Wie man aussagekräftige Erzählungen auf Instagram schreibt

Ende Juni reiste ich mit der Photographin Lynsey Addario durch Sizilien. Wir arbeiteten an einer Geschichte über Migranten, die in Europa aus Afrika ankamen. Während einer Autofahrt über die Insel fingen wir an, uns über das Schreiben zu unterhalten – genauer gesagt darüber, wie ich die Reportage angehen sollte, die wir gemeinsam planten. Lynsey, die bereits eine preisgekrönte Photographin ist, hatte eben erst einen intimen Band veröffentlicht und kannte gut die Höhen und Tiefen, auf die man bei der Umwandlung von Ideen und Bildern in Worte trifft. Ich scherzte, dass ich lieber ganz und gar auf längeres Schreiben verzichten würde. Ich erzählte ihr dann, dass der witzigste und überzeugendste Sachtext, den ich in letzter Zeit geschrieben hatte, radikal kurz gehalten war und auf Instagram veröffentlicht wurde.

Lynsey war verblüfft: „Du schreibst auf Instagram?“

Sie lachte, nahm eines ihrer Handys in die Hand, tippte auf das Symbol mit der Retro-Kamera.

„Ich dachte, das wäre für Likes, Essen und Katzen.“

Das stimmt, Instagram scheint nicht ein offensichtliches Ziel für Schriftsteller zu sein. Es bewegt sich schnell. Da gibt es viele Katzen. Und Selfies und Schuhe und Caffè Latte. Der Platz, der für Worte zur Verfügung steht, ist zudem recht klein – besonders für diejenigen von uns, die Jahre in diesem Business damit verbracht haben, für das Recht, lange Lesestücke zu verfassen, gekämpft haben. Aber kurz nachdem ich anfing, mit dem von der App vorgegebenen Rahmen zu experimentieren, passierte etwas Seltsames – ich merkte, dass ich es liebte, kurze Texte zu schreiben.

Werkzeug zum Geschichtenerzählen

Ich fing an, das Instagram Erlebnis mit seinem konstanten Fluss an Bildern und Textkästen zu verstehen. Eine alternativer Geschichtsaufbau stand mir gegenüber, der von mir Neues abverlangte: Kürzere Geschichten, sicherlich, aber die App bedarf auch einer sorgfältigeren Auswahl an Fotos und die vielfältige, fein abgestimmte Art, wie die Worte und Bilder zusammen arbeiten, ist zu beachten. Mit der Zeit realisierte ich, dass unter der Oberfläche der Selfies ein kraftvolles, unerwartetes und größtenteils ungenutztes Werkzeug zum Geschichtenerzählen von Instagram angeboten wurde.

Sehen wir es mal so: Instagram ist im Großen und Ganzen eines der weltweit erfolgreichsten Magazine geworden, das die Allgemeinheit anspricht. Mehr als 500 Millionen Menschen nutzen es jeden Monat. Durchschnittlich werden 95 Millionen Bilder pro Tag hochgeladen. Und jedes einzelne repräsentiert eine Seite, eine Geschichte, einen Lichtschimmer oder eine Auffassung irgendwo auf der Welt. Du hast die User von Instagram gesehen: Oft jung, äußerst beschäftigt, mit dem Kopf nach Unten in der U-Bahn, im Bus und auf Bürgersteigen, während sie mit dem Daumen durch den Strom von Bildern schieben, der sich über ihre Handys ergießt. Diese Gedankenverlorenheit erfüllt nicht einen Selbstzweck und das globale Publikum ist durch ein simples Versprechen versammelt: Jeder Post enthält eine Geschichte.

Bisher wurde dieses Gebiet den Photographen überlassen. Seit der Veröffentlichung der App im Jahr 2010 haben Bildjournalisten sie im großen Umfang genutzt, um unveröffentlichte Bilder zu präsentieren, um in ihren Archiven zu wühlen und laufende Projekte zu teilen. Schriftsteller sind jedoch überwiegend ferngeblieben von der geschichtserzählenden Plattform Instagram. Dafür gibt es eine Menge Gründe – letzten Endes ist es nicht einfach, kurz zu schreiben.

Aber diejenigen, die sich reinhängen, werden sehen, dass Geschichtenerzählen auf Instagram eine fantastische Angelegenheit ist: Ein Verwendungszweck, für den die Sache nicht gemacht war, aber für den sie sich hervorragend eignet. Die App ist dynamisch, flexibel und ungewöhnlich transzendent. Aus mobiler Sicht ist sie weitaus demokratischer als das filterbelastete Facebook, nicht so knapp wie Twitter, weniger kurzlebig als Snapchat. Und das Wichtigste für mich ist die Reichweite der Plattform: Instagram bietet einen kreativen Raum an, in dem Stimmen und Ansichten, die sonst während des Zusammentreffens mit dem Journalismus ignoriert, verloren oder entstellt würden, mit erfreulicherweise fast jedem geteilt werden können.

Wie alles begann

Ich kam im April 2014 zu Instagram, als ich zum Turkana-See in Kenia für eine National Geographic Story reiste. Mein Redakteur Peter Gwin hatte mich dazu gedrängt, die App zu benutzen, um Berichte von meinen Arbeiten vor Ort zu posten und ich war erst einmal skeptisch. Ich bin kein Photograph. Ich hatte zu der Zeit keinen Instagram Account. Und das, was ich auf den Handys meiner Freunde sah, wirkte wie eine abgespeckte Version von Facebook. Ich wusste, dass Instagram pro Post nur etwa 2.200 Zeichen erlaubte (kaum 360 Wörter nach meiner Erfahrung) und ich zweifelte, dass viel Bedeutung in so einen kleinen Raum gestopft werden konnte.

