Läuten Screenshorts das Ende des Bloggings ein?

Das 140 Zeichen Limit von Twitter ist so eine Sache. Viele lieben diese Begrenzung, da sie einen zwingt, sich kurz zu fassen und so zu Simplizität führt, andere verfluchen sie, da sie das Mitteilen tiefergehender Meinungen und Gedanken verhindert. Aus dieser Not ist nun ein neuer Trend, screenshorting, entstanden, bei dem Nutzer Screenshots von Textbeiträgen posten. Damit umgehen sie nicht nur die Zeichenbegrenzung des Social Networks, sondern führen auch dazu, dass immer mehr Nutzer lieber Screenshots ihrer Texte posten, statt diese als Blog Posts zu veröffentlichen.

Bloggst du noch?

Für kurze Gedanken und schnelle Mitteilungen ist Twitter ideal – sich in 140 Zeichen auszudrücken kann als wohltuende und kreativitätsfördernde, oder aber als einengende Limitierung wahrgenommen werden. Um sich dieser Begrenzung zu wiedersetzen haben viele Nutzer bisher Tweetstorms verfasst und ihre längeren Anliegen in mehrere Fragmente zu je 140 Zeichen aufgeteilt und diese dann aufeinanderfolgend gepostet. Diese Tweetstorms lesen sich nicht nur etwas anstrengend, sie können auch gewaltig nerven, wenn sie die Timeline verstopfen und immer wieder unterbrechen. Als weitere Alternative, die deutlich besser konsumierbar ist, haben sich Screenshorts inzwischen weitestgehend etabliert.

Der Begriff wurde das erste Mal im Dezember 2014 in einem Buzzfeed-Artikel über das Phänomen verwendet, wenngleich vorher auch schon andere Autoren darüber berichtet haben. Auf den ersten Blick scheinen vor allem Prominente aller Art auf diese Weise ihre Gedanken mit ihren Fans zu teilen – sucht man etwas genauer, merkt man aber schnell, dass dieses Phänomen längst viel weitere Kreise zieht. Vor allem junge Nutzer scheinen ihre Texte lieber auf diesem Weg mit ihren Followern zu teilen und das übrigens nicht nur auf Twitter, auch auf Instagram erfreuen sich Screenshorts immer größerer Beliebtheit. Doch warum ist diese Art der Mitteilung inzwischen so beliebt und kann sie tatsächlich den klassischen Blog Posts gefährlich werden?

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Ein von Lorde (@lordemusic) gepostetes Foto am

Ein Bild sagt mehr mit tausend Worten

Die meisten Promis, die auf Twitter screenshorten haben mit Sicherheit einen eigenen Blog, der nicht immer von den Berühmtheiten selber, sondern vielleicht von einer Agentur, oder anderen Mitarbeitern befüllt wird. Screenshorts dagegen vermitteln den Fans eine deutlich größere Nähe, denn sie kommen ja direkt vom Smartphone der betreffenden Person und sind daher deutlich persönlicher und direkter als ein Blog Post, von dem man nie so genau weiß, wer ihn verfasst hat. Warum Normalnutzer allerdings diesen augenscheinlich aufwändigen Weg den klassischen Blogs oder selbst Microblogging-Plattformen wie Tumblr vorziehen, erschließt sich nicht sofort. Immerhin muss erst eine entsprechende App auf dem Smartphone geöffnet werden, in die der Text dann eingegeben werden kann – danach muss man einen Screenshot machen, die Twitter-App öffnen, eventuell einen Tweet-Text verfassen und dann noch den Screenshot anhängen. Tumbler aufzurufen, einen Text einzugeben und diesen dann nach der Veröffentlichung auch direkt bei Twitter zu teilen, erscheint da weniger aufwändig.

Doch den Aufwand nimmt man gerne in Kauf, denn schließlich spart man sich letztendlich einen Umweg über eine andere Seite und kann den Text direkt dort veröffentlichen, wo man ohnehin aktiv ist. Inzwischen gibt es natürlich auch längst Apps (zumindest für iOS), die diese Arbeitsschritte vereinfachen und das Argument entkräften. Posts mit Bildern werden zudem deutlich häufiger gesehen, als klassische Texte. Ein Test von Buffer hat ergeben, dass Tweets mit Bildern 89 Prozent häufiger favorisiert und ganze 150 Prozent häufiger retweetet werden. Ob sich diese Zahlen allerdings auch problemlos auf Bilder übertragen lassen, die ausschließlich Text enthalten, ist anzuzweifeln. Dass Screenshorts nun das Ende des klassischen Bloggings einläuten darf ebenfalls angezweifelt werden, dass sie aber einen Einfluss darauf haben, ist nicht von der Hand zu weisen. Wie sehr sich dieser Trend in Zukunft durchsetzt, wird durchaus spannend zu beobachten sein.


Teaser & Image „Twitter typographic wallpaper“ (Adapted) by Jennie (CC BY-SA 2.0)


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind.

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