Das Ergebnis der Klimakonferenz in Paris

Die Vereinbarungen und Ergebnisse der UN-Klimakonferenz in Paris sind wichtig und tragen eine weitreichende Bedeutung. Die Konferenz endete mit einer Vereinbarung von 195 Staaten, um die globale Erwärmung zu bekämpfen. Diese Vereinbarung ist historisch und wichtig, aber zugleich leider nicht ausreichend. Hier sind fünf Fakten, um besser zu verstehen, was in Paris entschieden wurde: von “ist das genug, um die gefährlichen Klimaveränderungen zu bekämpfen?” bis zu “unvorhergesehene Siege von besonders betroffenen Staaten”.

1. Ein weltveränderndes Ereignis

Das Bedeutsamste an der Vereinbarung ist wohl, dass es sie überhaupt gibt. Für alle Staaten, von den Supermächten über die reichen Stadtstaaten, Königreiche mit Ölvorkommen bis hin zu gefährdeten, weil tiefliegenden Inselstaaten: alle sind überein gekommen, durch gemeinsam koordinierte Aktionen den Klimawandel zu bekämpfen.

Und das sind nicht nur warme Worte. Jede feste Vereinbarung muss vier Elemente besitzen: Zuerst braucht es ein gemeinsames Ziel; dies wurde jetzt definiert. Die Vereinbarung erklärt, dass alle Parteien die Temperatur “deutlich unter” 2°C über den Daten vor der industriellen Revolution halten wollen und sogar Anstrengungen unternehmen werden, es auf 1.5°C zu minimieren.

Zweitens braucht es eine Vereinbarung wissenschaftlich glaubwürdige Reduzierungen in Kohlenstoffdioxid und anderen Treibhausgasen. Die Paris-Vereinbarung ist etwas verschwommen in diesem Bereich, erklärt aber, dass Emissionen “so schnell wie möglich” den Höhepunkt erreichen sollten um dann schnellstmöglich reduziert zu werden. Der nächste Schritt ist:

Erreichen einer Balance zwischen anthropogen (menschlich bedingten) Emissionen und der Beseitigung und Verminderung von Treibhausgasen in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts; basierend auf einer gegenseitigen Gerechtigkeit…

Drittens, da aktuelle Vorhaben der Emissionsreduzierung vor einer Erwärmung bis zu 3°C über den Daten vor der industriellen Revolution warnen, brauchen wir eine Mechanismus, um von dem aktuellen Status hin zu einer “Zero Emission”, also emissionsfreien Politik. Es findet alle fünf Jahre eine Überprüfung der Projekte statt – und “die Bemühungen aller Parteien wird sich im Laufe der Zeit steigern”, was heißt, dass bei jedem Schritt die Staaten ihre Emissionen im Vergleich zum heutigen Stand reduzieren sollen.

Viertens bedeutet dies für die Industrie-Staaten, dass sie schnell von fossilen Energien hin zu erneuerbaren Energien wechseln müssen. Die Herausforderung ist erheblich größer für die Entwicklungsländer; diese Nationen müssen das fossile Zeitalter überspringen. Sie benötigen finanzielle Mittel um dies erfolgreich tun zu können und daher beinhaltet die Vereinbarung, dass 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2020, danach sogar noch mehr, dafür zur Verfügung gestellt wird.

Es gehen viele positive Dinge mit der Vereinbarung einher; sie kreiert ein gemeinsames Ziel, um die schlimmsten Auswirkungen der globalen Erwärmung zu verhindern, die Reduzierung der Emissionen sind angemessen und glaubwürdig, es gibt einen Mechanismus, um langfristig ganz ohne Emissionen auszukommen und es gibt finanzielle Ressourcen um arme Länder den Übergang zu erneuerbaren Energien zu ermöglichen. Die Vereinbarung gibt den Weg für die Welt vor; weg von der Abhängigkeit der fossilen Energieträger.

2. Es ist nicht genug, um gefährliche Klimaveränderungen zu verhindern

Was ein gefährlicher Klimawandel bedeutet, hängt stark von der Person und dem Ort ab. Für einige arme Menschen ist der Klimawandel schon jetzt mehr als gefährlich; er ist tödlich. The Gefahr steigt durch die kumulierte Emission von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre. Weil die Gefahr schon so lange angekündigt war, schließt sich das Zeitfenster, in dem man den Anstieg der Temperatur um 1.5°C noch verhindern kann. Dies bedeutet große Einschnitte, insbesondere für tiefliegende Bereiche. Selbst die ehrgeizigsten Konzepte für eine emissionslosen Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten, verbunden mit einer realistischen Chance um unter der 2°C Erhöhung zu bleiben (immerhin 66 Prozent), sind bereits extrem hoch gesteckt. Die Länder haben noch einen langen und harten Weg vor sich, um derartige Reduzierungen der Emissionen zu erreichen.

