Interview mit Guido Steinke von der VERBRAUCHER INITIATIVE e.V.

Wie schult man Internet Tutoren? – Der sympathische Guido Steinke beantwortet uns ein paar Fragen zu seinem Programm „Internet Tutoren qualifizieren“


1.Wir kennen dich seit vielen Jahren als engagierten Bürgernetzwerker. Du arbeitest inzwischen hauptsächlich in der Welt von Senioren-PC-Klubs, Internetpaten und PC-Tutoren. Da immer mehr wichtige Alltagsanwendungen (Banking, Einkaufen, News…) exklusiv ins Digitale wandern, sollten tunlichst schon jetzt alle Senioren im Netz sein, oder?

Guido Steinke-klOb man im Internet ist, entscheidet bald nicht mehr der Nutzer, sondern der Kühlschrank-, Tablet- oder Autohersteller. Aber Scherz beiseite: Jeder sollte wissen, wozu das Internet gut sein kann, wo es einem das Leben leichter macht, Kosten und Wege erspart und die Kommunikation erleichtert. Dies wird mit zunehmendem Alter immer wichtiger. Daher engagiere ich mich seit über 10 Jahre für den bewussten und sicheren Umgang mit dem Internet.

In den letzten fünf Jahren lag dabei der Schwerpunkt bei älteren Nutzern oder generell denjenigen, die keine „digital natives“ sind. Sie sollen bei e-commerce, e-government, m-commerce und anderen neuen Entwicklungen nicht abgehängt werden. Die gleichen Ziele verfolgt seit vier Jahren die VERBRAUCHER INITIATIVE mit Studien (z.B. zum mobilen Einkaufen) oder Verbraucherkonferenzen 60plus zum Thema „Sicher im Internet“.

2.Es gibt in Deutschland überall verstreut meist recht  kleinteilige und lokale ehrenamtliche Hilfe zur Steigerung der Teilnahme älterer Erwachsener am Internet. Eure Initiative soll die Qualität der Vermittlung verbessern. Was müssen Internet –Tutoren können?

Auf den Verbraucherkonferenzen hat sich gezeigt, dass ein großer Bedarf an Fragen und Antworten besteht, zu allen möglichen Themen rund ums Internet. In den drei Themenstunden der Konferenzen kann man schon einiges ansprechen. Bei bis zu 150 Teilnehmern kommt aber nicht jeder zum Zuge. Daher werden auch viele Fragen von den lokalen PC-Klubs und Senioren-Internet-Treffs aufgefangen.

Für deren meist ehrenamtliche Ansprechpartner wollten wir ein besonderes Angebot schaffen: Internet-Tutoren-Schulungen mit Hilfe von Online-Themen-Stammtischen.

Das Verfahren ist recht einfach: Wir wählten sechs Themen aus und organisierten dann Fragestunden mit Experten über Skype-Gruppentelefonie oder Google-Hangout. Die Stammtischteilnehmer schickten dabei vorab ihre Fragen an den Moderator (an mich;-), der sie an den Experten weiter leitete, damit dieser sich vorbereiten konnte. Dann wurde über doodle ein Termin bestimmt und man traf sich online für eine Stunde. Es war erstaunlich, wie viel Wissen in mancher Gruppe schon vorhanden war. Der Experte musste oft nur die Ergebnisse bestätigen, die die Teilnehmer selber erarbeitet hatten.

Die Antworten wurden in einem Blog gesammelt , so dass jeder die Tipps auch nachlesen kann, und natürlich auch nachfragen. Ein sehr individuelles und effizientes Verfahren der Weiterbildung Ehrenamtlicher, meines Wissens nach einmalig in Deutschland.

3.Was sind die Top-Themen, die seitens der älteren Erwachsenen angefragt werden?

Bei unseren Stammtischen waren die Themen „Sicherheit und Datenschutz“ sowie „Einkaufen im Internet“ sehr gefragt, aber auch Themen wie Gesundheit oder Geldanlage wurden gut angenommen – auch wenn sie sich eher  für Einzelberatungen eignen. Generelle Tipps wurden gerne gehört. „Hypethemen“ wie soziale Netzwerke fanden passiven Anklang: Man wollte wissen, wo die Enkel sich im Netz so herumtreiben – und warum!

4.Interessieren und beteiligen sich die Senioren auch aktiv an der Weiterentwicklung von digitalen Angeboten?

Sie werden leider noch zu wenig bei der direkten Produktentwicklung einbezogen – beeinflussen aber durch ihr Kauf- und Nutzungsverhalten schon die Entwicklung, (hoffe ich;-). Tablets sind der Renner und das iPhone erlebt seinen zweiten und dritten Frühling als nutzerfreundliches Smartphone, ohne das Image eines Seniorentelefons zu haben. Da ist der Schritt zu den „apps“ nicht weit. Inwiefern aber die Entwickler von „apps“ auf die Interessen und die Erfahrungen älterer Menschen eingehen, entzieht sich meiner Kenntnis.

5.Uns gefällt in den USA die Firma „It´s never 2 late“ , die seit 1999 mit Hardware, Software und Schulungen älteren Menschen (mit etwas Pathos im Untertitel:) „dignity through technology“ geben will. Kennst du eine vergleichbare Firma in Deutschland? Sollten wir nicht so etwas gemeinsam gründen?

Ähnliche Angebote gibt es in Deutschland bereits wie Smartkom oder Vitaeweb. Dies werden wohl eher Nischenprodukte bleiben. Was ich mir wünsche, ist, dass die großen Player ihre Produkte nutzer- und verbraucherfreundlicher gestalten. Mit der Einführung der „apps“ und der Sprachsteuerung wurden da gute Wege eingeschlagen. Ältere Menschen würden auch Facebook oder Google+ nutzen, wenn sie sich nicht erst durch 127 (gefühlte) Sicherheitseinstellungen klicken müssten für ihre Wunschkonfiguration – und das dann alle zwei Wochen neu, da sich die Konditionen wieder geändert haben! Da könnte eine kleine, aufstrebende Firma ansetzen: Ich nehme eine schicke Standardlösung und bereite sie nutzer- und verbraucherfreundlich auf, am besten im Einvernehmen mit dem Systemhersteller – und dem feedback der älteren Nutzer!


Guido Steinke: Rechtsanwalt und Fachreferent 60+ bei der VERBRAUCHER INITIATIVE e. V. (Bundesverband)

Kontakt: Tel.: 030/53 60 73 3, E-Mail: guido.steinke@verbraucher.org

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Wolfgang Macht

Wolfgang Macht

ist Gründer und Vorstand der Netzpiloten und zählt zu den Pionieren der deutschen Internet-Macher. Er hat den Internet Boom seit 1995 mit allen Höhen und Tiefen erlebt. Die Plattform www.netzpiloten.de begleitet die digitale Revolution erst als virtueller Reiseführer für Netz-Neulinge (Webtouren) und heute als smartes Autoren-Magazin aus der Mitte der Digital-Szene.

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