Ann-Kathrin Bertenrath über den Messenger Jott

Der Bluetooth-Messenger Jott ist die neue In-App bei US-Teenies

Mit Freunden schreiben, ohne aktive Internetverbindung oder Datentarif? Für viele US-amerikanische Jugendliche ist das Alltag geworden. Der Messenger Jott wird inzwischen auch an Schulen eingesetzt.

Ann-Kathrin Bertenrath über den Messenger Jott

Möglich gemacht wird das Kommunizieren über die sogenannte Airchat-Technologie. Nutzer von Apple-Geräten können so über Jott Nachrichten via Bluetooth versenden. Das Prinzip ist nicht neu: Bereits im vergangenen Jahr sorgte “Firechat” für Aufsehen. Doch was bisher fehlte, war ein Messenger, der sich speziell an die Bedürfnisse der jungen Zielgruppe richtet, so Entwickler Jared Allgood gegenüber dem Wirtschaftsmagazin forbes.com: „Die meisten Menschen erkennen nicht, dass es eine sich entwickelnde Gruppe innerhalb Amerikas gibt. Es ist der amerikanische Teenager.“

Seine Firma Juxta Labs aus San Francisco hat sich vor allem durch Spieleapps wie „Little Riddles“ und „Pic the Song“ einen Namen gemacht. Mehr als eine Million Downloads, Tendenz steigend. Darüber hinaus entwickelte das Unternehmen im Jahr 2009 die Facebookapp „Yearbook“, die es dann nach dem Erreichen von 40 Millionen Usern an das Portal classmates.com verkauft hat.

Als Väter von Kindern im Teenageralter, wissen Allgood und sein Mitbegründer Jayson Ahlstrom von Juxta Labs über die Sorgen und Nöte der jungen Generation Bescheid. Diese ist vor allem eines: Internetaffin. Eine Umfrage des Unternehmens unter mehr als 300 Schülern zeigte: Rund 50 Prozent der US-amerikanischen Middle Schools und High Schools bieten keinen WLAN-Zugang an. Außerdem hätten viele Schüler kein Geld für eine Internetflatrate. Ein weiteres Problem: Viele Eltern würden ihren Kindern einen iPod oder ein iPad ohne Internetmöglichkeit mit in die Schule geben, so Allgood. Damit wären die Jugendlichen in der Schule von den Anderen ausgeschlossen.

„closed networks“ an Schulen

Mit Jott sollte sich das ändern. Die beiden Chefs stellten extra fünf Ingenieure ein, die bereits ein Messenger-System für Schulen entwickelten. Das Ziel: Es sollte nicht nur funktionieren, sondern vor allem sicher sein – immerhin ist die Hauptzielgruppe 13- bis 18-jährige.

Die App zerstört ähnlich wie Snapchat gesendete Nachrichten und erkennt, wenn jemand einen Screenshot von der Konversation macht. Die Möglichkeit Gesprächspartner zu blockieren gibt es ebenfalls.

In vielen Schulen existieren mittlerweile sogenannte „closed networks“. Wer da hinein will, muss sich mit seinem vollen Namen und seinem richtigen Alter registrieren. Außerdem wird mit der Anmeldung bestätigt, dass es sich wirklich um Schüler dieser Schule handelt.

Wie TechCrunch berichtet, sei es als Außenstehender geradezu unmöglich, sich länger unentdeckt in dem Netzwerk aufzuhalten. Eine Schuldirektorin sei schon nach kurzer Zeit von den Schülern als Fake entlarvt, gemeldet und schließlich gesperrt worden.

Doch warum sollten Teenager mit ihren Schulkameraden über einen Messenger schreiben, wenn diese sich doch in unmittelbarer Nähe befinden?

Mittelstufenschüler wollen neue Freundschaften schließen, aber dazu brauchen sie Telefonnummern. Oft haben sie auch keinen Datentarif, um mit ihren Mitschülern zu schreiben“, erklärte Allgood gegenüber TechCrunch. „Jott ersetzt das Zettelchen-Schreiben im digitalen Zeitalter.“


Jott-Geschäftsführer Jared Allgood erklärt auf CNN, wie der Messenger funktioniert:


Welches Potential hat die App?

Dass Jott ohne Internetverbindung und damit ohne jegliche Abhängigkeit von Mobilfunknetzen funktioniert, könnte auch außerhalb von Schulen von unschätzbarem Vorteil sein. Denn gerade in Gefahrensituationen oder während Naturkatastrophen (bei denen häufig das Mobilfunknetz zusammenbricht) ist es wichtig, dass Menschen in einem begrenzten Gebiet miteinander kommunizieren und sich so gegenseitig helfen können. Wer Angst um seine Daten hat, könnte mit Jott ebenfalls aufatmen: Bluetooth-Verbindungen können nämlich nicht ausgeschnüffelt werden.

Dennoch, betont Allgood in einem Interview gegenüber fox13now.com, sei die die App in erster Linie für Teenager entwickelt worden: “Wir konzentrieren uns auf Jugendliche, für sie haben wir diese App gemacht. Sie lieben und nutzen sie. Außerdem gibt es viele Schulnetzwerke, in denen sich Jott rasend schnell verbreitet.

Eine Einführung der App in den internationalen Markt sei erstmal nicht geplant.

Fazit

Ich habe Jott zu Testzwecken heruntergeladen. Jott ist in Deutschland natürlich aufgrund seiner offensichtlich geringen Nutzerzahlen und fehlenden Bekanntheit, bislang völlig unbrauchbar als Messenger. Mir persönlich gefällt das Design der App, die Menüführung empfinde ich jedoch als etwas gewöhnungsbedürftig. Zum Teil braucht die App auch mehrere Sekunden, bis sie einen Befehl ausführt. Das können andere Instant Messenger deutlich besser.

Dennoch würde ich mich freuen, wenn Jott auch auf dem deutschen Markt eingeführt wird. Meiner Meinung nach könnte sie hier ihr volles Potenzial entfalten, wenn man sich nicht nur auf Schulen, sondern auf sämtliche andere, mehr oder weniger geschlossene Gruppen konzentriert (Wohngebiete, Kaufhäuser u.ä.). Auch die Nutzung in Gefahr- und Notfallsituationen klingt vielversprechend. Bis dahin sollte aber zumindest die AirChat-Funktion für alle Betriebssysteme verfügbar sein.


Teaser & Image by Jott


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Ann-Kathrin Bertenrath

Ann-Kathrin Bertenrath

studiert Medienmanagement an der Hochschule Mittweida. Sie ist Chefredakteurin des hochschuleigenen Onlinemagazins medienMITTWEIDA.

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