Aber Peter ließ keine Ruhe und er zeigte ein paar Bilder, die er auf Reisen nach Ruanda und in die Zentralafrikanische Republik auf Instagram gepostet hatte. Ich war beeindruckt. Da waren weder Selfies noch Selbstbezogenes. Es waren kleine Momente, reich an Details und einfach zu lesen. Sie deuteten an, was möglich sein könnte. Ungefähr zur gleichen Zeit hatte ich die iPhone-Photographie in mein Grundrepertoire zum Berichteschreiben aufgenommen. Ich machte Porträts von allen, mit denen ich sprach, fast als würde ich nur deren Telefonnummern und die richtige Schreibweise ihres Namens notieren. Dieses Zusammentreffen der Ereignisse – Petes Arbeit, meine Photographie – überzeugte mich, immerhin kurze Beiträge zu machen. Ich entschied mich, es wie ein Experiment zu behandeln. Ich dachte, es handle sich um nichts Dauerhaftes.

Die erste Geschichte

Meinen ersten schriftlichen Instagram Beitrag vom Turkana-See konnte man kaum eine Geschichte nennen. Ich postete schöne Bilder, schrieb platte kleine Bildunterschriften. Als ich allerdings noch nicht lange auf meiner Feldforschung unterwegs war, ich befand mich in einem abgeschiedenen Dorf hunderte Kilometer von der nächsten gepflasterten Straße entfernt, traf ich einen Fischer, der eine Krokodilattacke überlebt hatte und dessen Geschichte mich erschütterte. Er wurde angegriffen, während er hüfthoch im dunkelbraunen Wasser stehend seine Netze überprüfte. Als die Bestie ihn wegzerrte, wurde ihm schwarz vor Augen. Dann weiß. Er sah sich selbst in eine andere Welt hinübergleiten, wohl Richtung Tod. Er konnte Zähne in seinem Fleisch spüren, aber in seinen Ohren hörte er herrliche Klänge. Irgendwie, bevor das Krokodil ihn herunterziehen konnte, kam er wieder zur Besinnung und erinnerte sich an eine Volksweisheit. Mit zwei Fingern stach er in die Augen des Tieres. Benommen lies es ihn los und blutend konnte er sich zurück zum Ufer tasten

Später im örtlichen Krankenhaus musste er schreckliche Alpträume durchleiden, eine von dem Reptil verursachte posttraumatische Belastungsstörung.

„Ich habe es in meinen Träumen gesehen“, sagte er, „wie es den Gang entlangkommt, um mich zu kriegen.“

Er berichtete mir, dass er noch immer nicht zum Wasser zurückgekehrt war.

Ich verbrachte mehrere Stunden damit, ihn zu interviewen, Bilder davon zu malen, wo das Krokodil seinen Kiefer in die Schenkel festgebissen hatte. Aus der Perspektive eines Geschichtenerzählers war es fantastisch, eben die Art von Erfahrung, die man weiterverbreiten will. Aber ich wusste, dass es nicht geeignet war, um es in meinen abschließenden Artikel für das Magazin zu schaffen. Es war zu knapp und es wäre wahrscheinlich zwischen dem größeren und formelleren Teil verloren gegangen, den ich für Umweltfragen, Konflikte und den kulturellen Wandel einplanen musste. Ein Jahr früher noch wäre seine Geschichte als Ablagerung in meinem Notizheft verendet. Aber ich wollte sie erzählen und auf Instagram gab es plötzlich ein Forum. Am Ende des Interviews fragte ich ihn, ob er sich für ein iPhone Porträt außerhalb der Lehmhütte hinsetzen könne, wo wir eine heiße Cola getrunken hatten.

Ich machte ein paar Fotos in dem rauen Nachmittagslicht und entschied mich, dass schwarzweiß am besten in dem schlechten Kontrast wirken würde. An dem Abend schrieb ich die Geschichte, bedacht darauf, nah an seinen persönlichen Erzählungen zu bleiben. Ich versuchte weder zu erklären, warum ich sie erzählte noch in die Statistiken von Krokodilattacken in Ostafrika abzudriften. Ich hatte schon in früheren Posts geschrieben, dass ich in Kenia war, wo ich für National Geographic arbeitete. Wer sich dafür interessierte, konnte zurückscrollen und diesen Wink zu dem müden alten „Nut graf“ (eine Gepflogenheit aus dem amerikanisch-englischen Journalismus) finden.

Ich wollte seine Geschichte nicht mit interessanten Fakten ersticken. Also schrieb ich auf Stimmung und Ton achtend und fasste das lebensverändernde Erlebnis des Mannes in 268 Wörtern zusammen. Ich benutzte die einfache Technik des „lede and arc and kicker“, die ich vor langer Zeit in der Nachrichtenredaktion gelernt hatte. Ich untersuchte jedes Wort, ob es einen Platz verdient hatte. Überwiegend drückte ich dabei auf löschen.

Die Kommentare trafen ein wie Groschen

Bis heute haben ca. 500 Menschen die kleine Erzählung geliked, die ich auf Instagram gepostet habe (und mehr als 1.300 gefiel eine spätere Neuauflage). Mehr als 70 Leute haben diese Stücke kommentiert. Likes und Kommentierungen sind Indikatoren für den Erfolg innerhalb der App, sowohl süchtig machend als auch undurchsichtig und das Ergebnis ist im Vergleich klein. Das heißt zudem nicht, dass all diese Leute das Geschriebene gelesen haben, auch wenn ich wetten würde, dass es die meisten getan haben. Am Ende ist das Wichtige, wofür ich viele Jahre trainiert wurde, dass ich die Geschichte des Mannes geteilt habe. Nachdem ich sie gepostet hatte und die Kommentare eintrafen wie Groschen von Menschen, die ich nie treffen würde, bemerkte ich, dass ich in einer gewissen Art und Weise eines der Dinge erreichte, wegen deren ich zum Journalismus gekommen war – den Menschen ohne Stimme eine Stimme zu geben. Das ließ mich hungriger auf mehr werden.