Man muss zudem anmerken, dass es in der Vereinbarung keinerlei Strafen gibt; zumindest außerhalb der öffentlichen Scham, für Länder, die die vorgegebenen Ziele nicht einhalten. Um die Ziele der Pariser Vereinbarung wirklich umzusetzen, müssen sowohl zivile Organisationen als auch die oppositionellen Parteien in der Politik und Wirtschaft die Regierungen entsprechend kontrollieren. Im Grunde gibt es sowohl für die Menschen als auch für viele Regierungen und Firmen ein gemeinsames Ziel; fast alle sprechen sie gegen die tiefen Taschen der fossilen Energiebranche aus.

Eine der Gefahren und Ängste liegt in der geplanten globalen “Inventur” 2023. Wenn einige Länder sehen, dass Andere sich nicht an die vereinbarten Pläne halten, dann werden möglicherweise einige auch von den eigenen Projekten absehen und die gesamte Pariser Vereinbarung fällt auseinander.

3. Wir müssen Kohlenstoffdioxid von der Atmosphäre entfernen

Die Erwärmung durch den Treibhauseffekt wird angetrieben durch die kumulierte Emission von Kohlenstoffdioxid. Gemessen an den heutigen Emissionen und dem Ziel, die Temperaturanstiege “deutlich unter” 2°C und in der Nähe von 1.5°C zu halten, bedeutet, dass die CO2 Emissionen sehr schnell Richtung Nullpunkt reduziert werden müssen.

Die Gemeinschaft muss dann weitergehen und die Emission abschaffen. Das bedeutet, dass Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre entfernt werden muss und anderweitig gelagert wird. Es gibt dafür verschiedene Optionen; von dem Pflanzen von Bäumen und dem Erhalten von ewigen Wäldern, der Erhöhung der Aufnahmekapazitäten des Bodens und der Nutzung von Biomasse zur Energiegewinnung bis hin zum unterirdischen Speichern von CO2.

4. Veränderungen der Strategie und Konzepte sind zu erwarten

Um noch in diesem Jahrhundert auf null Emissionen zu kommen, müssen viele Richtlinien und Konzepte erstellt und verändert werden. Fossile Energieunternehmen müssen teilweise von ihren Tochterunternehmen getrennt werden. Investitionen in eine hohe CO2-Infrastruktur muss beendet werden und insbesondere Weltbankdarlehen und andere regionale Bankenunterstützungen müssen angepasst werden. Emissionslose Gebäude müssen zur Norm werden. Der tropische Regenwald muss beschützt werden um erst das Abholzen zu reduzieren und schließlich ganz zu beenden.

Gehen Sie von einem größeren Drang zu den aktuellen technologischen Begrenzungen der erneuerbaren Energien aus: mit großen Investitionen, meist in Richtung Energiespeicherung, wenn der Wind mal nicht weht und die Sonne mal nicht scheint. Gehen Sie davon aus, dass die Kosten für erneuerbare Energien weiter sinken, wenn die Technologien auf einer größeren Skala genutzt und weltweit eingesetzt werden. Erwarten Sie, dass signifikante Teile der Welt für die Nutzung durch Windturbinen und Solarparks deklariert werden.

5. Die gefährdetsten Länder der Welt haben ihre Probleme erfolgreich auf die Bühne gestellt.

Paris war die Bühne eines hochpolitischen Pokerspiels. Überraschenderweise haben die Länder mit den schlechtesten Karten besser abgeschnitten als erwartet. Die Klimagespräche waren geprägt durch wechselnde Allianzen, anders als die bekannte Trennung von den reicheren nördlicheren Ländern gegenüber den ärmeren südlichen Ländern. Als zentrales Element war insbesondere die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und China, da beide Nationen zugestimmt haben, ihre Emissionen zu reduzieren und ihr Einverständnis zu der Gruppierung der “Climate Vulnerable Forum” gegeben haben. Dieses Forum hat kontinuierlich das Thema der Begrenzung der Erwärmung um 1.5°C auf die politischen Agenden der Nationen gesetzt.

Wir haben noch nicht das letzte Wort zu den Ambitionen gehört – eines der Entscheidungen in Paris beinhaltet die Einladung der “Intergovernmental Panel on Climate Change” einen individuellen Bericht über die Auswirkungen des Klimas auf die 1.5°C Erhöhung zu erstellen und gleichzeitig den konsistenten Weg zu dieser Temperatureinschränkung vorzugeben und zu definieren.

Diese Länder haben nicht alles bekommen was sie wollten – Die USA wollten keine finanzielle Haftung übernehmen für Länder, die durch den Anstieg des Wasserspiegels Land verlieren. Aber sie haben in dem Spiel ihre schlechten Karten extrem gut und intelligent ausgespielt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image “#431 Global warming get warmer houses, sweet” by Mikael Miettinen (CC BY 2.0).


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Simon Lewis

Simon Lewis

ist Professor für Studien zum Globalen Wandel am University College in London und an der Universität von Leeds. Er promovierte an der Universität Cambridge am Institut für Pflanzenwissenschaft. 2014 stand Lewis auf der Liste der weltweit am meisten zitierten Wissenschaftler im Feld der Ökologie und Umwelt.

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