Wie eine digitale Community lateinamerikanische Startups unterstützt

Für Unternehmer gilt es als selbstverständlich, dass es in den USA relativ einfach ist, eine Medienfirma zu gründen. Das Vorhandensein von Kapital und potenziellen Werbeeinnahmen sowie wenig oder keine Beschränkungen von Seiten der Regierung machen es für Leute mit einer guten Idee einfach, loszulegen. (Ob sie dazu in der Lage sein werden, für längere Zeit zu bestehen, ist dabei eine völlig andere Frage.) In anderen Ländern ist es da schwieriger. Beispielsweise hat die jahrelange Inflation in Venezuela die Lebensmittelpreise verdreifacht und das Wirtschaftswachstum zum Stagnieren gebracht. Das hat das tägliche Leben nicht nur für die Bürger von Venezuela, sondern auch für die Unternehmer in der nationalen Medienbranche stark erschwert. Diese sehen sich einem steten Kampf um Geldmittel für Gründung und Aufrechterhaltung von Unternehmen gegenüber. Medienunternehmer in anderen südamerikanischen Ländern sehen sich ähnlichen Herausforderungen gegenüber und ihnen fehlt dabei eine zentrale Anlaufstelle zum Gedankenaustausch und zur Problemlösung. SembraMedia hofft darauf, diese Lücke schließen zu können. Die Website, deren Name ein Wortspiel mit dem spanischen Begriff für „säen“ darstellt, versucht eine Anlaufstelle und zugleich eine digitale Community für Startups in Südamerika aufzubauen. Die Hoffnung liegt darin, diese Aspekte zusammenzuführen und dass SembraMedia Gründern zukünftig dabei helfen kann, Ideen in die Realität umzusetzen und Startups zu beständigen Unternehmen weiterzuentwickeln. „Unsere Mission ist es, Menschen zu unterstützen, die neue Projekte initiieren. Einer der besten Wege hierfür ist, so viele Menschen wie möglich zu fördern und sie zusammenzubringen“, sagt Janine Warner, die ausführende Leiterin bei SembraMedia ist. (SembraMedia selbst wird vom Institute for Nonprofit News unterstützt und finanziell von der Nationalen Stiftung für Demokratie und der Cook Family Foundation getragen.) Der erste Schritt dabei ist, herauszufinden, wer diese Menschen sind. SembraMedia schätzt, dass es mehr als 2.000 spanischsprachige Medienseiten in Lateinamerika gibt. Bislang existiert keine Anlaufstelle, die sie alle zusammenführt. Um diesen Prozess zu unterstützen hat SembraMedia Botschafter in jedem Land engagiert, die dafür zuständig sein werden die Communities in ihrem Land aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Die Idee für SembraMedia entstand durch Warners Unterrichtserfahrung, bei der es sich um einen Onlinekurs zum Thema Unternehmensjournalismus an der Universität von Texas handelte. Warner erkannte, dass es ausreichend Studenten mit großartigen Ideen gab, denen jedoch das Wissen zur Umsetzung ihrer Ideen in tatsächliche Unternehmen fehlte. Warner dazu:

Übergreifend benötigten die meisten Hilfe dabei, Geld zu verdienen, ein Geschäftsmodell aufzubauen und bei der Entwicklung eines Verständnisses dafür, was es heißt ein Geschäftsmann oder eine Geschäftsfrau zu sein.

SembraMedia plant, diese Bildungsmöglichkeiten Unternehmern über ihre Internetseite anzubieten. Dies soll über monatliche Fallstudien zu erfolgreichen Websites und Videointerviews mit den Personen, die sie leiten, erfolgen. Die Hoffnung liegt jedoch primär darin, dass Erkenntnisse durch die Konversationen zwischen den Unternehmern selbst gewonnen werden. Sobald einige Hundert Webseiten eingetragen sind, soll ein Forum für Unternehmer für Unterhaltungen, Ideenverbreitung und die Zusammenarbeit bei Projekten initiiert werden. Dieser Ansatz ist ähnlich dem von ALiados. Dies ist ein Netzwerk von unabhängigen Nachrichtenorganisationen in Lateinamerika, das im Jahr 2013 ins Leben gerufen wurde. Das Ziel war, ebenso wie bei SembraMedia, Mitgliederseiten dabei zu unterstützen durch einen Zusammenschluss bei Durchführungen und Marketinginitiativen Beständigkeit zu erreichen. Nach Mijal Iastrebner, der Regionaldirektorin von SembraMedia, ist die größte Herausforderung jedoch das Verständnis für und die Handhabung des Faktums, dass kein lateinamerikanisches Land dem anderen gleicht. Während die Regierungen von Kuba und Venezuela die Pressefreiheit stark einschränken, zeigt sich Chile sehr aufgeschlossen gegenüber der Presse und Unternehmern. Diese Unterschiede bedeuten, dass Dinge, die in einem Land funktionieren können, für ein anderes wiederum nicht geeignet sind. Letztendlich hofft SembraMedia, dass die vorteilhaftesten Verfahrensweisen, die es in Lateinamerika entdeckt, auch an anderen Orten angewandt werden können. Warner weist auf Ojo Público hin, eine gemeinnützige Website in Peru, die sich mit investigativem Journalismus und der Überprüfung von Fakten beschäftigt. Fabiola Torres, eine der Gründerinnen der Webseite (und eine Botschafterin von SembraMedia) präsentierte bei einer Konferenz des Nationalen Instituts für computegestützte Berichterstattung in Denver namens „Intensive Care“ eine durchsuchbare Datenbank mit 60.000 Ärzten und Versicherungsagenturen. Chequeado, eine Webseite zur Überprüfung von Fakten in Argentinien, hat ebenfalls ein Modell konzipiert, das Webseiten im Stile von Warner Media anderswo nachahmen soll. Sie sagte außerdem:“Wir hoffen darauf, dass das, was wir lernen, auch den traditionellen Medienunternehmen in Lateinamerika dabei helfen kann, innovativer zu sein und frische Ideen in US-Medienunternehmen einzubringen.Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Chile’s Flag illuminated by light“ by Kyle Pearce (CC BY-SA 2.0) 


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Ricardo Bilton

Ricardo Bilton

ist Journalist und schreibt für das Nieman Journalism Lab. Er setzt sich stark mit dem Thema "Virtual Reality" auseinander. Zuvor war er als Reporter bei Digiday zuständig und schrieb unter anderem Artikel für VentureBeat, ZDNet, The New York Observer and The Japan Times.

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