Keynotes der F8 Konferenz von Facebook

Facebooks jährliche Entwicklerkonferenz F8 ist auf der selben Ebene wie die Keynotes von Apple und Google, was wichtige Neuigkeiten für Redaktionen betrifft. Die Keynote-Präsentation von CEO Mark Zuckerberg Mitte April (hier das Video dazu) war ein Hinweis darauf, dass sich das Unternehmen in einer imperialen Phase befindet (Ich meine damit, dass seine Produkt-Roadmap geprägt von Drohnen, Satelliten und Lasern war). Immer größere Teile der Nachrichtenwelt werden in den Bann dieser kleinen blauen App auf unseren Smartphone gesogen. Demnach wird das, was auf der F8 passiert, immer relevanter für alle, die in die Nachrichtenproduktion involviert sind. Hier sind einige der Highlights.

  • Eine Bot-Plattform für den Facebook Messenger.

Wie bereits vorausgesagt wurde, kündigte Zuckerberg eine Entwicklerplattform an, die Unternehmen (einschließlich Nachrichtenunternehmen) Bots erstellen lässt, die mit Messenger-Nutzern interagieren. Einer der beiden Beispielbots, die er vorführte, war von CNN – eine Nachrichtenübersicht mit einem Karussell an Geschichten, mit denen man auf Wunsch interagieren kann („Geschichte lesen“, „Zusammenfassung holen“ und „Frag CNN“ sind die drei Optionen, die angezeigt werden – es ist unklar, wozu „Frag CNN“ führt). Zuckerberg merkte außerdem an, dass die App von den Aktionen der Nutzer lernen und ihre Inhaltszusammensetzung mit der Zeit personalisieren wird.

Ich habe beobachtet, dass ein paar Menschen auf Twitter posteten, dass es Ähnlichkeiten mit der iPhone-App Quartz hat – was wahr ist. Aber was Chatbots so anziehend macht, ist hauptsächlich die Tatsache, dass sie innerhalb einer existierenden Chatumgebung existieren, nach der wir bereits süchtig sind und nicht in einer separaten App, deren Nutzung vielleicht oder vielleicht auch nicht zur Gewohnheit werden kann (Quartz hat die Chat-Blasen nicht erfunden). Es ist der nächste Schritt auf dem langen Weg des Distributed Contents (deutsch etwa: geteilter Inhalt) zum Besseren oder zum Schlechteren. Falls ihr die Größenordnung dieser Gelegenheit (oder dieser Verlagerung) bezweifelt, hilft die Bekanntgabe von Zuckerberg: Facebook Messenger und WhatsApp verarbeiten jetzt 60 Milliarden Nachrichten am Tag – also dreimal mehr als die SMS zu ihrer Höchstzeit. Verlagshäuser, einschließlich Business Insider und The Wall Street Journal, begannen kurz nach der Bekanntgabe, ihre eigenen Bots anzukündigen.

  • Facebook Bookmarking wird größer.

Ich muss gestehen, mir war überhaupt nicht bewusst, dass es Facebook Bookmarking gibt. Allerdings benutzen Zuckerberg zufolge 250 Millionen Menschen jeden Monat den „Speichern“-Button auf Facebook. Auf der Konferenz wurde ein „auf Facebook speichern“-Button für das Web angekündigt. Kein guter Tag für Pocket oder Instapaper. Aus The Verge:

Wenn sich das sehr nach Pocket oder Instapaper anhört, dann liegt es wohl daran,  nun ja, dass es so ähnlich ist – nur, dass es in der beliebtesten App der Welt mit eingebaut ist. Es gibt jedoch bedeutende Unterschiede, anders als Pocket und Instapaper, entfernt Facebook die Formatierung der Artikel und die Werbung nicht. Aufgrund des hohen Anteils an Traffic, den viele Herausgeber Facebook zu verdanken haben, könnte das Unternehmen mehr Erfolg bei dem Versuch haben, Herausgeber dazu zu bewegen, einen „Auf Facebook speichern“-Button hinzuzufügen als Pocket, welches selbst einen ähnlichen Button anbietet.

Irgendwie ironisch, dass der König des Distributed Contents 2016, die Könige des Distributed Contents 2010 zerschlägt.

  • Ein neues Sharing-Werkzeug für Text.

App-Entwickler können ihren Apps nun ein Sharing-Werkzeug für Zitate beifügen; Amazon benutzt es für die nächste Kindle-App:

Nun muss man den Text nicht mehr auf dem Kindle kopieren und bei Facebook einfügen, sondern man kann ihn einfach auswählen und auf Facebook direkt teilen. Facebook wird den Text in einem neuen Blockzitatformat einfügen und eine vollständige Vorschau der originalen URL anzeigen.

Für Herausgeber mit einer Nachrichten-App wird es sich lohnen, über den Reiz von mehr Facebook-Traffic nachzudenken (im Gegenzug UX Clutter von Yet Another Sharing Option).

  • Mehr Möglichkeiten, um Videos auf Facebook Live zu streamen.

Anstatt nur vom Handy aus, kann man ab jetzt von anderen Geräten Live Videos übertragen, zum Beispiel von professionellen Kameras oder Drohnen:

— Niv Dror ? (@Nivo0o0) 12. April 2016

Es ist eine Programmierschnittstelle (API) – das bedeutet, dass die Kamerahersteller ihre Software dementsprechend updaten müssen, was aber einige Zeit dauern könnte. Aber die API soll auch Zugang zu mehr als nur eine bessere Kameraqualität gewähren – künftig werden wir alle möglichen Arten von Videobearbeitung, Mischwerkzeugen und Overlay-Werkzeugen sehen, die gebaut werden (Chris Cox von Facebook erwähnte, dass BuzzFeed an einer Live-Gameshow arbeitet, welche durch eine API möglich gemacht werden soll).

  • Künstliche Intelligenz (AI), die Nachrichten liest.

Es ist unklar, was das kurzfristig bedeutet, aber Zuckerberg sprach die Idee an – Facebook könnte eine künstliche Intelligenz entwickeln, die in der Lage sei den Inhalt von Nachrichtenartikeln zu lesen und besser zu verstehen. Somit werden dem Nutzer bessere Inhalte empfohlen, die auch von Wert für sie sind (obwohl Facebook uns schon viele Hinweise in Bezug auf jeden beliebigen Artikel gibt, um festzustellen, ob er in unseren News Feed passt oder nicht, handelt es sich noch hauptsächlich um soziale Signale und nicht um inhaltliche Signale).

— John Brandon (@jmbrandonbb) 12. April 2016

  • Instant Articles für alle.

Oh, ja – es wurde zwar nicht in den F8 Keynotes erwähnt, aber wie im Februar schon angekündigt, kann jetzt jeder Herausgeber auf Instant Articles von Facebook veröffentlichen. Meldet euch hier an. Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Mark Zuckerberg on stage at Facebook’s F8 Conference“ by Maurizio Pesce (CC BY 2.0)



Artikel per E-Mail verschicken
Schlagwörter: , , , , , , , ,
Joshua Benton

Joshua Benton

ist Leiter des Niemand Journalism Lab, an dem er schon 2008 als Fellow tätig war. Davor arbeitete er zehn Jahre für Zeitungen, die meiste Zeit bei "The Dallas Morning News". Benton hat den Philip-Meyer-Journalism-Award der Organisation "Investigative Reporters and Editors" gewonnen und hat mit dem Bloggen angefangen als Bill Clinton noch US-Präsident war.

More Posts - Website - Twitter - Facebook - Google Plus