Jooce – Der Überall-Desktop

Was ist Jooce?
Jooce ist ein multimedialer Onlinedesktop auf Flashbasis, der von überall über den Browser genutzt werden kann.

Jooce erlaubt dabei auch das Teilen des Desktops: So kann man nicht nur von jedem Computer aus auf die eigenen Daten zugreifen, sondern zusätzlich zum privaten Desktop auch einen öffentlichen Desktop anlegen – den so genannten Joocetop. Über den Joocetop können Dateien von Freunden auf deren eigenen Desktop kopiert werden und umgekehrt. Multimedial wird Jooce durch den eigenen Mediaplayer, der Audios und Videos abspielen kann. Ein einfacher Bild-Editor erlaubt zumindest grundlegende Fotobearbeitung.

Ein Multi-Messenger rundet den Social Desktop ab: Joost unterstützt die gängigsten Instant-Messenger-Netzwerke. Neben der Chatfunktion auch lassen sich so auch Dateien auf den privaten Desktop der Chatkontakte verschicken.

Wie funktioniert Jooce?

 

Einmal angemeldet, kann man eigene Dateien auf den privaten Desktop laden, Videos (derzeit nur von YouTube) im Hintergrund auf den eigenen Desktop herunterladen oder mit den IM-Kontakten chatten. Jooce bietet eine tolle – wenn auch für meinen Geschmack etwas zu bunte – Benutzeroberfläche, die optisch sehr offensichtlich an Apples OS X und Microsofts Windows angelehnt ist. Der Desktophintergrund erinnert stark an Apple, ebenso der kubische Überblendeffekt, wenn man vom privaten Desktop zum Joocetop wechselt und zurück.

Jooce vermittelt während der Nutzung dann auch tatsächlich ein Desktop-Gefühl, obwohl alles webbasiert abläuft: Es können Ordner angelegt, umbenannt und per Drag-and-Drop verschoben werden. Auf der rechten Maustaste liegen kontextsensitive Funktionen und auch sonst ist das Handling sehr intuitiv und einfach. Usability und Design sind somit schonmla klasse gelöst. Das weckt natürlich direkt Begehrlichkeiten nach weiteren Features: So fehlt bislang die Integration von Officeanwendungen. Beispielsweise sucht man eine Textverarbeitung a la Google-Docs oder eine Emailfunktionalität vergebens.

Für wen ist Jooce gedacht?

Die Macher von Jooce hatten die Idee, all den Usern einen „Überall-Desktop“ zur Verfügung zu stellen, die oft in Internetcafes oder an fremden Rechnern sitzen. Oder in den Worten von Jooce: „500 million people access the internet each day from a cybercafe. Jooce is their new home on the internet“. Jooce richtet sich damit ganz klar an die breite Masse der Hobby-Internetnutzer, für die die einfache Möglichkeit zum Datenaustausch, Chatfunktion und der leichte Zugriff auf eigene Texte, Fotos und Videos ausreichend sind.

Blogpiloten-Urteil

Für Profis dürfte Jooce keine wirkliche Alternative sein. Dazu ist der Funktionsumfang zu gering und die Konkurrenz professioneller Datenaustausch- und Synchronisationsdienste zu groß. Dennoch: Wer keinen eigenen Rechner besitzt oder gerade einen Rucksacktrip macht, hat mit Jooce einen sehr ansprechend gestalteten, einfach zu bedienenden und in seinen Grundfunktionen ausreichenden Onlinedesktop.

Schon bei der ersten Nutzung fühlt man sich direkt wohl, allein aufgrund der Freude darüber, dass alles intuitiv und schnell funktioniert, größere Stolpersteine in der Bedienung trotz des noch frühen Beta-Stadiums löblicherweise fehlen und sich die Macher auch sonst offenbar sehr viele Gedanken darüber gemacht haben, das Interface einfach und benutzerfreundlich zu gestalten. Die Sharing-Funktionen und die Trennung in privaten und öffentlichen Joocetop sind solide gelöst und können deshalb voll überzeugen. Statt weitere Funktionalitäten in Jooce reinzupacken, scheint es derzeit die Strategie der Joocer zu sein die Basisfunktionen zu perfektionieren und die Internationalisierung voranzutreiben. Im Jooce-Blog ist zu lesen, dass inzwischen 17 Sprachen unterstützt werden, Hindi und Deutsch sind jüngst dazugekommen.

Steffen Büffel

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.

More Posts - Website