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Robin Haak: Arbeit zu vermitteln ist ein gesellschaftliches Gut

Im Interview erzählt Robin Haak, Gründer und COO von Jobspotting, was es mit dem Berliner Startup auf sich hat. // von Tobias Schwarz

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Die Job-Plattform Jobspotting wurde 2013 gegründet und hat im letzten Jahr ein dreimonatiges Programm beim Axel Springer Plug and Play Accelerator durchlaufen. Mit Hilfe der Plattform, sollen sich auf einfache Art und Weise passende Stellenangebote finden lassen. Dazu verwendet das Unternehmen speziell entwickelte Suchalgorithmen und maschinelles Lernen, um Jobsuchenden somit individuell zugeschnittene Jobangebote zu Verfügung zu stellen. Im Interview berichtet Robin Haak über das Geschäftsmodell.

Tobias Schwarz (TS): Jobspotting ist eine mir offene Stellen empfehlende App. Woher sind die Angebote und nach welchen Kriterien werden mir als Nutzer die Ergebnisse aufgelistet?

Robin Haak (RH): Unser Ziel ist es, die relevantesten Stellen aus dem gesamten Netz zu empfehlen. Unsere Nutzer erhalten einen Überblick über eine größtmögliche Zahl an freien Stellen, ohne einzelne Job-Plattformen selbst durchforsten zu müssen. Die angezeigten Jobs stammen von mehr als 40 Partnerseiten aus Deutschland und Großbritannien, darunter Monster, StepStone, ABSOLVENTA oder AngelList. Auf Grundlage eines Nutzerprofils, das Informationen wie Kenntnisse, Standort oder Berufserfahrung enthält, schlägt unsere Suche dann passende Stellen vor. Entscheidend dabei ist, dass die Stellenangebote auf Grundlage von Relevanz priorisiert und angezeigt werden.

TS: Klassisch gesehen würde man zur Bundesagentur für Arbeit gehen, wenn man eine neue Stelle sucht. Wieso sollte man sich auch bei Plattformen wie Jobspotting anmelden?

RH: Klassisch gesehen? Was bedeutet das denn heute? Klassisch sucht man heutzutage im Internet. Mit der Jobbörse ist die Bundesagentur hier vertreten. Sie ist allerdings nur eine von vielen Plattformen für die Jobsuche. Natürlich finden sich dort sehr viele Stellenausschreibungen, aber auch längst nicht alle. Jobsuchende möchten in der Regel möglichst viele Optionen ausmachen, die sich ihnen bieten – egal, wo die Jobs ausgeschrieben sind. Statistiken belegen das: Der typische Stellensuchende besucht im Schnitt neun Plattformen, um einen Job zu finden. Jobspotting ist eine davon.

TS: Die Bundesagentur für Arbeit möchte nicht von Suchmaschinen indexiert werden. Wieso ist das für Sie ein Problem?

RH: Dass die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit nicht bei Suchmaschinen indexiert, ist für uns als Unternehmen kein Problem. Ich finde das allerdings gesellschaftlich nicht in Ordnung. Ganz allgemein gehören Suchmaschinen zu den ersten Kanälen, die bei der Suche nach Informationen genutzt werden. Das gilt genau so bei der Jobsuche. Wenn die Stellen der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit nicht gefunden werden, läuft das entgegen des öffentlichen Interesses. Es fällt mir schwer, das nachzuvollziehen. Menschen in Arbeit zu bringen betrachte ich als hohes gesellschaftliches Gut. Die Jobbörse wird aus öffentlichen Geldern finanziert und bezeichnet sich selbst als Deutschlands größte Dienstleisterin am Arbeitsmarkt. Als Bundesbehörde sollte auch sie die Ziele der Digitalen Agenda der Bundesregierung konsequent verfolgen. Ihre Stellen für Suchmaschinen zugänglich zu machen versteht sich da für mich von selbst. Wenn sie allerdings die gesellschaftliche Realität negiert, dass einer der ersten Kanäle für die Jobsuche Google ist, wird sie ihrer eigenen Zuschreibung und der Verantwortung, die sie als öffentliche Einrichtung trägt, nicht gerecht.

TS: Ist das nur Ihr Problem oder betrifft das auch andere Unternehmen? Denn bisher habe ich dazu nur den Artikel von Stephan Maaß gefunden, der für das Springer-Medium „Die Welt“ schreibt, also zum gleichen Unternehmen gehört wie der Inkubator, der an Jobspotting beteiligt ist.

RH: Wir haben sehr viel Zuspruch für unseren offenen Brief erhalten, nicht nur von Unternehmen aus unserer Branche, sondern von zahlreichen Akteuren der Digitalszene. Weitere Berichterstattung folgt ebenfalls. Ich möchte aber noch einmal betonen, dass das für uns als Unternehmen kein Problem darstellt. Aus Perspektive des Stellensuchenden, der für uns immer im Mittelpunkt steht, ist es das aber. Natürlich würde ich mich freuen, wenn wir unseren Nutzern die Stellen der Jobbörse zugänglich machen könnten. Das würde übrigens der gesamten Branche zugute kommen. Doch in erster Linie geht es mir hier nicht ums Geschäfte machen, sondern darum, dem Jobsuchenden den größtmöglichen Nutzen zu bieten.

