ISPRAT: Deutschland braucht Digitale Räume

Der Förderverein für „Interdisziplinäre Studien zu Politik, Recht, Administration und Technologie“ (ISPRAT ) skizziert in einem Whitepaper die Notwendigkeit „digitaler Räume“ für Deutschland. Die digitale Revolution und die fortschreitende Urbanisierung werden zu prägenden Bestimmungsfaktoren für den Wohlstand von Industrienationen. Die Informationstechnik wird dabei laut dem ISPRAT-Whitepaper einen großen Einfluss auf Städte und geografische Räume im Allgemeinen haben. Als neue Infrastruktur durchzieht sie die moderne urbane Lebenswelt und wird diese deutlich verändern. Urbane Räume bilden den Nährboden, in dem sich IT gut entwickeln kann. Dort ist der Bedarf für IT‐Lösungen vorhanden und es herrscht ein gesellschaftliches Umfeld, in dem sich Innovatoren wohl fühlen.

Die Chancen Digitaler Räume bestehen für Städte nicht nur in höherer technischer Effizienz. Das Lebensumfeld der Bewohner wird sich deutlich verändern und ihre Beziehungen zu öffentlichen Institutionen wandeln. ISPRAT‐Vorstandsvorsitzender Matthias Kammer: „Wir glauben, die Informationstechnik kann einen wesentlichen Beitrag leisten, damit Verdichtung und wachsende Komplexität der Infrastrukturen nicht im Widerspruch zu hoher Lebensqualität und größerer Nachhaltigkeit stehen.“ Mit zahlreichen nationalen und internationalen Beispielen illustriert das Whitepaper den Begriff und die Bedeutung „Digitaler Räume“.

Diese Beispiele bilden die Grundlage für erste Thesen zur Stadtentwicklung in der digitalen Welt:

  • Digitale Räume haben individuelle Geschichten, aber vergleichbare funktionale und sektorspezifische Handlungsfelder: Jeder urbane Raum hat seine individuelle Historie und seine eigenen Schwerpunkte, es gibt keine universelle Blaupause. Allerdings gibt es in jedem Digitalen Raum vergleichbare funktionale und sektorspezifische Handlungsfelder. Hier können die Vertreter Digitaler Räume im Austausch voneinander lernen.
  • Kulturwandel ist notwendig: Neue Formen der Zusammenarbeit müssen zwischen den Akteuren etabliert werden. Eine verbesserte Zusammenarbeit der Öffentlichen Verwaltung und der Zivilgesellschaft ermöglicht die Erschließung neuer, bisher ungenutzter Ressourcen und Realisierung von Synergieeffekten.
  • Daten als Rohstoff des 21. Jahrhunderts: Ein großer Nutzen liegt in der Realisierung von Mehrwerten von Daten, die die Öffentliche Verwaltung und einige Wirtschaftsunternehmen besitzen. Daten sind der Rohstoff, der – zu Informationen veredelt – in den Hybriden der Digitalen Räume den Gegenpart zu materiellen Strukturen darstellt.
  • Möglichkeit verschiedene Unterstützungs‐ und Steuerungsmodelle: Zwei Governance‐Modelle und damit zwei verschiedene Rollen für die Öffentliche Verwaltung sind möglich: (a) dezentral als „Enabler“ i.S. einer Unterstützung von Netzwerken verschiedener Akteure und (b) zentral als Treiber, wie dies im Modell von New York City realisiert worden ist. In Deutschland wird durchgängig das dezentrale Modell verfolgt. Einzelthemen Digitaler Räume sind in Deutschland bereits Thema des politischen Top‐Managements, nicht aber übergreifende Programme.
  • Leistungsfähige digitale Infrastrukturen: Digitale Räume erfordern leistungsfähige Infrastrukturen, z.B. für Kommunikation im mobilen Bereich. Teilweise hohe Kosten für Netzwerkzugang über das Mobiltelefonnetz können durch Bereitstellung von WLAN‐Zugängen vermieden werden. Sichere Cloud‐Lösungen können zu einer niedrigen Eintrittsschwelle für IT‐Leistungen führen.
  • Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements: Richtig eingesetzt können die Instrumente Digitaler Räume zu einer Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements führen. Beispiele sind Bürgerhaushalte, Initiativen zum digitalen Ehrenamt und stärkeres Engagement aufgrund größerer Transparenz durch Informationsfreiheits‐ und Transparenzgesetze. Es entstehen neue Diskurse. IT Unterstützung der Bürgerbeteiligung führt zu größerer Geschwindigkeit und größerer Transparenz, aber es stellt sich auch die Frage für die Anknüpfungspunkte des virtuellen Raums mit dem physischen Raum. Instrumente zur Bürgerbeteiligung über das Internet können für gewählte Vertreter in politischen Gremien keinen bindenden Charakter haben.

Das Whitepaper „Digitale Räume – Stadtentwicklung in der digitalen Welt“ kann hier heruntergeladen werden.


Image (adapted) „Shanghai“ jo.sau (CC BY 2.0)


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