Bitcoins (Bild: Antana [CC BY-SA 2.0], via Flickr)

Inside Bitcoins – Wie steht es um die virtuelle Währung?

Goldgräberstimmung herrschte auf der „Inside Bitcoins“ Konferenz in Berlin und das trotz einiger Vorkommnisse, die den Bitcoin-Kurs derzeit in den Keller treiben. // von Markus Okur

Bitcoins (Bild: Antana [CC BY-SA 2.0], via Flickr)

Der Tenor der Teilnehmer der “Inside Bitcoins” Konferenz , die vom 12. bis 13. Februar 2014 in Berlin stattfand, war einhellig: Bitcoins sind das „nächste große Ding„. Es wurden vielfach Parallelen zu der frühen Tagen des Internets gezogen. Doch wie sicher kann man sich sein, dass die Spekulationsblase nicht bald platzt?


Warum ist das wichtig? Bitcoins wurden 2009 als Antwort auf die Finanzkrise als dezentrale, anonyme und kostenfreie virtuelle Währung eingeführt. Die vollkommen neue Struktur hat zahlreiche Risiken, bietet aber auch Chancen.

  • Sicherheitsbedenken und Spekulationsblasen erschweren das Vertrauen von Kunden und Händlern in Bitcoins.
  • Verbotsszenarien und rechtliche Rahmenbedingungen stehen der virtuellen „Welt-Währung“ Bitcoins im Weg.
  • Bitcoins können Nährboden für neuartige FinTech-Start-Ups sein.

Sind Bitcoins zu volatil für ein Zahlungsmittel, zu riskant als Wertspeicher?

Wie steht es um Bitcoin im Jahr 2014? Um dies beurteilen zu können, muss man sprichwörtlich beide Seiten der Medaille betrachten. Bitcoin steht nämlich in Konkurrenz zu sowohl traditionellen Währungen, als auch zu Wertspeichern wie etwa Gold.

Als Tausch- und Zahlungsmittel ist Bitcoin noch sehr begrenzt einsetzbar und wird nur von wenigen Online-Händlern akzeptiert. Zwar gibt es in Berlin einige Bars, die Bitcoin als Zahlungsmittel annehmen, doch im “Real Life” sind Bitcoins kaum anzutreffen. Für Verkäufer ist die virtuelle Währung schlicht zu unvorhersehbar, zu sehr schwanken die Kurse. Erst kürzlich fiel der Kurs vom Allzeithoch von über 1000€ auf nur die Hälfte – innerhalb von einigen Tagen.

Doch gerade im Bereich der Mikrospenden zeigt sich der Vorteil der kostenlosen Übertragung der Bitcoins. Eine Spende von 20 Cent macht bei den traditionellen Bezahlsystemen, wie einer Überweisung, keinen Sinn, da die Gebühren viel zu hoch wären. Im Bitcoin-System ist die Transaktion kostenlos und selbst geringste Spenden kommen ohne Abzug beim Empfänger an. Auch im Spiele-Bereich sind derlei Bitcoin-Micro-Payments praktikabel, Zynga macht es gerade vor.

Als Anlage- und Investitionsmedium gewinnt Bitcoin an Bedeutung, vor allem in Zeiten der Eurokrise. Mittlerweile werden ca. 10 Prozent aller Bitcoins in Euro getauscht, vor allem angetrieben durch die Nachfrage aus Griechenland, Spanien, Italien und Zypern. Ähnlich wie Gold werden Bitcoins derzeit vor allem als Wertspeicher und nicht für den Handel genutzt. Vermögen wird in Form von Bitcoin gebunkert, um gegen staatliche Zugriffe, wie bei der Zwangsbeteiligung der Sparer während der Zypernkrise, geschützt zu sein. Meldungen wie beispielsweise über eine zypriotische Universität, die für Begleichung der Studienbeiträge Bitcoins akzeptiert, überraschen vor diesem Hintergrund nicht.

Immer mehr Regierungen verbieten Bitcoins

Neben dem „Ursprungsland“ von Bitcoins, den USA, holt China mittlerweile stark auf. Bobby Lee, der CEO von BTC China, die mittlerweile größte Bitcoin-Handelsbörse, belegt dies eindrucksvoll und macht für die Bitcoin-Euphorie die Spar-& Spekulationsmentalität, den unterentwickelten Finanzsektor, die schnell wachsende Wirtschaft, den zunehmenden Wohlstand, den unterbewerteten Yen und die Technologiebegeisterung der Chinesen verantwortlich.

Doch die jüngsten Meldungen, wonach Bitcoin in China verboten wurden, warfen einen dunklen Schatten auf die Präsentation. Etwas genauer: Die chinesische Notenbank warnte in einem Schreiben Anfang Dezember 2013 Finanzinstitutionen vor dem Bitcoin-Handel. Es wurde festgehalten, dass 1. Bitcoins keine Währung sind, 2. Bitcoins ein legales virtuelles Gut sind, 3. Privatleute das Recht haben, Bitcoins zu kaufen und zu verkaufen, 4. Bitcoin-Unternehmen bestimmten Gesetzen und Regulationen befolgen müssen.

