Interview mit Andreas Gebhard zur a2n

andreasIm September wird die erste a2n stattfinden. a2n steht für „all together now“. Ins Leben gerufen wurde die a2n von Andreas Gebhard. Andreas ist Gründer und Geschäftsführer von newthinking communications, Mitbegründer und Organisator der re:publica. Im Interview beschreibt er, wie die Idee zur a2n zustandegekommen ist und wie sich die Musikbranche insgesamt und die Musikszene in Berlin gerade verändert

Blogpiloten: Wie bist Du auf die Idee zur all2gethernow gekommen? Hängt dies mit der Absage der Popkomm zusammen?

Andreas Gebhard: Ja, das hängt eng mit der Absage der Popkomm zusammen. Die Absage wurde ja damit begründet, dass das Internet für die Schwierigkeiten in der Musikbranche verantwortlich sei. Mich haben zwei Dinge daran geärgert. Zum einen, dass es so kurzfristig gemacht worden ist.

Wenn man sich mit der Organisation solcher Veranstaltungen auseinandergesetzt hat, wird klar, dass die Absage schon ganz früh hätte passieren müssen. Die Leute haben natürlich ihre Veranstaltungen für die Popkomm schon vorbereitet. Auf der anderen Seite wird schon wieder ein Argument nach vorn gestellt, welches vor 6 oder 7 Jahren vielleicht noch jemanden hinter dem Ofen hervor gelockt hätte. 2009 ist das einfach nicht mehr zeitgemäß. Nach der Absage habe ich mich zügig mit Leuten, die ich aus diesem Umfeld kenne, in Verbindung gesetzt. Wir haben uns getroffen und innerhalb von drei oder vier Tagen dieses Projekt auf die Beine gestellt.

Was will die a2n anders machen? Stellt sie ein Gegenkonzept zur Popkomm dar?

Grundsätzlich ist die a2n offen für jedermann. Das behauptet die Popkomm auch von sich, aber wir setzen da auch am Preis an. Die a2n richtet sich eindeutig an Teilnehmer auf Augenhöhe. Wir werden keine monströsen Messestände mit Cocktailparties und Messehostessen haben, sondern jeder Teilnehmer ist auch tatsächlich aufgerufen, sich einzubringen.

Wir haben drei Bereiche in denen wir arbeiten, vom 16. September – 18. September. An den ersten beiden Tagen (16. und 17. September) findet ein #camp statt, ein Barcamp. Wir haben das aber extra #camp genannt, weil es in der Musikbranche noch ein ziemlich neuer Begriff ist. Dort soll in Diskussionsrunden und Foren, also in einen etwas abgewandelten Format, wie bei einem normalen Barcamp, sehr offen über Fragestellungen des Musikbusiness 2.0 diskutiert werden. Da kann dann jeder mitmachen, jeder vorbeikommen. Wir haben auch schon die Location ausgesucht.

Es wird die Münze Berlin sein, direkt am Alexanderplatz gelegen, wo wir ganz viel Raum und Fläche haben um uns da zwei Tage auszutoben. Beim zweiten Bereich drehen wir das etwas um. Eben war es eher Grasroots. Jetzt eher Top–down. Dazu wird es am Freitag im Radialsystem die #conference geben – die all2gethernow-conference. In kurzen Sessions sollen aktuelle Best–Practice–Beispiele vorgestellt werden. Ebenso wird es wieder mehrere Diskussionsrunden geben. Der Fokus liegt darauf, eine schnelle und gebündelte Informationseingabe zu gewährleisten. Das wird auch unter internationaler Beteiligung stattfinden.

Wir werden internationale Gäste haben, sowie Videochats mit ins Programm einbinden. Bei so kurzen Sessions ist dies ja auch sehr gut möglich. Abgerundet oder umspannt wird das ganze von der #cloud. Die #cloud umfasst das dezentrale Festival in der ganzen Stadt. Da kümmern sich die Betreiber der Locations, die Booker und die Labels selbst. Über 100 Veranstaltungen stehen jetzt schon fest, die an diesen Tagen stattfinden werden. Da wird es ein richtig schönes Lineup geben und richtig umfangreiches und gutes Booking, von elektronischer Musik über Jazz, Klassik bis hin zu Indie, Metal etc. Eröffnet wird die a2n im Kesselhaus am 15. September mit einer großen Party, die wir zusammen mit der Berlin Music Commission und der Senatsverwaltung für Wirtschaft und Technologie durchführen.