When we were young the shore was thick with grass and that is where we hunted them. There were so many hippos then, grazing in the deep green grass. Sometimes twenty of us would go, each man carrying a harpoon. We would tie long ropes to the harpoon points and wrap the ropes around our waists, like belts. Then we would stalk them. Quietly. Softly. Hippos are clever, and very fierce. And the hair around their mouths! It can cut like a blade. The first man would creep forward and stab and sink the point home. Then he would unwrap the rope from his waist and start pulling. This is very important. If you were slow, if you didn’t unwrap it fast enough, the hippo might drag you away when it tried to escape. That was the most dangerous part. Once the first man landed his harpoon, others would step up and stab the hippo. Then we all pulled our ropes and slowly reeled the animal in. Later, everyone got some of the meat but the glory always fell upon that first man. He returned home carrying the ears and tail, and women would sing their way down from the village to meet him. Back then our culture depended on hippos. It was like killing a lion, or an elephant. You were a hero. Yes, I miss it. I liked it so much. Now you can’t even see hippos here. The last one I remember came in the 1990s, and someone shot it with an AK-47. But that’s not how we did it. We two are among the last who remember hunting the old way. // #elmolo #laketurkana #hippo #hunting #natgeo #onassignment with @randyolson + @natgeo // See the series: #jadeseaseries2014

Ein von Neil Shea (@neilshea13) gepostetes Foto am

Im Verlaufe meiner Feldforschung und in den paar folgenden Wochen probierte ich verschiedene Erzählstrukturen, Stimmen und Designs. Ich fing an, die Instagram-Reihe als eigenständig gegenüber aber auch komplementär zur Dokumentationsarbeit zu sehen, die ich für das große Magazin machte. Um einen aktuellen Begriff zu benutzen, war es „slow journalism“ oder auch das Produkt des Herumsitzens, Zuhörens und Aufschreibens.

Das Experiment geht weiter

In einer der Geschichten schrieb ich über die stille Spannung innerhalb des Daasanach-Stammes, die die Praxis der weiblichen Beschneidung umgab. Ich stellte die Geschichten dreier Frauen gegenüber, die das Beschneiden vornahmen. Eine war alt, zwei sehr jung. Die alte Frau erzählte plastisch was sie abschnitt und warum. Für sie war diese Praxis von Bedeutung für das Überleben ihres Stammes. Die jüngeren Frauen erzählten mir, wie sie auf subtile Weise versuchten, die Praxis zu verändern, sie sicherer zu machen, vielleicht sogar sich für ihr Ende einzusetzen.

„Die alten Wege sind manchmal gut“, erzählte mir eine von ihnen, Kalle genannt, „und manchmal sind sie es nicht. Ich sah, was mit manchen Frauen gemacht wurde und entschied mich, dass ich es selbst besser konnte.“

Ich hatte weder jemals beabsichtigt, über dieses Thema zu schreiben, noch hatte ich gedacht, dass Frauen mit mir so offen darüber sprechen würden. Aber sie machten es und es hätte hier noch mehr Stimmen gegeben, die sich gelohnt hätten, zu teilen. Ich wählte eine direkte Vorgehensweise beim Schreiben, bei der ich versuchte, den Ton der Debatte zu erhalten, den ich beobachtet hatte – kein schreiender Gegner, kein Fingerheben oder Moralisieren.

Vielmehr war es ein paralleler Diskurs, der sich, wie viele andere Debatten entlang des Seeufers, durch den allmählichen Tod der Stammesältesten und den Zerfall der spirituellen Welt beruhigen würde. Erklärte das alles? Macht eine Geschichte das jemals? Was diese Stücke erreichten, leise und perfekt, war alles, was ich von ihnen erwartete – sie ließen ein kleines Licht scheinen. Genug Menschen lasen sie, dass ich nicht denken musste, dass ich mit mir selbst redete.

In folgenden Stücken schrieb ich in zweiter Person oder in dritter. Einmal postete ich ein Foto einer zischenden Kobra, adressierte die Geschichte wie einen Brief an die Schlange und nutzte sie, um einen gewöhnlichen Moment im Leben der jungen Schafshirten zu beschreiben, mit denen ich reiste – in der Erzählung waren sie schreiend von der Schlange weggelaufen, um dann umzudrehen, zurück zu ihr zu laufen und sie wie Ritter in „Die Ritter der Kokosnuss“ anzugreifen. In einem anderen Werk wählte ich einen paraphrasierten Ich-Erzähler und schrieb in der Stimme eines alten Mannes, der den Rhythmus einer Nilpferdjagd in einer lang vergangenen Zeit erinnerte. Im Anschluss an diese Geschichte postete ich ein Stück, dass meine Methoden der Berichterstattung zu dem Zeitpunkt preisgab – diese bestanden daraus, mein Notizheft und Stift auszuhändigen und die alten Jäger, die letzten ihrer Zunft, ihre eigenen Erinnerungen zeichnen zu lassen.

Zwei der erfolgreichsten Bild-Foto-Geschichten der Reihe beinhalteten eine schwer kranke Frau, Setiel genannt, die uns erlaubte, die intimen spirituellen Behandlungen zu beobachten, die von einem traditionellen Heiler vorgenommen wurden. Mehrere Male reisten Randy Olson, ein National Geographic Photograph, und ich mit ihr zum Ufer des Sees und schauten zu, wie sie und der Heiler, Galte, in dem seichten Gewässer wateten und händeweise Matsch auf Setiels dünnen Körper schaufelten. Aufgetragen und abgespült wurde dem reichhaltigen, dunklen Schlamm zugesagt, Krankheiten zu beseitigen und die Gesundheit des Patienten wieder herzustellen.