TS: Sie haben angeboten, die 800.000 Stellen der Jobbörse kostenlos sichtbar zu machen – auf Jobspotting. Wenn die Bundesagentur für Arbeit diese Stellen online zugänglich macht, hat aber auch Ihre Konkurrenz Zugriff darauf. Richtig?

RH: Ja, das ist richtig. Und das wäre auch gut so.

TS: Wissen Sie, wie die Bundesagentur für Arbeit begründet, dass Sie nicht eine größtmögliche Sichtbarkeit für offene Stellen herstellen möchte?

RH: Nein. Es gab bisher keine Reaktion der Bundesagentur für Arbeit auf unseren offenen Brief. Ich kann mir das ehrlich gesagt auch nicht erklären. Es mag natürlich sein, dass manche Arbeitgeber nicht indexieren möchten. Aber es geht doch darum, Menschen in Arbeit zu bringen und Stellen zu vermitteln. Nicht zuletzt ist es auch im Interesse der Arbeitgeber, eine größtmögliche Zahl an relevanten Bewerbern für ihre freie Stellen zu erreichen.

TS: Kritisieren Sie das Problem dann nicht von der falschen Seite? Arbeitgeber haben sich proaktiv dafür entschieden, eine offene Stelle bei der Bundesagentur für Arbeit zu inserieren und nicht bei Jobspotting. Aus datenschutzrechtlichen Gründen müssen die Information deshalb geschützt werden. Sollten Sie nicht eher die inserierenden Unternehmen von sich überzeugen?

RH: Das ist nicht unser Geschäftsmodell. Wir bieten einen Überblick über freie Stellen aus dem gesamten Netz. Beim Klick auf einen Job erfolgt dann eine Weiterleitung auf die entsprechende Partnerseite. Wir müssen also nicht einzelne Unternehmen überzeugen, sondern sind auf Partner angewiesen. Dass immer mehr Job-Plattformen mit uns zusammenarbeiten möchten, spricht für unser Modell.

TS: Wie sehr bremst dieses Problem Jobspotting aus? Mit dem Investment von Li Ka-shing wollen Sie in den nächsten Monaten doch sowieso die Internationalisierung vorantreiben. Dieses Jahr geht es noch in die USA, ab 2016 möchte Jobspotting dann neben Deutschland oder Großbritannien in weiteren Ländern aktiv sein.

RH: Es bremst uns in keiner Weise aus. Unsere Nutzerzahlen wachsen kontinuierlich, immer mehr Plattformen entscheiden sich, mit uns zusammenzuarbeiten. Der geschäftliche Aspekt ist auch nicht Kern meines Anliegens. Ich habe der Bundesagentur für Arbeit und unserer Bundesministerin Andrea Nahles das Angebot gemacht, in einen offenen Dialog zu treten und gemeinsam über Arbeit in der digitalen Welt zu diskutieren. Das Angebot meine ich ernst und es gilt auch heute noch. Als deutsche Firma und als Internetunternehmen sehe ich die Verantwortung, uns in die Diskussion rund um das Thema digitaler Wirtschaft und digitalen Arbeitens aktiv einzubringen und gemeinsam mit den politischen Akteuren über die Chancen und Risiken digitaler Vernetzung zu sprechen.

TS: Zum Schluss eine Verständnisfrage: Ist ein Arbeitsmarkt mit hohen Arbeitslosenzahlen interessanter für Jobspotting als eine gut laufende Wirtschaft, in der Spezialkräfte gesucht werden?

RH: Unabhängig von der konjunkturellen Lage hat sich der Arbeitsmarkt durch die Digitalisierung massiv verändert. Das macht es für den Einzelnen schwieriger, den Job zu finden, der auch wirklich zu ihm passt. Unser Anliegen ist daher, den Arbeitsmarkt insgesamt transparenter und fairer zu machen. Ich will das kurz erklären. Ein großes Problem sehe ich darin, dass Stellensuchende häufig nicht wissen, wo ihre Fähigkeiten und Kenntnisse gebraucht werden. Gleichzeitig sind sie nicht ausreichend darüber informiert, welche Qualifikationen aktuell auch tatsächlich gesucht werden. Auf der anderen Seite stehen Unternehmen vor der großen Herausforderung, passende Stelleninhaber auszumachen. Viel zu häufig verwenden sie viel Zeit darauf, Bewerber auszusortieren, die dem ausgeschriebenen Profil nicht entsprechen. Beim Bewerber wiederum führt das zu Frustration, wenn er eine Absage nach der anderen erhält, aber nicht genau weiß, warum. Genau diesen Kreis wollen wir durchbrechen. Wir vereinfachen nicht nur die Jobsuche für jeden Einzelnen. Wir kommen der Wirtschaft insgesamt zugute.

TS: Vielen Dank für das Interview.


Teaser & Image (adapted) by Jobspotting


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Tobias Kremkau

Tobias Kremkau

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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