Jahresrückblick 2007, Teil 4: Von Percanat und Productivity Porn

Video

Video erobert das Netz! Nicht zuletzt der Erfolg von YouTube und seinen zahlreichen Konkurrenten hat dazu geführt, dass die Popularität von Videoschnipseln weiterhin rasant steigt.

Prügel- und Lehrermobbing-Videos gehörten zwar im Jahr 2007 ebenso zu den Aufregern wie der Dauerstreit um die illegale Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material, aber dass private und professionelle Videoinhalte im Web weiter Fuß fassen werden, kann niemand ernsthaft bezweifeln.

Über das Web wird fleißig live gestreamt und On-Demand geglotzt. Von der vollmundig beschworenen Revolution des Internetfernsehens durch die Skype-Gründer Janus Friis und Niklas Zennström mit Projektnamen Joost ist derweil eher wenig zu hören. Mit ihren Digitalplänen gehen ARD und ZDF insbesondere mit den Mediatheken im Video-on-Demand-Segment teils sehr kontrovers diskutierte Wege. Aber auch die Verlage entdeckten 2007 Video für sich und ihre Onlineangebote.

Dem Gerede rund um Internetfernsehen (IPTV) und dem jahrelangen Geplänkel um den Standard für die mobile Verbreitung von Videoinhalten müssen erst noch nennenswerte Taten, Dienste und Erfolgsstories folgen.

Stark im Kommen sind dagegen webbasierte Live-Broadcasting-Dienste wie Mogulus, Ustream oder Seesmic, mit deren Hilfe Jeder per Webcam seinen eigenen Videokanal im Netz starten kann.

One Laptop per Child

Eine Vision wird Realität: Ein Laptop für jedes Kind! Im November 2007 beginnt die Massenproduktion für das One Laptop Per Child Projekt, den sogenannten 100 Dollar-Laptop für Kinder in Entwicklungsländern. Der helle Kopf und das leidenschaftliche Herz hinter der Idee: Nicolas Negroponte, Autor von Being Digital sowie Gründer und Direktor des renommierten MIT-Medialabs. Negroponte stellt im folgenden TED-Talk Video seine Vision dieses tollen Projekts vor:

Getting Things Done

Collect, Process, Organize, Review, Do: Diesen Arbeitszyklus durchlaufen seit 2007 immer mehr bisher hoffnungslos unorganisierte Wissensarbeiter. Die Rede ist von der Produktivitätsmethode Getting Things Done (GTD) von David Allen. Insbesondere im Wechselspiel zwischen BarCamp-Sessions zu GTD und einer bereits lebendigen Webszene rund um neue und alte Möglichkeiten das eigene Privat- und Arbeitsleben in der Work-Life-Balance einzupendeln, nahm Allens GTD-Methode 2007 eine beispiellose Karriere.

Bereits 2006 hatte dieser Spiegel-Artikel dem größten Feind der Produktivität massenwirksam einen Namen gegeben: Prokrastinieren. Wobei es keine Spiegel-Erfindung ist, sondern der Fachbegriff dafür, was bisher nur als Aufschieberitis bekannt war.

Mit entsprechenden Online- und Offlinetools zur Produktivitätsoptimierung sagen die GTD-Jünger dem Aufschiebevirus den Kampf an. So manch einer manövriert sich dabei aber durch zu viel Perfektionismus ungebremst vom Regen in die Traufe. Denn wer sich nur noch mit der optimalen Organisation des Sich-Selbst-Organisierens beschäftigt, landet in einem noch fieseren Aufschiebeteufelskreis, den die Szene warnend Productivity Porn nennt.

Web Applikationen

Nicht nur im Zusammenhang mit Getting Things Done haben webbasierte Applikationen im Jahr 2007 weiter an Fahrt aufgenommen. Vernetzte und standortunabhängige Zusammenarbeit nimmt inzwischen in vielen Arbeitsfeldern eine zentrale Rolle ein. Mancherorts wird durch die Zunahme bei den webbasierten Officeanwendungen und alternativen Kommunikationswegen schon der Abgesang auf die E-Mail angestimmt.

Zu den Rennern unter den Web-Applikationen gehörten 2007 neben GTD-Sites wie rememberthemilk.com, insbesondere personalisierbare Startseiten wie Netvibes und Pageflakes. Auch im Web-Office-Bereich hat sich einiges bewegt. Neben Zoho hat sich auch das Online-Officepaket Google Docs einen Namen gemacht. Weitere Top-Web-Applikationen aus dem Jahr 2007 haben Mashable und ReadWriteWeb zusammengetragen.

Percanat

Wie schnell sich kleine Insiderwitze zu einem regelrechten Onlinegewitter auswachsen können, zeigt der Kunstbegriff Percanat, der sich innerhalb weniger Tage von Twitter aus in die deutsche Blogosphäre verbreitet hat: Zum Jahresausklang wünsche ich allen Lesern zum Schluss noch das Beste für 2008 und vor allem viel Percanat.

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Steffen Büffel

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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