Als Setiel ein paar Wochen später starb, war ich sehr bestürzt. Wir hatten versucht, ihr mit Essen und Medikamenten zu helfen und wir hatten im lokalen Krankenhaus und mit einem ansässigen Missionar nach Hilfe gesucht. Es war alles zu spät für Setiel. Wir kannten sie nicht gut, aber die ganze Zeit und überall war das nicht wichtig. Ich wollte wieder über sie schreiben und zu jener Zeit, ungefähr vier Wochen nach Beginn des Instagram Experiments, hatte ich eine wachsende Gruppe von Followern, die ihre Behandlungsgeschichte gelesen hatten und die, wie ich dachte, vielleicht von ihrem Tod wissen wollten. Ich schrieb einen kleinen Nachruf für Setiel und postete ihn mit einem der letzten Fotos, das ich von ihr gemacht hatte

Als es keine Hoffnung mehr zu geben schien, ging sie zurück nach Hause, schrieb ich unter anderem, um nach Heilung in alten Bräuchen und Gebeten zu suchen, im Balsam der Dunkelheit, reichhaltiger Schlamm von dem ihre Leute dachten, er könne Krankheit verschlucken. Sie trotzte den bösen Geistern, die sie hinter sich her glaubte. Sie sagte, sie habe keine Angst.

Mindestens 700 Menschen sahen es. Nicht viele. Aber es waren wahrscheinlich mehr als es sonst gewesen wären, die gewusst haben, dass sie existierte. Wahrscheinlich mehr als die, die den Nachruf meines Großvaters gelesen haben, der starb, kurz bevor ich nach Kenia ging. Als ich diesen Zusammenhang knüpfte, verstand ich, dass die Zahlen nicht mehr so wichtig waren.

I am a healer of last resort. When all else has failed, people come to me. They come with fear and hope, and I treat them with coffee and blood, and smoke. I know how to handle the spirits that cause sickness. I am also a midwife—half the children around here saw my face first in this world. In every village there is one like me. We learn from our mothers, our aunts. From the spirits. We learn to feel with our hands where a problem resides. We see and hear what others cannot. It’s women’s business. Mostly we have no trouble with the missionaries, though once in a while someone shows up and tells us we should stop spirit-talking and send everyone to the clinic. Eh! The clinic is far and there are only a few nurses. They cannot cure everything. Take Setiel, the woman you’ve seen with me. Very ill. Those nurses gave her pills and injections, and after a long time she did not recover. Her family began to distance themselves. They feared her illness would spread. So they brought her to me. You see, she was gaatch—under the shadow of evil spirits. Four times I took her down to the lake where I washed her and applied mud to her body. Four times I rinsed the mud away and ordered the spirits to depart. Four because that is a sacred number to us, the number of teats on a cow. But the evil was very strong. The treatment failed. We tried again, and you know what happened. I won’t say the old ways always succeed. No medicine anywhere is that powerful. — Galte’s story, and that of her patient, Setiel, appears in the August issue of @natgeo magazine, and is part of our ongoing project, #NGwatershedstories. You can find a short video of this Daasanach cleansing ritual by following the link in my profile. #2014 #africa #kenya #laketurkana #jadesea #daasanach #tribe #health #healing #tradition #medicine #culture #portrait #bw #makeportraits #documentary #truestory #everydayafrica @thephotosociety @randyolson

Ein von Neil Shea (@neilshea13) gepostetes Foto am

Langsam fing ich an, zu genießen, wie Instagram mich kreativ beschränkte, wie es von mir forderte, Dinge zu kürzen, auf Grundlagen achtzugeben. Ich begann, mit Hilfe von Hashtags einen gewissen statisch sachlichen Kontext zu vermitteln – den Namen eines Dorfes oder eines Stammes, Meinungen, Themen – Dinge, die oft in Datumszeilen und Überschriften erwähnt werden. Ich fing außerdem an, einzigartige Hashtags zu benutzen, um Werke zu organisieren, jeweils in der riesigen Galaxie von Instagram und, auf einem kleineren Level, dort, wo Leser spezifische Extras finden konnten, die aus Kollektionen stammten, die mit meinen Posts verbunden waren.

Zum Beispiel kann ein Leser unterhalb von jedem Post über den Turkana-See den Tag #jadeseaseries2014 finden – eine Referenz auf den Spitznamen des Sees, der „Jade See“. Instagram archiviert automatisch Bilder an dem Tag ihres Posts und wenn man auf den Tag klickt (ich nenne sie „series tags“), gelangt man in ein Fenster beziehungsweise eine Seite, die mehr als drei Dutzend meiner Turkana Geschichten beinhaltet.

Ich habe tausende Wörter von dem Flussufer geschrieben. Zu meiner Überraschung wuchs mein Publikum schnell. Am Ende des Experiments hatte ich unbeabsichtigt einen Rekord unseres Geschichten fördernden Prozesses für National Geographic aufgestellt. Wichtiger noch ist, dass ich Lebensgeschichten und Kämpfe aufgezeichnet habe in einem Raum, von dem nur wenige Menschen jemals gehört haben und den noch weniger jemals sehen werden. Ich habe keine wissenschaftlichen Möglichkeiten, um die Auswirkung des Experiments abzuschätzen, keine Metrik für das Verständnis der Leser, den Altersschnitt oder das Einkommen. Im schlimmsten Fall loggten sich hunderte Nutzer, die ich nicht kenne und die ich nie getroffen habe, regelmäßig ein, um die Geschichten zu sehen. Im besten Fall, waren es mehrere tausend. Der lange Artikel im Magazin, den ich schließlich über diese Untersuchung vor Ort schrieb, erschien in der August 2015 Ausgabe von National Geographic, einem Magazin mit Millionen von Lesern auf der ganzen Welt. Aber ich halte die anfängliche Reihe auf Instagram für das bessere Werk.

