Traue keiner Statistik …

Eigentlich wäre die Geschichte der Woche die Übernahme der Videoplattform YouTube durch Google, wäre da nicht eine weltweit agierende PR-Agentur, die es geschafft hat ihren Ruf in der deutschen Weblogwelt mit nur einer Statistik zu ruinieren.

Im Grunde genommen ist Suchmaschine Technorati derzeit das Maß aller Dinge, wenn es um Zahlenspiele über die Blogosphäre geht, denn die Suchmaschine erfasst gegenwärtig über 56.5 Mio. Weblogs weltweit und gibt zu diesen die Währung der Weblog-Welt gleich dazu an: Die Anzahl der Links untereinander.

Nun hat die weltweit agierende PR-Agentur Edelman zusammen mit Technorati eine Liste der „Top Weblogs“ im deutschen, französischen und italienischen Raum zusammengetragen und am Dienstag mit einigermaßen großen Worten vorgestellt. Die „einflussreichsten“ Weblogs der jeweiligen Sprachen wollte man mit der Liste (Excel, dtsch.) benennen.

Dumm nur, dass schon Winston Churchill keiner Statistik glaubte, die er nicht selbst gefälscht hattte; und ähnlich verhält es sich jetzt mit den Bloggern und der Edelman-Auswertung.
Denn neben peinlichen Tippfehlern verspielte die PR-Agentur eine sinnvolle Debatte um die Liste: Fehlten doch dort diverse selbst in breiter Öffentlichkeit bekannte Weblogs. Stattdessen werden kleinen Weblogs genannt, die ihre plötzliche Bekanntheit eher einem unter freier Lizenz stehenden Download-Produkt zu verdanken haben, denn ihrer meinungsmachenden Wirkung.

Und so muss sich Edelman nun belehren lassen. Nicht nur von Jens Schröder, der seit Januar die deutschen „Top 100 Blogs“ auf der gleichen Datenbasis und mit viel Handarbeit zusammenstellt, sondern auch vom nicht kleinen Rest der (deutschen) Weblog-Welt.

Das ganze Ausmaß des Resonanzsturms hat Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach in seinen del.icio.us-Bookmarks gesammelt. Lünenbürger-Reidenbach selbst arbeitet seit einigen Monaten bei Edelman und dokumentiert in seinem Weblog den Verlauf der letzten Woche. Gleichzeitig hilft er Edelman dabei, die großen Worte kleiner zu machen und zu betonen, wie sehr die Liste als Diskussionsstartpunkt gedacht war. Die Diskussion hat man nun: Fragt sich nur, ob sie auf dem Level stattfindet, das man angepeilt hatte.

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Thomas Gigold

Thomas Gigold

ist Journalist und Berufsblogger. Blogger ist Gigold bereits seit den letzten Dezembertagen des Jahres 2000, seit 2005 verdient er sein Geld mit Blogs und arbeitete u.a. für BMW, Auto.de und die Leipziger Messe. Selbst bloggt Gigold unter medienrauschen.de über Medienthemen.

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