All dies bedeutet aber auch, dass es Finanzdienstleistern untersagt ist, mit Bitcoin-Börsen wie BTC China Transaktionen abzuwickeln, solange – sehr schwammig formuliert – bestimmte Maßgaben nicht eingehalten würden. Ob diese überhaupt jemals zu erfüllen sind, ist fraglich. Es scheint, also ob die chinesische Regierung Spekulation und mutmaßlicher Geldwäsche den Riegel vorschieben möchte.
Was passierte nun im chinesischen Bitcoin-Ökosystem? Zahlungsanbieter und Banken haben die Zusammenarbeit mit BTC China beendet. Der Handel auf der bis dato größten Bitcoin-Börse der Welt lag brach, die staatlichen Medien berichteten negativ über Bitcoins und das Vertrauen der Chinesen in die Crypto-Währung sank – und für Nicht-Chinesen relevant – der Bitcoin-Kurs brach innerhalb von zwei Wochen im Dezember um die Hälfte ein.

Abschließend, gibt sich der BTC China-Chef dennoch optimistisch. Zwar seien E-Commerce und Zahlungssysteme mit Bitcoin in Zukunft zwar auf chinesischem Boden nicht mehr möglich, andere Bereiche des Bitcoin-Business, wie z.B. das Mining, bleiben aber durchaus legal.

Die ganze Affaire zeigt auch: Das schwächste Glied in der Bitcoin-Kette ist nicht das dezentrale Bitcoin-System selber, das sich durch seine Dezentralität und Anonymität kaum aufhalten lässt, sondern die Tauschbörsen. In Russland sind seit Januar 2014 virtuelle Währungen illegal, mit der Begründung, dass damit „Geldwäsche betrieben werde und Terrorismus finanziert werde“ und „der Rubel die einzig offizielle Währung sei„. Eine Weltkarte mit allen Ländern, in denen Bitcoin legal ist, findet sich auf BitLegal.

Eine neue Welle von Start-Ups

Bitcoin hat das Potential den Finanzsektor auf den Kopf zu stellen, oft fielen Vergleiche wie der Wandel des Journalismus zu Beginn des Internetzeitalters. Dass man mit Bitcoin nicht nur in einen E-Commerce-Shop integrieren kann, sondern auch neuartige Finanzprodukte entwickeln kann, ist auch eine Lehre aus der Konferenz. Bitbond etwa stellt auf Bitcoin basierte Darlehen zu Verfügung, Unternehmen wie BIPS ermöglichen es Online-Händlern einfach Bitcoins in ihre bestehenden Shops zu integrieren.

Wer beim Stichwort Bitcoin nur an wohlhabende, hochtechnisierte Industriestaaten denkt, der irrt. Hervorgehoben wurden nämlich auch die Möglichkeiten, die Bitcoins für Menschen in der Entwicklungsländern eröffnet. Von einem dezentralen Finanzsystem mit Bitcoin als Währung, würden besonders die vielen Milliarden Menschen profitieren, die kein reguläres Konto oder keine Kreditkarte besäßen. Diese hätten mit Bitcoins die Chance, von Angesicht zu Angesicht Geld zu transferieren, solange sie ein Mobiltelefon besitzen. Immerhin 3/4 der Weltbevölkerung besitzt ein Mobiltelefon.
Beispiel Kenia: 1/3 aller Kenianer benutzen schon Bitcoins, 93 Prozent aller kenianischen Haushalte nennen ein günstiges Mobiltelefon ihr Eigen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass in der Kombination von Bitcoin und Mobiltelefonen die Zukunft des bargeldlosen Zahlungsverkehrs liegt – vor allem in Entwicklungsländern. Schon länger gibt es in Kenia das mobile Bezahlsystem M-Pesa, das nun durch die Wallet-App Kipochi auch mit Bitcoin verquickt worden ist.

Übrigens: Neben dem Kauf von Bitcoin stellt die Herstellung, das sogenannte Mining (Goldschürfen), den zweiten Weg dar, um an die digitale Währung zu gelangen. Eigentlich handelt es sich dabei um den ursprünglichen Weg, denn neue Bitcoins werden nur durch Mining erzeugt, da es keine zentrale Institution gibt, die Bitcoins ausgibt. Es ist aber nicht mehr wie zu Anfangstagen möglich, sich mit einem herkömmlichen Desktop-Rechner im Keller ein Vermögen zu erschürfen. Da die Rechenaufgaben immer anspruchsvoller werden, würden diese Jahre brauchen, um einen Block zu lösen. Deshalb gibt es sogenannte Mining Pools oder auch spezialisierte Prozessoren, genannt ASIC (Application Software in an Integrated Circuit), die sich durch eine enorm hohe Rechenleistung bei sehr geringem Stromverbrauch auszeichnen.


Teaser & Image by Antana (CC BY-SA 2.0)


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Markus Okur

Markus Okur

ist Informatik-Student in Berlin und rasender Reporter. Neben den Netzpiloten hat er auch schon auf WiWo Green und jetzt.de veröffentlicht. Markus bezeichnet sich als Twitter- und Google+-süchtig.

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