Jeder Post ist eine Scherbe

Der Job als Sachtextautor ist es, so viele Scherben der „Wahrheit“ wie möglich zu sammeln und sie in einer Geschichte zusammenzufügen. Auf Instagram ist jeder Post eine Scherbe und ich sammle dort viel mehr, als ich es je in einem Magazin könnte. Zusammengezählt umfassen die Geschichte im Magazin und die Arbeit auf Instagram eine Menge an Dokumentationsmaterial. Es ist mehr, als mein Arbeitgeber verwenden kann. Es ist nicht perfekt organisiert, aber es war ein wertvoller Test der Plattform. Daneben hat es wieder den Wunsch erfüllt, mehr Stimmen und Gesichter und Geschichten sichtbar zu machen.

Seit dem anfänglichen Experiment habe ich noch viel mehr gemacht. Ich habe Inspirationen und vergleichbare Literatur im Bereich der fiktiven und sachlichen Kurzgeschichten, Gedichte und Kunst gefunden. Manchmal habe ich über Instagram im Sinne der alten Rick Bragg Geschichten nachgedacht, reduzierend auf emotionale Momente und kraftvolle Details. Ich wurde beeinflusst von klassischen japanischen Formen, der „Haiga“ eingeschlossen, bei dem „Haiku“ Verse, die oft die Stimmung und Natur beschreiben, mit einfachen Tintenillustrationen gepaart werden. Ich kenne andere Instagram Schriftsteller, die in Comicbüchern, graphischen Romanen oder in Liedtexten Inspiration finden.

Außerdem wurde ich von vielen Fotojournalisten inspiriert, die gezeigt haben, dass es enorm viele Möglichkeiten gibt, Instagram zu verwenden, um guter Gesellschaftsdokumentation zum Durchbruch zu verhelfen. Ein paar beinhalten Matt Black mit seiner Reihe über die „Geography of Poverty“ („Geographie der Armut“), die auf MSNBCs Seite und auf seinem eigenen Account gepostet wurde; Radcliffe Roye, der Bilder mit sehr persönlichen Essays über Identität zusammenfügt; und David Guttenfelder, der einen Instagramaccount kreiert hat, um Bilder aus dem Inneren Nord Koreas zu teilen. Ein anderer meiner Favoriten ist ein gemeinschaftliches Projekt verbunden mit der CUNY Graduate School of Journalism, das „Tägliche Einkerkerung“ heißt. Es untersucht das Leben von Insassen, deren Familien und Gemeinschaften.

In den meisten Fällen vermeide ich es, journalistische Gepflogenheiten in meinen Texten zu nutzen. Ich habe oben den „nut graf“ erwähnt. Auch meide ich Fakten, womit ich Bestandteile bestehend aus kalten Daten meine oder was einer meiner Studenten einmal als „fact spam“ bezeichnete. Zuschreibungen, Experten, institutionelle Stimmen – ich war glücklich all diese wegzulassen. Instagram ist nicht ein Ort für Nachrichten oder schwere erläuternde Sachtexte. Es gibt bessere Plätze dafür. Ich glaube nicht, dass Standardformen, die von den Printmedien oder dem Fernsehen entwickelt wurden, in Instagram hinein passen.

Lasst mich jedoch klar stellen, dass diese Meinung nicht bedeutet, dass ich mehr als ein Jahrzehnt praktische Arbeit in der Sittenlehre des amerikanischen Journalismus über den Haufen werfe. Alles, was ich tue, basiert auf recherchierten Tatsachen und direkten Beobachtungen. Alte Gepflogenheiten abzustreifen, war ein bemerkenswert gutes Gefühl, aber ich denke nicht, dass es mich der journalistischen Verantwortung erleichtert. Was ich stattdessen damit meine, ist, dass ich entscheide, Dinge zu streichen oder zu ignorieren, die eine Geschichte unnötigerweise verlangsamen oder sie abhalten, in den lockeren Fluss einzutreten. Jeder Schriftsteller, jeder Redakteur oder jede Veröffentlichung müssen ihre eigene Entscheidung fällen, welche Regeln ihre Nutzung von Instagram leiten. Mein Rat ist, es stilistisch lockerer anzugehen, als es sich zu Beginn komfortabel anfühlt.

Das war für mich vielleicht einfacher, weil ich ein Freiberufler bin, der außerhalb des Rahmens einer größeren Veröffentlichung arbeitet und es mir so möglich war, das journalistische System der Nachrichten komplett zu ignorieren oder zu nutzen. Im September 2014 beispielsweise, reiste ich in das Kakuma Flüchtlingscamp der Vereinten Nationen, also in den Norden Kenias und fing an, eine Instagram Reihe darüber zu schreiben, kurz nachdem eine gewaltige Flut das Camp überschwemmt hatte und ein Ausbruch an Gewalt innerhalb des Lagers viele Flüchtlinge zur Flucht zwang.

Ich widerstand der Versuchung, über die Nachrichten oder die Auswirkungen zu berichten, weil ich wusste, dass das Instagram Publikum – meines zumindest – die App nicht deswegen benutzte. Später jedoch, im Dezember, als Präsident Obama bekannt gab, die Beziehungen mit Kuba zu normalisieren, nahm ich diese Nachrichten zum Anlass, meine Arbeiten über Kuba wieder aufzugreifen, die ich 2008 auf der Insel getätigt hatte.

