Interview mit Robert Basic

Interview mit Robert Basic zum Verkauf des twitter-accounts @RobGreen und seinem Projekt buzzriders.

Hallo Robert, F: Deine Idee, den twitter-account @RobGreen zu verkaufen, stößt nicht auf ungeteilte Freude oder gar Respekt. Auch Hohn und Spott dürftest Du einkalkuiert haben. Hast Du nicht Angst, Reichweite auf Kosten der Glaubwürdigkeit einzukaufen?
A: Nicht einmal ein bisschen. Das hat ganz einfach zwei Gründe. Erstens, ich stelle mich hin und sage, dass Twitter im Wesentlichen ein Informationskanal ist. Nebst seiner Rolle als sozialer Kuschelkanal, der es für einige ebenso sein mag. Wer in @robgreen außerhalb meines Bekannten- und Freundeskreises etwas anderes als einen Infokanal gesehen hat, war auf dem falschen Dampfer. RobGreen bin ich für meine Follower, Infos waren und sind die Währung, Robert Basic bin ich für meine Freunde und Bekannten und das sind nicht 5.000. Demnach verkaufe ich einen gut ausgebauten – für deutsche Verhältnisse – Informationskanal. Keinen Freundeskanal. Ehrlich und straight, ohne blabla.
Zweitens: Wer sich Gedanken ob dem Ausverkauf von Followern machen will – so wie in meinem Fall – sieht Twitter auf seine eigene Art und schaut sehr kurz. Twitter selbst ist nicht wegen Freundschaft finanziert, und Google noch sonst jemand wird deswegen Unsummen eines Tages hinblättern. Darüber mache ich mir wenig Sorgen, es ist Business. Follower und User selbst sind deren Business. Daher sei mir ein Schmunzeln ob der Frage nach der Glaubwürdigkeit erlaubt, da ich offen und transparent agiere.

F: Kann buzzriders jetzt schon die publicity gebrauchen? Steigt nicht der innere und äußere Druck durch solche Aktionen, da durch das Publizieren des Namens auch eine Erwartungshaltung erzeugt wird, die Helfer, Dienstleister und zuletzt auch Dich an zügige Ergebnisse bindet?
A: Druck war nie schlecht, übermäßige Erwartungen mögen zwar aufkommen, doch das Projekt habe ich für mich von Beginn an für fünf Jahre ausgelegt, bis es da steht, wo es vom Ziel her stehen soll. Ein großes Vorhaben, von dem ich mich nicht abbringen lasse. Nach fünf Jahren ist für mich persönlich Schluss, dann packe ich meine Sachen. Also 2014.

F: Du nutzt Don Tapscotts Bestseller wikinomics als Blueprint für die Organisation des Projekts. Dort vertritt der Kanadier einige Thesen über das Wirtschaften der Zukunft

  • freiwillige Zusammenarbeit
  • Offenheit
  • eine Kultur des Teilens
  • globales Handeln

Hast Du nicht den Eindruck, dass der kalkuliert publikumswirksame Auftritt diese Thesen konterkariert?
A: Aufmerksamkeit und Interesse wecken, ist unendlich schwer in einer Gesellschaft, die förmlich zugeballert wird mit Mehr und Höher und Weiter. Ich finde, wir machen es mit Buzzriders dahingehend sehr bescheiden, sehr realistisch und übertreiben nicht. So auch dieses Angebot, meinen Account zu verkaufen, das ohne viel Trara sachlich und sehr analytisch im Angebotstext beschrieben wird. Trara machen diejenigen daraus, die Jehova hören und mitschreien.

F: Wie sind eigentlich deine praktischen Erfahrungen mit diesem theoretischen Gerüst von Tapscott? Kannst Du sie bestätigen, oder zeigen sich in deinem Projekt andere Tendenzen?
A: In vielen Bereichen – eigentlich wie bei allen Dingen – entspricht es weder dem einen noch dem anderen Extrem („es geht wunderbar“ bis „es geht gar nicht“ so nach Wikinomics). Eine große Rolle spielt das Soziale, das Zwischenmenschliche. Ebenso im organisatorischen Umfeld: ohne Leitung geht es nicht, mit völligem Loslassen überhaupt nicht. Was aber festzustellen ist, dass man durchaus Menschen mit einer Vision begeistern kann, sich einzubringen. So schwer es auch fällt, außerhalb einer Unternehmensorganisation das Ganze organisatorisch dann effizient zu managen. Denn, die Mitwirkenden können mal mitarbeiten, mal nicht. Im Gegensatz zu Angestellten. Aber das war mir von vornherein bewusst, dass ich und wir alle extrem viel zu lernen haben werden, Fehler machen werden, doch wenn man sich fokussiert und nicht vom Ziel ablässt, wird auch das gelingen.

F: Was wäre dein Tip für jemanden, der heute ein Webprojekt zusammen mit der Net Generation durchziehen will? Barcamps bis zum Umfallen und dann das übrig behalten, was massenkompatibel erscheint?
A: Die Idee, sehr früh vor Ort gemeinsam an einer Idee Dritte mitmachen zu lassen, kann ich jedem nur empfehlen. Und ein wichtiger Rat: Egal, welche Struktur man sich gibt, eine muss her. Ohne geht es nicht. Es organisiert sich nicht von alleine. Sei es das Sammeln von Ideen, explizit, das Verteilen, Aufgreifen, weiterdenken, wieder treffen.

Jörg Wittkewitz

Jörg Wittkewitz

  ist seit 1999 als Freier Autor und Freier Journalist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. (Redaktionsleiter Netzpiloten.de von 2009 bis 2012)

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