Daniel SchumacherInternationale Aktivismus-Konferenz: “Energize, Polarize, Mobilize!“

Der Aktivist von heute muss viele Fähigkeiten besitzen: Organisationstalent, Ideenreichtum, Rechtsverständnis und Netzaffinität. Zu diesem Schluss konnte kommen, wer bei der internationalen Konferenz „Energize, Polarize, Mobilize!“ der Heinrich-Böll-Stiftung am vergangenen Freitag war. Hauptsächlich ging es aber um politischen Aktivismus – online wie offline.

Mobilize (Bild: Stephan Roehl [CC BY-SA 3.0], via Flickr

Protest kann sehr einfach sein: Plakate sind schnell gemalt, eine kurze Einladung über Facebook verschickt und dann ab auf die Straße. Könnte man meinen, aber die Realität sieht anders aus. Wie an Online-Protestbewegungen à la “Wir wollen Guttenberg zurück“ in der jüngsten Vergangenheit zu sehen war, steckt hinter einer Idee oft nicht viel mehr als eben diese Idee. Im Netz spricht man dabei vom sogenannten “Klicktivismus“ – politischer Aktivismus für Faulenzer.

Resultat der Guttenberg-Aktion waren zehntausende „Likes“ bei Facebook, jedoch gähnende Leere oder höhnisches Gelächter von Gegnern der Aktion bei Flashmobs und Demonstrationen. Wer mit dem Protest wirklich etwas erreichen will, muss mehr als nur eine Idee haben: nämlich die richtige Strategie, das Vorhaben umzusetzen – und das gilt für Online- genauso wie für Offline-Kampagnen.

Online oder offline, was funktioniert besser?

Auf der internationalen Workshop-Konferenz „Energize, Polarize, Mobilize!“, organisiert von der Grünen-nahen Heinrich Böll-Stiftung, drehte sich alles um politischen Aktivismus und die Frage, wie man ihn am besten einsetzen kann, um Menschen für eine Sache zu begeistern, zu polarisieren und zu mobilisieren. Kaum überraschend: Das Internet spielte bei der Veranstaltung eine zentrale Rolle. Wie Katarzyna Szymielewicz von der polnischen Panoptykon Foundation feststellte, hat das Internet zwei entscheidende Vorteile für die Organisation von Protest: „Es ist einfacher und kostengünstiger, dem Bürger sein Anliegen zu präsentieren.“ Allerdings sei es schwierig, Online- und Offline-Maßnahmen gut miteinander zu kombinieren, damit sie erfolgreich ineinander greifen. Man müsse unterschiedliche Strategien dafür entwickeln.

Dass Online-Protest alleine nicht ausreicht, um seine Ziele in der Politik oder in der Gesellschaft durchzusetzen – darin waren sich alle Teilnehmer der Konferenz einig. So wies die namibische Frauenrechtsaktivistin Sheena Magenya darauf hin, dass der Zugang zum Internet in Afrika noch immer Luxus sei, der nicht allen zur Verfügung stehe. Daher könne man das Internet nicht als Allzwecklösung einsetzen, um weltweit Protest zu organisieren. Und auch Ralf Fücks, Aktivisten-Urgestein und Vorstandsmitglied der Heinrich Böll-Stiftung, bekräftigte, dass Online-Aktivismus nicht als Placebo für reale Politik dienen dürfe. Allerdings habe die digitale Welt die Politik verändert – das betreffe die Form der Aktion ebenso wie die Art und Weise, mit der man Leute erreichen könne, so Fücks weiter.

Aktivisten aller Länder, vernetzt Euch!

Wir können also festhalten: Das Internet allein wird die Welt wohl nicht verändern. Doch entstehen durch das Medium ganz neue Chancen der Mobilisierung und Vernetzung. Man nehme das Beispiel ACTA: Durch das Teilen und die Weitergabe von Informationen baute sich im Netz ein riesiger Widerstand gegen das geplante EU-Handelsabkommen auf, der vor einem Jahr zu etlichen großen On- und Offline-Demonstrationen führte. „Ohne Internet wäre es nicht machbar gewesen, so viele Leute zu mobilisieren“, bestätigte Markus Beckedahl, Vorsitzender der Digitalen Gesellschaft. Ergebnis waren die Ablehnung von ACTA und ein Sieg für die Netzgemeinde.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Internationalisierung des Protests. Dadurch, dass Aktivisten sich via Internet weltweit vernetzen können, können sie zum Beispiel voneinander lernen, wie am besten mit Repression umzugehen ist. Jilian C. York von der Electronic Frontier Foundation plädierte in ihrer Keynote für noch mehr Zusammenarbeit der Aktivisten weltweit. Und auch Regierungen könnten von anderen Regierungen lernen, wie sie mit Protest umgehen können. Das war auch Ziel der Konferenz: Der Heinrich Böll-Stiftung ist es gelungen, Aktivisten aus allen Teilen der Welt zu vernetzen. Am Samstag und Sonntag konnten sich die neu geknüpften Verbindungen in Workshops weiter vertiefen und wer weiß, vielleicht entsteht ja die eine oder andere neue Bewegung daraus.


Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf Politik-Digital.de und steht unter unter der Creative Commons Lizenz “Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen” (CC BY-SA 3.0).


Fotos, Videos und Audio-Mitschnitte findet Ihr auf der Seite der Heinrich-Böll-Stiftung.


Image by Stephan Röhl/Heinrich-Böll-Stiftung (CC BY-SA 2.0)



Über den Autor / die Autorin
studiert Sozial- und Kommunikationswissenschaft (M.A.) an der Universität Koblenz-Landau. Während seines Studiums arbeitete er u.a. als Moderator beim freien Radio, als stellvertretender Vorsitzender eines politischen Vereins und als Praktikant für die Konrad-Adenauer-Stiftung in Korea. Sein besonderes Interesse gilt dem amerikanischen Online-Wahlkampf und der politischen Entwicklungen Asiens, worüber er auch seine Bachelorarbeit an der Universität Würzburg schrieb. Daniel Schumacher schreibt regelmäßig für Politik-Digital.de.

 

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