Fünf Lektionen, die wir von Hans Rosling lernen können

Zuerst kam ich mit der Arbeit von Hans Rosling in Kontakt, als ich versuchte, Mathematik-Studenten dazu zu bringen, Statistik lieben zu lernen. Seine TED-Vorträge sind inspirierend, da er hier Informationen auf neue und dynamische Weise präsentiert. Damit aber nicht genug, denn die Vorträge sind lehrreich und öffnen einem die Augen.

Schon früh entschied Rosling, dass er die Welt besser verändern kann, indem er die Öffentlichkeit unterrichtet, statt nur in der Forschung unterwegs zu sein. So begann er seine Karriere in der Datenvisualisierung und -präsentation. Aber er lehrte uns mehr als nur die reinen Fakten von den Daten – hier sind fünf wichtige Dinge, die wir von seiner Arbeit lernen können:

Visualisiere deine Daten

Rosling war nicht nur Statistiker, sondern auch ein begeisterter Geschichtenerzähler. Er äußerte nicht nur seine Meinung, sondern er ließ Nummern und Figuren die Geschichten erzählen. Er nutzte die neueste Technik, um Trends in großen Datenmengen zu visualisieren – um genau zu sein, wurden 120.000 Statistiken in seinem BBC 4-Video namens „200 Länder, 200 Jahre, 4 Minuten – die Freude an Statistik“ präsentiert.

Aber er versuchte nicht, uns die langen und langweiligen Listen näherzubringen, sondern zeigte stattdessen verschiedene Felder mit diversen Daten und Größen, die die verschiedenen Länder widerspiegelten. Die Kontinente wurden mit unterschiedlichen Farben gekennzeichnet. In dem er diese Felder aufspaltete, versuchte er ebenso die vorgefestigte Meinung der Zuschauer über die Welt aufzutrennen.

Manchmal wurde er selbst zum Teil seiner Statistiken, die er auf der Bühne präsentierte. Er zeigte mithilfe eines Prespektivwechsels die Größe der Weltbevölkerung an, indem er einen anderen Standpunkt auf der Bühne einnahm. Er fügte seinen gesammelten Daten Farbe und Konturen hinzu und verwies darauf, wie wichtig es sei, Daten visuell aufzubereiten – schließlich sind uns derartig trockene Fakten meist eher egal, außer, wenn sie interessant gestaltet sind. Er stieg sogar auf eine Leiter, um einen bestimmten Punkt zu verdeutlichen.

Manchmal ist Altes auch etwas Gutes

Obwohl Rosling oft die modernste Technik verwendete, schreckte er nicht davor zurück, altbewährte und gut funktionierende Kommunikationsmethoden zu verwenden. Er nutzte ein paar schlichte Kartons, um das Bevölkerungswachstum zu zeigen. Er widerlegte die Vorhersage, dass die Bevölkerung auf über 11 Milliarden hochschnellen würde. Er bewies, dass, obwohl Visualisierung wichtig ist, man dafür nicht zwingend Unmengen an Geld auszugeben oder etwas besonders Extravagantes erschaffen braucht. Er zeigte uns, wie man mit kleinen Mitteln viel erreichen kann – und wenn es nur mit ein paar Toilettenpapierrollen geschah.

Nie mehr „die“ und „wir“

Besonder berühmt ist seine Argumentation über die schrumpfenden Grenzen zwischen bereits „entwickelten“ und den „Entwicklungs“ -Ländern. Während es noch immer viel zu viele arme Menschen auf der Welt gibt, die Hilfe brauchen, befinde sich der größte Teil der Bevölkerung irgendwo in der Mitte auf der Wohlstandsskala.

Aber um die Welt zu schützen, sollten wir unsere schlechten Verhaltensweisen überdenken und unsere Verschwendung reduzieren, um dem Rest der Welt zu gestatten, den selben Lebensstandard zu erreichen. Mit anderen Worten sollten die reichsten Menschen innerhalb der Bevölkerung bereit sein, Opfer zu bringen, um den Ärmsten zu helfen und somit den Abstand zwischen sich und ihnen zu verkleinern.

Sei positiv

Trotz der Tatsache, dass er weltweite Probleme in Angriff nahm, war Rosling immer positiv gestimmt – wie schwer auch immer das sein mag. Bis zum Schluss verbreitete er wahre und positive Nachrichten – er nannte sie „die guten Nachrichten“ – natürlich mit Fakten unterlegt.

Die meisten Klicks und Aufrufe bekommen die Dinge, die uns am meisten Angst machen. Da kann die Nachricht darüber, dass die Kindersterblichkeit zurückgeht, zu einem unwichtigen Ereignis werden. In unserer Welt, in der die „alternativen Fakten“ herrschen, war die Wahrheit nie wichtiger als gerade jetzt. Das ist genau das, was Rosling uns näherbrachte: Wahrheit, Hoffnung für die Zukunft und die Überzeugung, dass wir alle etwas bewegen können.

Vorsicht vor Voreingenommenheit

Er sagte über sich selbst, dass er nie ein Optimist war, eher ein „Möglichmacher“ – er glaubte daran, dass es möglich sei, die Welt besser zu machen. Er hat viele Pädagogen beeinflusst. In seinen letzten wenigen Gesprächen mit seinem Sohn Ola Rosling versuchten beide, eine Lösung zu unseren voreingenommenen Ansichten und vorgefassten Ideen zu finden.

In seiner „Umfrage zur Ignoranz„, die er in Großbritannien durchführte, schnitten die Briten schlechter ab als Schimpansen, die die Antworten zufällig wählen würden. Aber seine schwedischen Landsleute brachten auch kein besseres Ergebnis hervor. Daraus schloss er, dass dies nicht auf Unwissenheit basiere, sondern auf einer veralteten und voreingenommenen Sicht auf die Welt. Er versuchte immer, uns mit dieser Ignoranz zu konfrontieren und uns unserer Vorurteile bewusst zu machen – er sagte uns sogar, wie wir uns ändern könnten.

Die positive Einstellung von Rosling ist offensichtlich auch auf seinen Sohn übergegangen. Dank ihm bin ich mir sicher, dass seine ansteckende Leidenschaft für Wissen noch auf viele weitere Generationen von Studenten überspringen wird. Sogar auf diejenigen, die sich wie ich noch damit abringen, sich für Datenanalyse zu begeistern. Ich bin überzeugt, dass das geschickte Einbeziehen von anschaulichen Beispielen die Meinung der Menschen über die Datenanalyse verändern und dazu beitragen kann, dass die Welt einen kleinen Schritt näher an die positiven Veränderungen heranreicht, die sie so dringend benötigt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Hans Rosling“ by Neil Fantom (CC BY 2.0)


Zuzana Hucki

Zuzana Hucki

ist Dozentin an der School of Science & Technology der Nottingham Trent University in England. Ihre Forschungsinteressen umfassen mathematische Bildung und Finanzmathematik.

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