Das Alter der Geschichten ist nicht relevant

Ich durchsuchte meine Archive nach Fotos, um dann meinen Laptop zu durchstöbern und Geschichten zu finden, die ich mit ihnen verbinden konnte. Da das Material mehrere Jahre alt war, kennzeichnete ich jeden Post oberhalb in der Datumszeile und schrieb im Stil eines Reiseberichts. In einem dieser Posts beschrieb ich eine Fahrt in einem Mietwagen durch Kuba, auf der ich jeden Tramper mitnahm, den ich fand, zu denen eine der schönsten Frauen gehörte, die ich je getroffen habe, eine ehemalige kubanische Soldatin mit einer langen, dunklen Narbe im Gesicht.

Ich schrieb auch über einen armen Bauern, der mich nach den Preisen von Autos, Fahrrädern und Pferden in den USA fragte. Ich nutzte eine paraphrasierte Ich-Perspektive, um die Geschichte eines Veteranen von Fidel Castro in Angola in den 80ern zu erzählen, als er tausende Truppen entsandte, um für ein kommunistisches Regime zu kämpfen. Es war eine Geschichte, die fast unbekannt in den Vereinigten Staaten war. Es war zwar ein Klassiker – wie eine harte kubanische Analogie zum US-amerikanischen Krieg im Vietnam – und fesselte mich. Es wäre aber schwierig gewesen, es in einem Hochglanzmagazin unterzubringen.

In jüngerer Zeit sind Nachrichten etwas, das ich verwendete, wenn auch nicht zwanghaft, als ich von National Geographic beauftragt wurde, eine Reihe aus dem irakischen Kurdistan zu schreiben (die ein Werk über einen IS Kämpfer, den ich traf, enthielt) und als ich einen Artikel über einen jungen Einwanderer aus Gambia, der vom bürokratischen Wohlwollen auf Sizilien gestoppt wurde, verfasste.

Über die letzten beiden Monate habe ich darüber hinaus eine neue Art von Instagram Zusammenarbeit mit Randy Olson abgeschlossen, meinem Partner während der Kenia-Arbeiten. Im Juli, kurz vor der Veröffentlichung unserer Geschichte über den Turkana-See im Magazin, posteten wir eine Flashback Serie mit Werken, die wir 2009 direkt nördlich des Sees erstellt hatten. Dann, im August, als die Turkana-Story publiziert wurde, posteten wir eine andere Reihe, die hauptsächlich aus Geschichten und Bildern bestand, die es nicht in das Magazin geschafft hatten.

Im Zusammenspiel umfassten diese beiden Projekte eine erzählerische Reise über Grenzen und durch ein gefährdetes Wassereinzugsgebiet. Wir posteten fast jeden Tag eine Geschichte und verbreiteten sie auf verschiedenen Instagram Accounts, den von National Geograpic eingeschlossen. Dabei konnten wir einen breiten ökologischen und kulturellen Kontext abdecken – aber auch das Bedürfnis von Leuten, die nur mal schnell einen Artikel in der Mittagspause lesen – und erreichten so ein Millionenpublikum.

Diese Zusammenarbeit, die für Handys und Tablets kreiert wurde (auch wenn mein Vater noch immer einen Laptop benutzt, um sie anzugucken), war bisher unglaublich – zumindest auf persönlicher Ebene. Die Antworten (Likes und Kommentare, die einen verrückt und süchtig machen) waren überwältigend und unsere Geschichten wurden mehr als 1.000 Mal geteilt und reposted. Das zeigt mir, dass unser Publikum nicht von der Zeit getrieben ist. Das Alter der Geschichten ist nicht relevant. Wichtig sind die Stimmen der Werke und die Verbindung, die zwischen Wort und Bild hergestellt wird.

One morning you are wandering through the refugee camp when a stranger calls from a doorway, saying “Woman, do you want work?” It’s what you’ve been desperate for, though briefly you resist, fist on hip in the dusty street, a breath of pride. He can see you aren’t a refugee. The beads make it obvious—the heavy plastic hive wound round your neck and the straight spine that helps you carry it. That’s why he asks. You’re small but appear strong, and why else would a Turkana woman wander here? There is no interview, no negotiation (With what, Catherine Lometo, could you negotiate?). And so you become a housemaid working for a refugee who even in his stateless poverty is a degree or two less poor than you. It’s one of the little riddles of this place, that the tribe to whom god gave the land should become servants of those who by great misfortune landed here. There are hundreds like you. Your employer is a Muslim exiled from Ethiopia. He has a wife, children, a touch of pious arrogance. When you arrive in the mornings to wash and sweep the children without greeting withdraw like mist to other rooms. You don’t even know their names. Details less relevant than money. But your employer is not a bad man, and when his monthly ration comes he shares with you some food, which feeds your brothers and sisters. So forgive him, the refugee, and return in the red evening to your village. There, younger sisters wait and beg like fledglings. It’s only beads they want, to coil blues and yellows around their slender necks, to become beautiful, too, strand by strand, and keep a secret for themselves. — See the series: #kakumaseries2014 @unhcrkenya @randyolson #kakuma #kenya #turkana #ethiopia #refugees #everydayafrica #makeportraits #bw #monochrome #periphery #collaboration #theamericanscholar #instagramjournalism #killingthenutgraf

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Ist das der richtige Ort für seriösen Journalismus?

All das macht eine Menge Spaß, aber es ist noch immer Arbeit. Bis jetzt bezahlt uns niemand dafür, es zu machen. National Geographic ist glücklich, uns unser Experiment vollziehen zu lassen, aber es ist eine Herzensangelegenheit. Ich wurde in letzter Zeit auch gefragt, ob Instagram nicht wertlos sei, trivial und nicht der richtige Ort für seriösen Journalismus. Ich bin deswegen dann immer ein wenig verwundert – ich meine, hey, mach doch, was auch immer du machen willst – aber wie jede App im sozialen Netzwerk, reflektiert Instagram die Gemeinschaft, die es benutzt. Die ist in diesem Fall so groß wie die Bevölkerung der Vereinigten Staaten.

