Das Jahr 2015 in Wissenschaft und Technik

Dieses Jahr kam und ging fast so schnell, wie die New Horizons-Raumsonde der NASA am weit entfernten Zwergplaneten Pluto vorbeischwirrte. Dennoch hat es New Horizons geschafft, vieles aus seinem Vorbeiflug herauszuholen und damit verblüffende Bilder von Pluto zu enthüllen, die zeigen, dass er weit davon entfernt ist, eine stille eisige Welt zu sein.

Ihre Mission ist noch nicht zu Ende: New Horizons wird nun weit in die Außenbereiche des Sonnensystems vordringen, dabei die Ausdehnung des Kuipergürtels sondieren und über diese uralte und bisher unerforschte Region des Weltraums Aufschluss geben.

Einer der wissenschaftlich fundiertesten Filme, der zugleich eine tiefe Verbeugung vor dieser Disziplin darstellt, die Hollywood in letzter Zeit produziert hat, hat darüber hinaus das Planetenfieber angeheizt: Der Marsianer – Rettet Mark Watney”.

Das Auge des Himmels

Wo wir gerade von Weltraum sprechen: Dieses Jahr markierte den 25. Geburtstag des Hubble-Weltraumteleskops, das sich zu einem der beliebtesten und erfolgreichsten wissenschaftlichen Projekte der Geschichte gemausert hat. Neben seinen Entdeckungserfolgen hat Hubble auch eine verblüffende Zahl an wundervollen Bildern des Universums hervorgebracht. Am besten ist es, wenn diese Bilder sowohl wunderschön als auch hochinformativ sind.

Und á propos Jubiläen: Vor hundert Jahren veränderte Albert Einstein das Antlitz der Physik, indem er seine allgemeine Relativitätstheorie veröffentlichte. Man kann die Bedeutung dieser Enthüllung über das Wesen von Raum und Zeit kaum genug wertschätzen.

Es ist ebenso schwer, zu ergründen, wie ein Mann in der Lage war, sich eine Theorie von solch atemberaubender Genauigkeit und tiefgründiger Schönheit auszudenken.

Intelligente Batterien, Intelligentes Wohnen

Bodenständiger waren maßgebliche Entwicklungen in der Batterietechnologie. Obwohl wir vielleicht von Batterien nicht als glamouröse Vorreiter der Technologie denken, bilden sie das Fundament der Mobiltechnologie, an die wir uns gewöhnt haben, und sie können potenziell auch die Art, wie wir Energie generieren, speichern und konsumieren, umgestalten.

Jedenfalls ist es genau das, worauf der CEO von Tesla Motors, Elon Musk, mit der Ankündigung einer unternehmenseigenen Batterie für Privathaushalte namens Powerwall setzt.

Eine weitere Technologie, die verspricht (oder droht, je nach Blickwinkel) die Welt zu verändern, ist Künstliche Intelligenz (KI), Robotik und Automatisierung im Allgemeinen.

Die erste Phase wird wahrscheinlich mit selbstfahrenden Fahrzeugen durchexerziert werden, die nicht nur sicherer und effizienter als die von haarlosen Primaten gefahrenen sein werden, sondern auch die Art und Weise verändern, wie wir über Dinge wie den Besitz eines PKWs denken.

Aber was wird dann aus den Menschen, die ihren Lebensunterhalt mit dem Autofahren verdienen? Wie viele andere verlieren sie möglicherweise ihre Arbeit an die wachsende Automatisierung. Wir müssen wohl neue Arbeitsstellen infolge der Roboterinvasion schaffen, aber selbst das ist vielleicht nicht genug.

Noch bedrohlicher ist die Aussicht auf tödliche autonome Waffensysteme, umgangssprachlich Kampfroboter” genannt. Es gibt bereits defensive Waffensysteme, die autonom agieren können, aber in diesem Jahr gab es eine Forderung von vielen führenden KI- und Robotik-Forschern, autonome Angriffswaffen zu verbieten.

Digitale Landschaften

Das bedeutet nicht, dass wir nicht ohnehin schon Herausforderungen in der digitalen Welt gegenüberstehen. Die Internetkriminalität ist immer noch eine Plage, die im Lauf des Jahres immer professioneller und geschäftsmäßiger wurde. Hacker haben eine wachsende Auswahl an Werkzeugen zur Verfügung, um Ihre Identität zu stehlen, Sie zu erpressen, Ihre Informationen zu stehlen oder auch in Firmen und Regierung einzudringen. Sie sich können sogar im Deep Web verstecken.

Schlussendlich gibt es vielleicht kein einfaches technologisches Allheilmittel, außer dass wir alle wachsam sein müssen. Dennoch bringt dies denjenigen wenig Trost, die beim Hack auf die Dating-Website Ashley Madison bloßgestellt wurden. Sie dürfen aber nicht alles glauben, was Sie hören. Das gilt insbesondere, wenn es zu gut klingt, um wahr zu sein, wie etwa, dass Schokolade essen beim Abnehmen hilft. Oder dass der Klimawandel nicht wirklich existiert.

Es gibt aber Dinge, die man tun kann, um sich vor Pseudowissenschaft und Quacksalberei zu schützen – oder sich sozusagen zu impfen. Es gibt ein paar Techniken, die Sie anwenden können, um die Pseudowissenschaftler zu entlarven, wenn Sie in eine solche Situation geraten.

Die Zukunft ist da

2015 war ein Jahr der Meilensteine und Erfolge für Wissenschaft und Technik, wenn auch durchsetzt von ein paar Warnmeldungen. Wir befinden uns jetzt in der Mitte des zweiten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts, und es fängt an, sich anzufühlen, als lebten wir wirklich in der Zukunft – wenn auch vielleicht nicht der Zukunft, die sich viele im 20. Jahrhundert vorgestellt haben.

Mit einem neuen Tatendrang zu Innovation, einer größeren Wertschätzung der Stellung der Wissenschaft und dem Aufkommen von (gewagt formuliert) Technologien, die einen Paradigmenwechsel hervorrufen – wie etwa die der Automatisierung und künstliche Intelligenz, fühlen wir die nachklingenden Spuren des 20. Jahrhunderts weiter in die Vergangenheit rücken, während 2016 den Staffelstab übernimmt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation”unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image Encounter” by Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute (CCo Public Domain)


 

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Tim Dean

Tim Dean

ist Doktor der Philosophie und Redakteur im Wissenschafts- und Technikressort von The Conversation.

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