Gelbe Seiten App

Kann Gelbe Seiten in Konkurrenz zu Foursquare und Yelp treten?

Wo ist was und wie komme ich dahin? Neben Yelp, Foursquare & Co. möchte auch Gelbe Seiten diese Fragen (wieder) beantworten. // von Felicitas Hackmann

Gelbe Seiten App

Ganz früher schlugen wir im Telefonbuch oder in den Gelben Seiten nach, heute googlen wir. Foursquare und Yelp wissen Bescheid, wenn es um das Café in der Nähe geht, aber häufig fehlt es an Dienstleistern. Nicht nur, weil ich gerade umgezogen bin, sondern weil sich viele Freunde eine App wünschen, die die Apotheke, Reinigung oder Änderungschneiderei in der Nähe zeigt. Ein guter Zeitpunkt, um die “Gelbe Seiten”-App zu testen.


Warum ist das wichtig? Gelbe Seiten will als alter Datenhase nun junge Startups wie Foursquare und Yelp herausfordern.

  • Gelbe Seiten ist ein nach Branchen sortiertes Telefon- und Adressverzeichnis aus analogen Zeiten, dass jetzt im Digitalen aktiv wird.

  • Das Design der App erinnert an einer Zeit, als die Gelben Seiten noch relevant waren, ist aber wie damals sehr praktisch.

  • Mit kleinen Extrafunktionen weiß die “Gelbe Seiten”-App zu punkten, wirklich wichtige Social Features fehlen dann aber doch.


Ein analoger Datenhase im Digitalen

Aufmerksam gemacht wurde ich über den neuen TV Spot für die „Gelbe Seiten“-App:

Während Yelp, Foursquare und Co. sich auf Bewertungen und Personalisierung spezialisieren, um dem Nutzer die besten Lieblingsspeise in seiner Nähe zu zeigen, liegt der Anwendungsfall bei Gelbe Seiten woanders. In Zusammenarbeit mit dem Portal golocal gibt es zwar Bewertungen (mit Sternchen und Text) allerdings nur ausgesprochen wenige. Hinzukommt, dass die Anwendung nicht so sauber eingebunden ist: Der Nutzer muss sich erst einloggen, bzw. ein golocal Konto erstellen.

Was dagegen besser ist, sind die Menge der Adressen und Telefonnummern. Hier spielt Gelbe Seiten sein ganzes Können als nach Branchen sortiertes Telefon- und Adressverzeichnis aus. Besonders wenn es nicht um Restaurants, sondern um Ärzte, Drogeriemärkte, Banken und ähnliches geht. Während man schnell mal auf Foursquare ein Foto im Café mit einem kurzen Kommentar zur Freundlichkeit des Personals hinterlässt, findet das z.B. bei Handwerkern weniger häufig statt.

Die Daten kommen von der Deutsche Telekom und werden vom Gelbe Seiten Verlag in Absprache mit dem Inseraten um die nötigen Informationen ergänzt. Das erklärt, warum wenig kleine, neue Läden in der App auftauchen, zum Beispiel mein Blumenladen um die Ecke (würde mich wundern, wenn sie dort ein Telefon hat), aber vor alllem viele Ärzte, Handwerker und größere Händler gelistet sind.

Natürlich bietet die App auch eine entsprechende Navigationsfunktion an – was heutzutage aber auch Standard ist. Genauso wie die Funktion, dass Telefonnummern direkt gewählt werden können und dass es eine Merkliste für meine Favoriten gibt.

Das Design

So nah und doch so fern: das Design. Oder die Tatsache, dass es eben kein junges Startup ist, dass einen Fokus auf schickes Design usw. gelegt hat. Knall gelb, schwarze Schrift drauf, Branding ist Branding, denkt man sich entgegenkommend.

Die App ist optisch im Jahr 2012 stehen geblieben und vor allen Dingen nicht an iOS 7 oder sogar Apples neuester Version iOS 8 angepasst. Was erst für hässlich empfunden wird, stellte sich aber später als sehr nützlich heraus. Denn während Foursquare z.B. eine App auf den Markt geworfen hat, die zwar Designpreise gewinnen kann, ist die “Gelbe Seiten”-App einfacher. Sie erfüllt ihren Sinn und Zweck ohne viel Schi-Schi.

Gelbe Seiten App

Extrafunktionen

Eine Kooperation mit BookATable und resmio sorgt dafür, dass Nutzer innerhalb der App einen Tisch bei einigen Restaurants, eben denen, die mit den genannten Diensten arbeiten, reservieren können. Unter “Mehr” findet man ein erweitertes Angebot. So kann man einen Benzinpreisvergleich (nach Stadt, bzw Postleitzahl) aufrufen, um den günstigsten Preise für den gewünschten Kraftstoff zu finden.

Der Nutzer kann außerdem Kategorien markieren, zu denen er besondere Angebote wünscht, z. B. Essen, Beauty, Gesundheit. Diese Angebote sollen dann per Coupon kommen. Bisher ist hier aber noch nichts zu finden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Bilder in der Print-Ausgabe der Gelbe Seiten abzufotografieren, um weitere Informationen zu erhalten – braucht kein Mensch, kann man also weglassen.

Zusammenfassung

Wie alle anderen Angebote ist auch dieses hier nicht vollständig, was allerdings auch eine extrem kniffelige Aufgabe ist. In Sachen Dienstleistungen sieht das Angebot jedoch schon sehr gut aus.

Mittlerweile sind wir dank Foursquare und Co. daran gewöhnt, überall Empfehlungen und Fotos zu finden. Der Versuch ist hier gegeben, allerdings glaube ich nicht, dass es auch nur ansatzweise in ein vergleichbares Umfeld kommen wird. Praktisch ist natürlich die Einbindung der Tischreservierung.

Die Extrafunktionen sind zwar nett, aber irgendwie fragt man sich schon, was ein Benzinvergleich mit dem restlichen Angebot der App zu tun hat. Vermutlich hat Gelbe Seiten die Möglichkeit und nutzt sie halt, weil sie es einfach können.

Die App hat einen guten Kern, das kann man so stehen lassen. Um sie massentauglich zu machen, wäre es eigentlich sinnvoll Foursquare zu kaufen – was aber utopisch ist. Der soziale Faktor fehlt einem einfach. In Locations einchecken hielte ich für ein unsinniges Features, aber die aktuelle Bewertungsplatform ist nicht sauber eingebunden und vor allen Dingen nicht verbreitet genug.

Vielleicht ändert ein höherer Werbedruck das. “Eine App, die weiß, was ich brauche” ist es nicht, denn sie ist nicht personalisiert. Und ganz ehrlich: Noch eine davon brauchen wir auch nicht. Tatsächlich wäre es in meinen Augen sinnvoll sich als “Wir wissen was in Deiner Nähe ist und Dein Problem löst”-Anbieter zu positionieren und sich stärker auf Dienstleister zu konzentrieren.

Insgesamt, wenn auch optisch keine Augenweide, wird die App aber auf meinem Telefon bleiben.


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Felicitas Hackmann

Felicitas Hackmann

studierte Medienwissenschaft in Siegen und arbeitete zwischendurch und danach in Startups wie z.B. Airbnb und Stuffle. Nach San Francisco und Hamburg, ging es 2014 nach Berlin, wo sie als freie Reporterin, für z.B. VentureVillage, schreibt. Ohne Twitter, Foursquare und Spotify geht es nicht! Alles weitere gerne in 140 Zeichen an @frau_feli.

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