Der Schriftsteller Jeff Sharlet hat ein fantastisches Profil erstellt, das nur für Instagram gemacht ist. Es stellt eine Frau dar, die in ihrem Kampf mit psychischen Problemen quasi allein gelassen wurde. Jonathan D. Fitzgerald, ein Doktorand an der Northeastern University, forscht darüber, wie Instagram Erzählungen funktionieren und baut ein Archiv von ihnen auf. Randy R. Potts benutzt die App, um über homosexuelles Leben in Texas zu schreiben. Der Journalist Blair Braverman teilt Geschichten über Hundeschlitten und kalte, einsame Landschaften. Die „Transportation Security Administration“ (Sicherheitsbehörde für Beförderung) postet Bilder des Sicherheitsdienstes des Flughafens von beschlagnahmten Dingen und zeigt so, wie viele Menschen versuchen, Granaten in Flugzeuge zu schmuggeln. Und ich hatte Kontakt mit einem irakischen Studenten, der Instagram nutzt, um Gedichte auf Englisch über die tägliche Gewalt, die auf sein Leben und das Leben seiner Familie einprasselt, zu posten.

Wenn man Instagram so nutzt – oder auch ähnliche mobile Plattformen wie Facebook, Snapchat, Vine oder Twitter – klingt es dann trivial oder nicht trivial? Die Antwort ist natürlich letzteres.

Die Möglichkeiten auf Instagram

Je mehr ich die App nutze, desto mehr Möglichkeiten sehe ich, sie nicht nur trivial zu nutzen. Mitte Juni las ich eine Geschichte in der L.A. Times mit der Überschrift „San Bernardino: Zerstörte Stadt“ geschrieben von Joe Mozingo und mit Fotos von Francine Orr. Für einen Zeitungsartikel stellte es eine raffinierte, fesselnde Erzählung dar und die Zeitung erstellte eine Internetseite, um das Projekt aufzunehmen. Es gab Platz für Diskussionen und Kommentare, aber als ich die Seite der Time auf Instagram suchte, fand ich nur ein paar kurze Posts zu dem Thema.

Wenn Mozingo und Orr mir ähnlich sind, sind sie von ihren Recherchen mit vollgestopften Notizheften und Festplatten zurückgekehrt. Ich liebte ihre Arbeit und wollte mehr. Stell dir vor, wie zusätzliche Interviews, Charaktere und Schauplätze – Dinge also, die es nicht in die finale Version geschafft hatten – in den sozialen Medien genutzt werden könnten, um Verbindungen mit dem Printwerk auszuweiten oder eine eigene Reihe aus San Bernardino zu kreieren. Wie viel mehr Leser hätte die Times erreichen können? Welche andere Geschichten hätte sie erzählen können?

Ein anderes Beispiel für die Möglichkeiten erscheint in der New York Times, welche zu einem früheren Zeitpunkt in diesem Jahr eine Serie herausbrachte, die „Assignment America“ (so viel wie „Der Auftrag Amerikas“) hieß. Die Überschrift der ersten beiden Geschichten beschrieb sie als „Die Aufdeckung des Wandels der amerikanischen Politik, Kultur und Technologie, die sich auf die Berichte und persönlichen Erfahrungen der Journalisten der New York Times im ganzen Land stützt.“

Klingt ausgezeichnet, nach der Art Projekt, an dem viele Schriftsteller gerne teilnehmen würden. Und der einfache Gebrauch der Worte „persönliche Erfahrungen“ scheint die Tür aufzubrechen, die die Times zögernd aufmacht. Die Times hat mehr mit Instagram gemacht als viele andere Zeitungen und Magazine. Ihr Account ist mit einer zugehörigen Website verbunden, auf der Leser Geschichten finden können, die zu den Fotos gehören. Haben die Redakteure der Zeitung in Erwägung gezogen, Instagram für andere Arten von Wort-Bild-Kombinationen zu nutzen? Die “Assignment America” Serie ist jung und vielleicht wird sie nicht bleiben, aber sie scheint ein großes Potenzial für Geschichtenerzählen in sozialen Netzwerken zu sein. Ein schneller Blick verrät, dass der Hashtag #assignmentamerica nur acht Mal benutzt wurde und dabei nie von der Times selbst.

Es gibt natürlich legitimierte redaktionelle Bedenken bezüglich Instagram, das zu Facebook gehört. Auch wenn Nutzer Eigentumsrechte an dem Inhalt behalten, ist die Kontrolle darüber verloren, da Fotos wiederverwendet und von anderen reposted werden können. Aber was würde in einer Zeit, in der mobile Präsenz äußerst wichtig ist und ein strenges Vorgehen hinsichtlich des Inhalts abnimmt, die L.A. Times verlieren, wenn sie mehr von Mozingos und Orrs Arbeit teilen würde, besonders wenn der Hauptartikel online frei verfügbar ist? Was könnte die New York Times gewinnen, wenn sie ihre Serie in Amerika – mit all dem Chaos und der Demokratie, die es erregen würde – dem kurzen, mobilen Geschichtsschreiben öffnen würde?

Vielleicht hält eine institutionelle Angst diese Art von Arbeit fern von Instagram. Oder die einfache Geschäftigkeit die Nachrichtenredaktionen überfordert. Meine eigenen Redakteure bei National Geographic – welches mehr als 30 Millionen Follower hat – unterstützen mein Instagram-Projekt, wissen aber immer noch nicht, wie sie es mit der Marke verknüpfen können. In letzter Zeit gab es Gespräche, dies zu ändern, jedoch ist nicht klar wie und wann das passiert.

