Wie nutzen Menschen mit Behinderung das Internet?

Wie nutzt ein Mensch ohne Hände das Internet? Oder ein vollständig Gelähmter? Die Bandbreite der Hilfsmittel ist so vielfältig wie die verschiedenen Grade der körperlichen Behinderungen. Wichtig ist, dass die Webseiten für alle Mittel ausgerichtet sind. In Deutschland gibt es zirka sieben Millionen Menschen mit einer Behinderung – ob durch Unfall, Erkrankung oder genetischen Defekt. Sie sind es, die vom Internet am meisten profitieren: Umfragen zufolge nutzen Menschen mit Behinderung das Internet häufiger als Menschen ohne Beeinträchtigung. So haben sie leichteren Zugang zum sozialen und kulturellen Leben.

Die Bandbreite an Hilfsmitteln ist groß

Menschen mit körperlicher Behinderung sind nicht automatisch auf Hilfsmittel angewiesen. Ein Mensch im Rollstuhl kann das Internet wie jeder andere bedienen. Anders ist es bei motorischen Einschränkungen, die die Hände betreffen. Viele Krankheiten können dieses Problem auslösen: Parkinson beispielsweise, Multiple Sklerose, spastische Lähmung oder Arthritis. Aber auch Unfälle können zu einer Lähmung führen. Der Betroffene kann seine Hände dann nur noch wenig oder gar nicht mehr bewegen und braucht daher Alternativen zur Navigation.

Systematisch betrachtet sind viele Webseiten auf Mausbedienung ausgelegt„, sagt Dr. Christian Radek von der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe. Die klassische Computermaus ist in einigen Fällen ersetzbar durch eine Kopfmaus oder eine Kameramaus. „Der Mausklick wird dann durch längeres Verweilen auf einer bestimmten Funktion ausgelöst„, sagt Radek.

Für einige Betroffene kommen diese Optionen allerdings nicht in Frage. Sie müssen dann versuchen, über die Tastatur zu navigieren. Auch hier gibt es einige Alternativen, speziell nach Grad der Behinderung: Bei der Einhandtastatur beispielsweise können Größe und Anordnung der Tasten auf die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden.

Dann gibt es Klein- oder Minitastaturen für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit sowie Großtastaturen für Menschen mit unpräzisen Bewegungen. Ergänzend dazu gibt es Handballenauflagen, Abdeckplatten mit Fingerführraster oder Magnetstäbchen. Das ist vor allem für Menschen mit fortgeschrittener Muskelerkrankung hilfreich.

Die Seiteninhalte sind oft nicht kompatibel

Im Idealfall lässt sich durch die verschiedenen Tastaturangebote die Maus gut ersetzen – dafür müssen die gleichen Rückmeldungen wie bei der Maus gegeben sein. In der Realität ist das allerdings nicht immer der Fall: „Webseiten sind oft so gestrickt, dass die Mausbedienung im Vordergrund steht und eine Tastaturbedienung nur sehr eingeschränkt möglich ist„, sagt Radek. Daher müssen Webanbieter darauf achten, ihre Seiten so zu bauen, dass sie problemlos mit jedem Eingabegerät bedienbar sind.

Das setzt voraus, dass Webseiten regelkonform erstellt werden: Die Webseite ist mit Hilfe von Überschriften gegliedert, Überschriften sind als solche ausgezeichnet und nicht einfach nur fetter Text, die Information darüber wo man sich gerade befindet wird kontrastreich wiedergegeben„, sagt Radek. Das sei vor allem bei Formularfeldern noch schwierig.

Die Barrierefreiheit ist also noch nicht überall gesichert. Eine Umfrage zeigt, dass mehr als 50 Prozent der Angebote ungenügend sind und nicht mit allen Hilfsmitteln kompatibel. Das betrifft vor allem die Abrufbarkeit einiger Inhalte, schlechte Lesbarkeit und die Navigation.


Image (adapted) „Lisboa 2013“ by Andreas Kollmorgen (CC BY 2.0)


 

Schlagwörter: , , , , ,
Anna-Maria Landgraf

Anna-Maria Landgraf

studiert Philosophie und Politikwissenschaft im Master und hat während ihres Journalistik-Bachelors Erfahrungen im Print-, Online- und TV-Bereich gesammelt. Seit Juni 2014 schreibt sie für die Netzpiloten vor allem über Medien und Gesellschaft.

More Posts - Twitter