Welche Majorlabels sind mit dabei?

Wie gesagt, es ist eindeutig darauf gemünzt, dass alle die Interesse haben auch an der a2n teilnehmen können. Wir haben keine Messestände in dem Sinne. Von daher sind Labels als Teilnehmer willkommen. Es haben sich auch schon einige am Programm beteiligt. Es geht genau darum eine Mischung zu bekommen von Fans bis zum Manager. Da müssen sich natürlich die Manager mehr am Riemen reißen und die veränderten Rahmenbedingungen anerkennen als die Fans. Aber da müssen sie durch. Wir laden jeden ein, die Scheu davor zu verlieren und an solchen Formaten teilzunehmen.

Wird es eine Initialzündung sein, diese Veränderungen in die Musikindustrie hineinzutragen?

Wir haben mit dem programmatischen Titel a2n gesagt, wir wollen zusammen daran arbeiten dies zu verbessern. Die Popkomm hatte ja das Problem, dass sie es nicht geschafft hat, z.B. die weltberühmte Berliner elektronische Clubmusikszene mit ins Boot zu holen. Wir arbeiten sehr eng mit dem ebenfalls stattfindenden Festival BerMuDa zusammen, wo 20 Clubs dabei sind, die mit einem richtig tollen Lineup aufwarten.

Es passiert durch den Impuls der Absage, auch unabhängig von der a2n, in Berlin enorm viel. Alles wird neu positioniert, die Leute finden sich neu zusammen. Wenn man jetzt einen gute und kooperative Zusammenarbeit hinbekommt, hat das natürlich Auswirkungen auch für die Zukunft. Ich bin fest davon überzeugt, das sich da einiges ändern wird.

Was sagt denn Dieter Gorny zur a2n?

Das weiß ich gar nicht. Aber die Türen stehen für ihn selbstverständlich offen. Wir haben unterschiedliche Gespräche geführt, auch mit der Popkomm. Es kann ja noch soviel passieren. Wenn man sich den Fahrplan anschaut, dann hat ja gerade die zweite Hälfte der Vorbereitungsphase angefangen. Wir haben einen Webauftritt entwickelt.

Dies und vieles mehr musste ja auch erstmal aufgebaut werden. Das fällt ja nicht vom Himmel. Wir haben dazu einen Verein gegründet. Was in den nächsten Tagen hin zur a2n passieren wird? Nun, da ist noch einiges an Luft.

Welche Künstler haben schon zugesagt?

De La Soul oder die Leipziger Newcomer Noise/Punk–Band Safi werden beispielsweise dabei sein. Die ganz großen Namen waren ja auch bei der Popkomm nicht dabei, wenn man so zurückdenkt. Wir laden nicht für großes Geld irgendwelche Künstler ein, sondern wir sagen: die Türen sind offen, kommt vorbei. Wir sammeln auch Videobotschaften, von Musikern, von denen wir wissen, dass sie es nicht schaffen werden, so kurzfristig nach Berlin zu kommen.

Aber wir denken auch mittelfristig. Für nächstes Jahr bzw. übernächstes Jahr. Wir sind an einer weiteren Zusammenarbeit mit allen Playern interessiert. Das läuft im Moment ganz gut. Was dann an größeren Artists kommen wird, das wird man sehen. Wir laden alle Interessierten ein sich unter http://a-2-n.de zu registrieren und an der all2gethernow teilzunehmen.

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Doreen Butze

Doreen Butze

studierte Soziologie, Psychologie und Betriebswirtschaft an der TU-Chemnitz. Sie ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Social Media. Privat bloggt Doreen unter http://www.finsblog.de über alles Mögliche und Unmögliche.

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