Sechs Dinge, die Sie mit Kaffee machen können

Kaffee kann weitaus mehr als uns über die morgendlichen Hürden helfen. Auch als Treibstoff, zum Aufsaugen von Schwermetallen, und sogar als High-Tech-Produkt, dient der Wachmacher. Viele von uns sind süchtig nach Kaffee, um Energie zu tanken für frühmorgendliche Meetings, Nachmittagskrisen oder nächtliche Lernsessions. Inzwischen werden die Wörter “Kaffee” und “Treibstoff” halb scherzend als Synonyme verwendet. Mehr als 9 Tonnen der Bohne werden jährlich weltweit produziert und eine riesige Menge Müll entsteht, sobald wir sie aufgebrüht haben. Der größte Teil davon landet auf Mülldeponien.

Forscher aus Südkorea haben jedoch einen Weg gefunden, den Kaffeesatz in einem buchstäblicheren Sinn als Treibstoff zu verwenden. In einer Nanotechnologie-Studie berichten sie davon, wie sie Kaffeereste dafür verwendet haben, um Carbon-Material mit kleinen Poren, welche die Oberfläche vergrößern – “aktiviertes” Carbon genannt – zu produzieren. Dieses neue Material kann Methan und Wasserstoff absorbieren und speichern, welche beide als Treibstoff verwendet werden können.

Die Möglichkeit, diese Treibstoffe in so einem günstigen Material zu speichern, ist sowohl ein großer Schritt, um diese Technologie rentabler zu machen, als auch ein ökologischer Vorteil: Methan ist ein schädliches Treibhausgas.

Kaffee für günstigen Treibstoff verbrennen

Schon seit ein paar Jahren nutzt Nestle den bei seiner Produktion von Instantkaffee anfallenden Kaffeesatz als Heizmaterial. Kaffee wird momentan in mehr als 20 Fabriken auf der Welt dazu verwendet, die Nahrung zu kochen, die produziert wird. Damit werden mehr als 800.000 Tonnen Kaffeesatz, der sonst auf Mülldeponien landen würde, sinnvoll verwendet.

Ein spezialisiertes Unternehmen, die aus London stammende Firma Bio-Bean, versucht den Abfall von lokalen Instantkaffeeproduzenten (fast 200.000 Tonnen allein in London und Südengland) in Biomassepellets zur Energiegewinnung, sowie für Privatwohnungen mit modernen Biomasseheizungen, zu pressen. Die Bohnen verbrennen viel sauberer und enthalten 50 Prozent mehr Energie als traditionelle Holzpellets. Jedoch entfernt Bio-Bean anders als Nestle vorher Öl aus dem Kaffee, was uns zum nächsten Punkt bringt.

Kaffee in flüssigen Treibstoff verwandeln

Wie die meisten Pflanzensamen enthält die Kaffeebohne eine erhebliche Menge Öl, die entweder herausgepresst oder chemisch extrahiert werden kann. Diese kann dann in Biodiesel, eine Flüssigkeit mit ähnlichen Eigenschaften wie normaler Diesel, verwandelt werden.

Meine eigene Recherche ergab, dass aus Kaffee produzierter Biodiesel weder vom Anbauort des Kaffees, der Art der Bohne oder der Aufbrühweise beeinflusst wird. Das ist ein großes Plus, da es bedeutet, dass aus Kaffee produzierter Treibstoff eine vorhersagbare und konstante Energieausbeute beim Verbrennen liefert.

Kaffeesatz kann außerdem fermentiert werden, um Ethanol zu produzieren, oder großer Hitze und Druck ausgesetzt werden, um Bio-Öl, ein Material mit Ähnlichkeiten zu Rohöl, herzustellen. Beide Vorgänge sind jedoch teuer. Biodiesel ist der einzige Brennstoff, der sich in größerer Menge zu lohnen scheint, daher auch Bio-Beans Bemühungen, ihn auf den Markt zu bringen.

Er ist voll mit wertvollen Chemikalien

Kaffee enthält eine Vielzahl an Chemikalien, die nach ihrer Isolation und Reinigung sehr speziellen Anwendungen dienen können. Beispiele sind Chlorogensäure, ein Lebensmittelzusatz, der den Blutdruck leicht senkt; Trigonellin, das bei der Prävention und Behandlung von Diabetes und Erkrankungen des zentralen Nervensystems hilft; Polyhydroxyalkanoate, die für die Herstellung von Bioplastik verwendet werden; und eine Vielzahl an Antioxidantien, die in der Gesundheitsfürsorge benutzt oder zu Treibstoffen und Schmiermitteln hinzugefügt werden, um deren Lebensdauer zu verlängern.

Kaffee kompostieren?

Kaffeesatz ist reich an Stickstoff, einem lebenswichtigen Nährstoff für das Pflanzenwachstum. Das ist einer Vielzahl von Coffee Shops bekannt, weshalb sie den Kunden, die dies wünschen, ihren benutzten Kaffee anbieten. Das reduziert ihren Abfall und könnte in Koffein-gestärkte Bio-Früchte und Gemüse fließen. Welcher Barista kann dazu schon Nein sagen?

Schwermetalle aufsaugen

Kaffeeabfall ist sogar effektiv, um schädliche “Schwermetalle” wie Chrom, Kupfer, Nickel oder Blei, die oft aus Chemiewerken, Höfen oder Fabriken durchsickern und erheblichen Schaden anrichten, aufzusaugen. Es wurde berichtet, dass Kaffeesatz unter besonderen Laborbedingungen bis zu 91 Prozent der Schwermetallionen aus Lösung entfernen konnte – ein gutes Beispiel für seine ökologischen Vorteile.

Kaffee wird High-Tech?

Am komplexesten von allem ist, dass Forscher versucht haben, aus Kaffee Superkondensatoren zu bauen – elektrische Speicher, die mehr Energie speichern und mehr Ladezyklen aushalten als herkömmliche Batterien. Es wurden ultra-dünne porige Carbon-Nanobleche mit guten elektrischen Fähigkeiten hergestellt.

Ob er nun zu Hause für den Gartenkompost, im Labor für Forschungszwecke oder in der industriellen Treibstoffproduktion verwendet wird, es gibt augenscheinlich zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten für Kaffeesatz. Diese große Auswahl könnte möglicherweise auch negativ sein. Letztendlich ist die Frage: Wie entscheidet man, was man mit etwas so Vielseitigem macht?

Eines ist jedoch sicher. Wir sollten ihn auf keinen Fall wegwerfen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image „coffee“ (adapted) by Christoph (CC0 Public Domain)


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Rhodri Jenkins

Rhodri Jenkins

ist promovierter Forscher für Biotreibstoffe an der University of Bath. Seine Interessen der Karriere und Forschung zielen auf die Erweiterung und Aufwertung von Abfall oder das im Überfluss vorhandene Rohmaterial der Biomasse von Treibstoffen und Chemikalien ab.

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