Das Labor-Haus: Neues über Energieeffizienz zu Hause

Was genau bedeutet es eigentlich, ein Haus “energieeffizient” zu machen? Auf jeden Fall wissen wir, dass es wichtig ist: unsere Häuser sind verantwortlich für rund ein Viertel des gesamten Energieverbrauchs, und der größte Teil davon wird für Heizung und warmes Wasser genutzt. Daher kann jede Maßnahme zur Einsparung dabei helfen, den Gesamtverbrauch zu verbessern.

Energieeffizienz-Programme erstrecken sich von der Ausstattung mit Energiesparlampen bis hin zu kompletten Umrüstungen. Als Experten in diesem Bereich ist die häufigste Frage, die man uns stellt: “Wenn ich dieses und jenes mache, wie viel Energie spare ich damit?” Worauf wir meist nur die wenig hilfreiche Antwort geben können: “Es kommt darauf an.” Es kursiert eine Vielzahl unterschiedlicher Tipps da draußen, und nicht zuletzt stellen auch die Medien, verschiedene Stiftungen und Gemeinden Leitfäden zur Verfügung. Aber wie viel davon basiert eigentlich auf tatsächlichen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen?

Ein gängiger Tipp ist, das Thermostat auf 21 Grad Celsius einzustellen, um ein energieeffizientes und gemütliches Zuhause zu gewährleisten. Jedoch haben Untersuchungen von meinen Kollegen und mir ergeben, dass ältere Thermostate leicht um bis zu 2 Grad Celsius schwanken können, was bedeutet, dass wir unsere Heime tatsächlich irgendwo zwischen 19 Grad Celsius und 23 Grad Celsius beheizen. Wenn wir uns den Hinweis der britischen Organisation für Energieeinsparung vor Augen führen, dass das Absenken der Haustemperatur um 1 Grad Celsius die Heizkostenrechnung um 10 Prozent reduzieren kann, hat diese Diskrepanz deutliche Auswirkungen.

Wenn ein Haus energieeffizienter gemacht wird, ist es oft so, dass die Bewohner entscheiden, die Einsparungen auszunutzen – im Hinblick sowohl auf Geld als auch auf Wärme – indem sie mehr heizen als zuvor. Dies ist auch bekannt als “Rücknahme-Effekt” oder Jevons-Paradoxon. Im Vereinigten Königreich entfällt dieser Effekt auf durchschnittlich 35 Prozent der anfänglichen Einsparungen, wobei es bei einzeln stehenden Häusern noch extremer sein dürfte. Dies widerlegt die Modellvorhersage, auf der die Verbesserungen beruhen dürften.

Die vielleicht umstrittenste Erklärung für Effizienzverbesserungen, die nicht so funktionieren wie sie sollen, ist schlicht die schlechte Konzipierung oder die fehlerhafte Installation. Mal fehlt die Wandisolation, Fenster sind schlecht angepasst oder die verwendeten Materialien sind andere als ursprünglich empfohlen worden waren. Forschung an Neubauten hat gezeigt, dass diese “Leistungslücken” dafür verantwortlich sein könnten, dass diese Gebäude nur halb so effizient sind wie sie sein sollten.

Ein komplettes Haus wird zum Experiment

Um diese Leistungslücken, Widersprüche und Mythen zu untersuchen, haben meine Kollegen und ich das Salford-Energiehaus entwickelt. Im Wesentlichen ist es ein komplettes Reihenhaus, das aus Ziegelstein entsprechend der britischen Standards gebaut ist, sich allerdings innerhalb eines klimakontrollierten Raumes befindet. Dies erlaubt uns, die Wetterbedingungen von -12 Grad Celsius bis hin zu +30 Grad Celsius zu variieren und es so regnerisch oder windig zu machen, wie wir wollen.

Daher dass wir genau wissen, wie das Haus gebaut wurde, wie es (von uns Wissenschaftlern) “benutzt” wird, und wie es auf das “Wetter” reagiert, dem es ausgesetzt ist, kriegen wir einen sehr genauen Eindruck, wie effizient es tatsächlich ist. Wenn wir Vorhänge anbringen, bessere Thermostate installieren oder andere Verbesserungen durchführen, können wir diese Ergebnisse vergleichen mit denen des originalen, nicht verbesserten Haus und so versuchen, die Unterschiede herauszufinden. Unsere Tests sind umfangreich, detailliert und bescheren uns Daten, die wir im offenen Feld so nie bekommen könnten – kein Hauseigentümer würde schließlich gerne knapp 300 Sensoren an seinem Haus installiert haben wollen.

Und was haben wir nun herausgefunden? Wir installierten Wohnzimmerthermostate sowie Heizkörperventile mit Thermostatfunktion und erzielten Energieeinsparungen von über 40 Prozent verglichen mit einem Gebäude, das nicht optimiert wurde. Wir fanden heraus, dass geschlossene Vorhänge die Wärmeübertagung durch die Fenster um etwa 30 Prozent reduzierten. Als wir das gesamte Haus mit Bodenisolation, robuster Wandisolation, Dachbodenisolation und neuen Fenstern ausstatteten, reduzierten sich die jährlichen Heizkosten rechnerisch um beträchtliche 63 Prozent.

Und doch: Wenn wir gefragt werden, was eine bestimmte Umrüstung für einen Hausbesitzer ausmacht, lautet unsere Antwort immer noch: “Es kommt darauf an.” Das liegt daran, dass jedes Haus und jede Familie unterschiedlich sind: einige Leute sind den ganzen Tag zu Hause, andere kaum, wieder andere, beispielsweise Personen, die chronisch krank sind, benötigen andere Raumtemperaturen als gesunde Bewohner.

Die Vorhänge zuzuziehen, kann einiges an Wärme einsparen, aber die Anzahl und die Art der Fenster, die Position der Heizkörper, und wann diese ein- und ausgeschaltet sind, hat einen immensen Einfluss auf die individuellen Einsparungen der einzelnen Häuser. Häuser gibt es in ganz verschiedenen Größen, Formen und Energieeffizienz-Levels. Insbesondere im Vereinigten Königreich, wo wir unseren alten, nicht energieeffizienten Wohnungsbestand so gerne mögen.

Wir können auf der Grundlage von Daten Leitfäden herausgeben, aber wenn es um die einzelnen Häuser geht, kann es immer widersprüchliche Variablen geben, die dazu führen, dass spezifische Maßnahmen oder Umrüstungen nicht so funktionieren wie sie sollen. Sogar in unserem Energiehaus, in dem wir detailliert die unterschiedlichen Maßnahmen beobachten und vergleichen können, können wir nur eine grobe Schätzung über den Treibstoffverbrauchs angeben – viel mehr hängt vom Auto ab und davon, wie schnell man damit fährt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image “Shot6” by University of Salford Press Office (CC BY 2.0)


The Conversation

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Richard Fitton

Richard Fitton

ist Dozent für Energieeffizienz in der School of the Built Environment an der Universität von Salford in Manchester. Er leitet das ABERG-Experiment und nimmt an diversen Projekten zum Thema Wärmeeffizienz und Energiehäuser teil.

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