Teslas Erbe: Der Kampf ums kabellose Laden

Smartphones überall ohne lästiges Kabel auftanken zu können, würde viele Konsumenten freuen. Doch eine Rivalität zweier Standards erschwert den großen Durchbruch. Es war das Jahr 1893, als der brillante Erfinder und Physiker Nikola Tesla in Chicago demonstrierte, wie man Geißlerröhren durch hohe elektrische Feldstärken drahtlos zum Leuchten bringen kann (an der Decke von Teslas Labor wurden dazu entsprechende Kabel montiert, die von einem Tesla-Oszillator gespeist wurden). 122 Jahre später ist die kabellose Übertragung von Energie immer noch nicht wirklich bei der breiten Masse angekommen. Denn unterschiedliche Standards wie beispielsweise Apple, verhindern bis dato, dass man seine Gadgets einfach überall ohne Kabel aufladen kann.

Die Idee klingt ja eigentlich verlockend: Man legt sein Smartphone einfach im Kaffeehaus, im Restaurant, am Flughafen, im Hotel oder im eigenen Schlafzimmer auf ein entsprechend gerüstetes Möbelstück, und schon tankt der Akku wieder Energie. Die Technologie (also die induktive Energieübertragung) ist bereits vorhanden, und wer eine elektrische Zahnbürste sein Eigen nennt, der nutzt sie wahrscheinlich bereits. Beim wichtigsten persönlichem Gerät, dem Smartphone, ist das kabellose Laden aber noch nicht zum Standard geworden – und das hat seine Gründe. Denn der Markt für die drahtlose Stromübertragung, soll laut dem Marktforschungsinstitut IHS, von 2015 bis 2024, von 1,8 Milliarden US-Dollar auf knapp 15 Milliarden US-Dollar anwachsen. Um diesen Markt kämpfen derzeit zwei Standards, dem sich die Hersteller angeschlossen haben.

Der eine Technologistandard wird von der Power Matters Alliance (PMA) vertreten, der derzeit insgesamt 68 Firmen angehören, darunter Samsung, Intel, Qualcomm, AT&T, P&G, HTC, Lenovo, LG, Microsoft, Asus, BlackBerry, Huawei und Motorola. Durch den Zusammenschluss mit A4WP (kurz für Alliance for Wireless Power) am 1. Juni 2015, hat sich die PMA in eine starke Position manövriert und wird außerdem von Starbucks unterstützt, die die Technologie zum kabellosen Smartphone-Tanken in ihren zehntausenden Geschäftslokalen ausrollen wollen.

Der PMA steht das Wireless Power Consortium (WPC) gegenüber, das mit 210 Mitgliedern deutlich größer ist und den Qi-Standard unterstützt – HTC, Nokia, Samsung, LG, BlackBerry, Huawei, Sony oder Motorola sind etwa Mitglied. Der Qi-Standard steht aber nicht nur wegen seiner größeren Mitgliederzahl derzeit stärker da. Die Möbel mit integriertem Induktionsladestellen, die Ikea verkauft, unterstützen Qi genauso wie jene Mc-Donalds-Filialen in Europa, die ihren Kunden testweise kabelloses Laden während dem Fastfood-Essen bieten wollen. Und: Autohersteller wie Audi, BMW, Daimler, Porsche oder Volkswagen haben sich bereits 2013 für die Qi-Technologie entschieden und wollen sie in ihren Neuwägen verbauen.

Welcher Standard sich aber letztendlich durchsetzen wird, ist noch ungewiss – das zeigt nicht nur die Doppelgleisigkeit, mit der viele Hersteller in punkto Mitgliedschaft fahren, sondern auch der größte Smartphone-Hersteller der Welt. Samsung hat seinen aktuellen Flaggschiff-Modellen Galaxy S6 und Galaxy S6 Edge, sowohl den PMA- als auch Qi-Standard geschenkt, damit das drahtlose Laden in möglichst allen Situationen funktioniert.

Die große Unbekannte in dem Kampf um den Markt ist Apple. Der iPhone-Konzern hat sein Smartphone die Induktion noch nicht beigebracht. Lediglich die Apple Watch lässt sich bis dato ausschließlich kabellos laden. Auch wenn User herausgefunden haben wollen, dass sich die Computer-Uhr offenbar per Qi-Standard laden lässt, offiziell unterstützt Apple wedere PMA noch WPC. Das könnte strategische Gründe haben, schließlich ist das Unternehmen bekannt dafür, für Zubehör viel Geld zu kassieren. Ein zusätzliches Ladekabel für die Apple Watch kostet stolze 35 Euro. Der Erfolg des kabellosen Ladens, ist aber weniger von der Watch, als vielmehr vom iPhone abhängig – und da gibt es derzeit lediglich Gerüchte, dass die nächste Version des Smartphones, mit der durchaus praktischen Technologie ausgerüstet sein wird.


Image (adapted) „Ravpower moments by Simbiosc“ by César (CC BY-SA 2.0)


 

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Jakob Steinschaden

Jakob Steinschaden

ist seit 2006 publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist und hat die beiden Sachbücher "Phänomen Facebook - Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt" (2010) und "Digitaler Frühling - Wer das Netz hat, hat die Macht?" (2012) veröffentlicht. In seinem Blog “Jakkse.com” und in Vorträgen schreibt und spricht er gerne über die Menschen und ihr Internet – von Social Media über Mobile Business und Netzpolitik bis zu Start-ups.

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