen MINT-Fächern.

Man muss natürlich auch sehen, wie weit wir von den Ansätzen unseres Konzepts, zum Beispiel im Land Lehrer zu motivieren oder anleiten können oder dahinzubringen verstärkt diese Möglichkeiten zu nutzen, auch zu kollaborieren, zusammenzuarbeiten, Lösungen gemeinsam zu schaffen, auch über die Schulgrenzen hinweg, kommen. Da gibt es auch viele gute Ansätze, die einerseits vermittelt werden müssen, aber auch da hören wir nicht an den Landesgrenzen auf, sondern auch da muss man den Blick über den Grenzen haben und zusammenarbeiten.

Eine Verständnisfrage: Wenn sie jetzt ein neues Konzept für die schulische Ausbildung organisieren, das nächstes Jahr in der Uni gelehrt wird, erst in vier Jahren dann die ersten Lehrer von der Uni kommen und an die Schulen gehen, wie geht die Politik und die Verwaltung mit dieser enormen Zeitspanne um oder rechne ich da vollkommen falsch? Lässt sich das schon viel eher umsetzen?

Ich denke so schwarz-weiß darf man das nicht darstellen, sondern es ist ja ein permanenter Veränderungsprozess. Es finden Fortbildungen statt und im Rahmen dieser Fortbildungsaktivitäten wird selbstverständlich diese Medienkompetenz angereichert und es werden Maßnahmen ergriffen, entsprechend darauf vorzubereiten.

Vielen Dank für das Interview.


Teaser & Image by evanst10000 (CC0 Public Domain)


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Tobias Kremkau

Tobias Kremkau

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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