Ingress

Ingress für iOS: Vorläufer für neues Geschäftsmodell?

Am gestrigen Montag wurde endlich für alle iOS-Geräte das Augmented Reality Game Ingress veröffentlicht. Offenbar ist das Spiel der Vorbote einer neuen Ausrichtung von Google. // von Lars Sobiraj

Ingress

Google hat die Apple-Nutzer lange warten lassen. Seit gestern ist das Real-World-Abenteuerspiel erstmals für iPhones und iPads erhältlich. Seit Oktober 2013 wurde die Android-Version über vier Millionen Mal kostenlos heruntergeladen. Doch es steckt noch mehr dahinter. Auf Basis der Software von Ingress wird derzeit mit Endgame ein neues Spiel produziert, welches gleichzeitig ein neues Geschäftsmodell darstellt. Endgame soll demnächst einen Kinofilm, gedruckte Bücher, E-Books, ein Gewinnspiel und zahlreiche Google-Dienste miteinander verknüpfen.


Warum ist das wichtig? Heutzutage erscheint nichts schwieriger, als im Web Inhalte zu verkaufen. Google arbeitet offenbar an einem modernen Konzept, um dies zu ändern.

  • Niantic Labs hat mit Ingress das erste Augmented Reality Game auf Smartphones und Tablet-PCs etabliert.
  • Vier Millionen Teilnehmer machten Ingress sehr erfolgreich. Die Action kostet nichts, bis auf ein paar Pfunde auf der Hüfte.
  • Beim Nachfolger Endgame werden crossmedial kostenlose mit kostenpflichtigen Angeboten vermischt. Wer mitspielen will, muss sich bei Google einloggen.

Die Zutaten für den nächsten Wurf von Google sind so ausgeklügelt wie zahlreich. Man nehme einen Kinofilm, eine Roman-Trilogie, 15 E-Books, die App, diverse YouTube-Videos und andere Dienste, wie etwa Google Plus, der hauseigene Online Store und die Suchmaschine. Die drei Romane wird Schriftsteller James Frey verfassen, der schon mit der Vorlage von „Ich bin Nummer vier“ sehr erfolgreich war. Der Verlag HarperCollins ist zumindest in den USA sehr bekannt, Teil eins soll am 7. Oktober in 30 Sprachen erscheinen. Zusätzlich zur Trilogie soll es 15 Endgame-E-Books geben, mindestens sechs davon werden exklusiv vom Google Play Store vertrieben.

In der App suchen die Mitspieler in der realen Welt Hinweise für die Lösung zahlreicher Rätsel, die in einem direkten Zusammenhang mit den Romanen stehen. Schon für die Anmeldung bei Ingress ist ein Google Account vonnöten. Bei Endgame wird es sicher nicht anders sein. Medienangaben zufolge sollen bestimmte Orte mithilfe von Google Maps ausfindig gemacht werden. Auch das soziale Netzwerk Google Plus kommt demnächst wie bei Ingress zum Einsatz, wenn es um Ankündigungen und den Austausch zwischen den Mitspielern geht.

Endgame: Die Zukunft der Zerstreuung?

James Frey wird seine Romane so verfassen, dass sie von Anfang an crossmedial genutzt werden können. An der Verfilmung von Endgame hat sich bereits das Hollywood-Studio 20th Century Fox die Filmrechte gesichert. Der Vizepräsident von Niantic Labs sagte, man sei höchst erfreut bei diesem Projekt die eigene Technologie und Expertise beisteuern zu dürfen. John Hanke glaubt, es gehe dabei um nichts Geringeres, als die Definition der Zukunft der Unterhaltung. Wahrscheinlich hat Google dabei nicht unser aller Entertainment vor Augen, sondern neue Erlösmodelle. Wenn es gelingt viele Menschen zu begeistern, werden sie auch bereit sein, Geld für ihre Zerstreuung zu bezahlen. So ganz nebenbei werden die Nutzer beim Spielen erneut an bestehende Google-Dienste gebunden. Zudem wird dadurch die Popularität von weniger bekannten Google-Diensten ausgebaut. Für Google eine Win-Win-Situation.


Ingress für iOS:


Wer hebt den Goldschatz?

Zum Schluss des dritten Buches erfolgt der finale Showdown live auf YouTube. Wer alle Rätsel lösen kann, erfährt den Aufenthaltsort eines öffentlich aufgestellten Tresors aus Panzerglas voller Gold und kann diesen öffnen.

Details zur Handlung der Trilogie wurden noch keine bekannt gegeben. Natürlich wäre es auch von Interesse zu wissen, wie Verlag, Filmstudio und Internet-Dienstleister die Umsätze unter sich aufteilen werden. Immerhin ist es die erste Kooperation dieser Art.

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Lars Sobiraj

Lars Sobiraj

schrieb von 2000 bis zum Jahr 2002 für mehrere Computerzeitschriften rund 100 Artikel. Von April 2008 bis Oktober 2012 leitete er beim IT-Portal gulli.com die Redaktion als Chefredakteur. Thematische Schwerpunkte der über 1.000 Beiträge sind Datenschutz, Urheberrecht, Netzpolitik, Internet und Technik. Seit Frühjahr 2012 läuft die Video-Interviewreihe DigitalKultur.TV, die er mit dem Kölner Buchautor und Journalisten Moritz Sauer betreut. Seit mehreren Monaten arbeitet Lars Sobiraj auf freiberuflicher Basis bei heute.de, ZDF Hyperland, iRights.info, torial, Dr. Web und vielen weiteren Internet-Portalen und Blogs. Zudem gibt er Datenschutzunterricht für Eltern, Lehrer und Schüler. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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