The wooden canoes always seemed to hobble through the water, half-sunk and fickle as a Sunday drunk. Barely more than flotsam. Once I asked who made them and the fishermen pointed north to Ethiopia, to a fading kingdom of trees. Many things came from there, looping down through the delta—guns, fish, fertilizer, rumors of death or rebellion. Rafts of thick grass came, too, and every few days a new flotilla drifted into the lake. Most were green specks, but now and then a large one appeared, an islet rustling with birds and frogs and other creatures. Occasionally the local priest, a German, would swim out to meet them and haul aboard as though he were a giant shouldering into Lilliput. Imagine—this white guy rising from the opaque water, long-haired and pale as dawn. He rode the islets south for a time and did not worry about crocodiles. In the middle of our stay something strange occurred. For several nights the islets arrived on fire. One after another, glowing fierce as comets. Before I slept I would scan the darkness and note their positions in the void beneath Orion’s belt. When I woke hours later, delirious with heat, I’d find them farther along, still aflame and somehow more familiar. Always by morning they had vanished. For a while I thought them a dream. I asked, but no one could say why they burned or what the Ethiopians might be doing upriver. Soon I thought better of it and stopped looking for answers. Mystery keeps better than fact, and I wanted those nights blazing. // #laketurkana #omoriver #daasanach #kenya #islet #canoe #natgeo #onassignment with @randyolson +@natgeo // See the series: #jadeseaseries2014

Ein von Neil Shea (@neilshea13) gepostetes Foto am

„Für Instagram zu schreiben ist anders“

Es wäre ein Fehler, zu denken, dass diese Art des Schreibens in kurzer Form sorgfältig recherchierte, gut geplante, kreative Sachtexte ersetzen könnte. Wie ich vorher erwähnt habe, sollten Werke auf Instagram nicht wie Zeitungsartikel sein, geschweige denn wie ein Artikel in einem Magazin. Und ich möchte nicht sagen, dass Schriftsteller ihre Träume, Texte in Langform zu schreiben, wegwerfen sollen. Wir reden noch immer von Geschichten, die am besten auf dem Handy gelesen werden.

Für Instagram zu schreiben ist anders und man sollte sich mit einem bestimmten, vielleicht reineren Ziel annähern – der Freude am Herausfinden und Weitererzählen. Schriftsteller, die trainiert sind, zu beobachten und zu sammeln, zu testen und zu analysieren, haben in dieser App eine neue Möglichkeit für Innovationen, sie können ihre Fähigkeiten nutzen, um sie für mobiles Geschichtenerzählen anzuwenden.

Zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr plane ich, ein anderes Experiment in dem Virginia Quarterly Review zu starten, um zu sehen, wie weit es gehen könnte.

Mit meinem Kollegen Jeff Sharlet und unserem Redakteur Paul Reyes werde ich ein Projekt betreuen, das regelmäßig Schriftsteller auf der Instagramseite des Magazins vorstellen wird. Jeder wird zwischen drei und fünf kurze, wahre Stücke über Themen aus verschiedenen Ecken der Vereinigten Staaten und, wie wir hoffen, aus der ganzen Welt, posten. Sie werden mit einer bescheidenen Summe entlohnt und ihre Werke werden in einem Essay zusammengetragen, der auf der Website von VQR erscheint. Die besten Arbeiten werden außerdem in der Printausgabe des Magazins erscheinen.

Das werden Erzählungen in ihrer einfachsten Form sein – der Autor als Beobachter, Berichterstatter, der von einem Ort erzählt, den unsere Leser wahrscheinlich nicht kennen. Soweit wir wissen, wird es das erste Projekt dieser Art sein. Wir sind nicht sicher, wie es werden wird. Sicherlich geht es viel weniger um Instagram als Marke als um unseren Wunsch, Geschichten zu erzählen, zu teilen und dabei besonders Orte und Menschen zu erreichen, die im Mainstream verloren gehen. Es gibt verschiedene Apps, die wir dafür auch hätten auswählen können. Das Tempo von mobilen Innovationen lässt erahnen, dass noch mehr kommen wird. Für diesen Moment jedoch ist Instagram ein Werkzeug, das Geschichten in einem größeren Rahmen als die meisten anderen Arten von sozialen Netzwerken sammeln und ausstellen kann. Und wir mögen es einfach.

Im Februar wurde ich an die besondere Kraft der App erinnert, als ich Instagrams Hauptsitz im Silicon Valley besuchte, wo ich einen Workshop im Verfassen von sachlichen Kurzgeschichten gab. An einem kühlen Nachmittag hörte ich David Guttenfelder seine Liebe zu Instagram beschreiben, den Milliarden Bildern, von denen jedes ein kleines Quadrat Licht reflektiert. Guttenfelder, ein ehemaliger AP Chefphotograph für Asien, der mehr als 800.000 Follower in der App vereint, zeigte seine Fotos aus Japan, Montana, Iowa, Nord Korea und von anderen Orten. Er sagte, Instagram habe seine Idee davon geändert, wie er Bilder in die Welt schickte.

„Das ist die größte, wichtigste Plattform da draußen“, sagte er, „ihre Reichweite ist unglaublich. Es sehen mehr Menschen meine Arbeit auf Instagram als es jemals in einem Magazin wie National Geographic der Fall wäre.“

Mein erster Gedanke war zuzustimmen. Mein zweiter war, wie ich mehr Schriftsteller einbeziehen konnte. Bald werden wir bei VQR nach Antworten suchen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Nieman Reports„. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image Screenshot by Instagram/Neil Shea


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Neil Shea

Neil Shea

ist ein Redakteur bei "The American Scholar" und "Virginia-Quarterly Review" und für mehr als zehn Jahre regelmäßig für "National Geographic Magazine" unterwegs. Er lehrt außerdem das Schreiben von Sachliteratur an der Boston Universität.

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