Immer Ärger um den PC: Kinder finden kein Ende

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es um Kinder, die es einfach nicht schaffen, den Computer auch mal auszuschalten.

Frage: Meine Tochter (12) darf unseren Computer täglich eine Stunde benutzen, auch allein. Meist spielt sie Sims oder ist mit ihren Freundinnen auf Skype oder bei Youtube. Leider hält sie sich nie an das abgesprochene Zeitlimit. Jeden Tag überzieht sie, ich muss sie ans Ausschalten erinnern – natürlich gibt es Ärger. Ich habe große Lust, ihr den Rechner ganz zu verbieten, zumindest für eine Weile. Oder gibt es einen anderen Weg?

Antwort: Besser als ein Verbot ist es, das Kind zu mehr Selbstverantwortung zu motivieren. Und besser als ein striktes Zeitlimit, dessen Einhaltung Sie kontrollieren müssen, sind Absprachen, die im Konsens getroffen wurden – im Gegensatz also zu Anordnungen, die Eltern verkünden und von den Kindern befolgt werden sollen. Soweit die Theorie.

Eltern sollten bedenken, dass der Umgang mit Medien nur eine „Baustelle“ unter vielen in der Erziehung ist. Wie sie damit umgehen, wenn Kinder die Absprachen in diesem Bereich nicht einhalten, sollte zu den üblichen Regeln in der Familie passen. Was tun Sie sonst, wenn Absprachen nicht eingehalten werden, zum Beispiel, was Uhrzeiten zum Nachhausekommen oder Zimmer-Aufräumen angeht? Gerade Heranwachsende werden immer wieder ausprobieren, wie weit sie von Eltern gesteckte Grenzen ausdehnen und auch überschreiten können, bis sie eine Reaktion erleben – und wie diese dann aussieht: Kommt die Reaktion zuverlässig? Ist sie immer gleich? Treten angekündigte Konsequenzen ein? Immer? Anders ausgedrückt: Ärger gibt es sowieso mit Teenagern, und dieser ist ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens. Und ja, es ist immer auch eine Kraftprobe.

Dabei sollte Eltern klar sein, dass sie Vorbilder sind, auch in der Mediennutzung. Wie sieht es denn bei Ihnen selbst aus mit dem Abschalten von PC, TV und Handy?

Was konkret können Eltern tun, wenn Kinder einfach kein Ende finden beim Spielen, Surfen oder Chatten?

Ich empfehle, dass Sie mit Ihrer Tochter Alternativen besprechen. Statt täglich zu streiten, könnten Sie mit einer 12-Jährigen schon eine Zeit pro Woche festlegen, die sich Ihre Tochter selbst einteilt. Richten Sie ihr ein Benutzerkonto am PC ein und sprechen Sie vorab darüber, wie die PC-Zeit für Hausaufgaben berechnet werden könnte. Die wöchentliche Zeit können Sie dann durch eine geeignete Software messen lassen (Hinweise dazu finden sich hier, hier oder hier), so dass das Konto nach Ablauf der Zeit gesperrt wird. Ihre Tochter sollte das aber auf jeden Fall vorher wissen.

Wichtiger als mit der Stoppuhr die Nutzung zu regeln, finde ich, dass Sie wissen, was Ihre Tochter am PC tut. Denn bedenken Sie, dass sie mittelfristig ihre Nutzung zu Freundinnen, die dann auffällig regelmäßig besucht werden, verlegen könnte. Vielleicht lässt Ihre Tochter Sie ab und zu mitspielen, mitgucken oder mitskypen, wenn dies dann nicht von ihrer eigenen Zeit abgeht, sondern von Ihrer.

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Katrin Viertel

Katrin Viertel

ist promovierte Kommunikationswissenschaftlerin, arbeitete viele Jahre als Journalistin für gedruckte und Online-Medien sowie für das Fernsehen, hauptsächlich zu Medienthemen, bis sie ihre neue Berufung fand. Seitdem berät und informiert sie als Medienlotse.com (http://www.medienlotse.com) Eltern, die sich fragen: Was machen unsere Kinder mit digitalen Medien? Und wie sollen wir damit umgehen?

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