IFA 2016 Rückblick: Die Netzpiloten lassen Revue passieren

Vom 2. bis 7. September fand in Berlin wieder einmal die Internationale Funkausstellung (IFA) statt. Als bedeutendste Messe für Consumer Electronics wurden wieder zahlreiche Innovationen und Trends aus dem Elektronikbereich präsentiert.

Nachdem wir vor Ort waren und Euch mit allerlei Trends und Highlights um die Messe versorgt haben, ist es nun an der Zeit, ein Fazit zu ziehen. Unsere Redakteure haben dazu ihre persönlichen IFA-Erfahrungen noch einmal für Euch zusammengefasst.


Jonas Haller:Auch in diesem Jahr blieben auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin die bahnbrechenden Innovationen aus. Viele Hersteller der Unterhaltungs- und Mobilfunkindustrie präsentierten lediglich Technik-Upgrades, um auch in Zukunft konkurrenzfähig bleiben zu können. Trotz allem gab es für mich einige technische Raffinessen, die vom bestehenden Erfindergeist zeugen. Zuerst ist der chinesische Hersteller Lenovo zu nennen, der mit dem Yoga Book den wohl größten Paukenschlag in der Convertible-Welt für sich verbuchen kann. Sie setzen auf ein neuartiges Halo Keyboard. In einem separaten Artikel habe ich die Vielfältigkeit der neuen Technologie unter die Lupe genommen.

Große Anstrengungen werden von immer mehr Unternehmen im Bereich der virtuellen Realität unternommen. Besonders eindrucksvoll war für mich ein erstes Produktsample einer alleinstehenden VR-Brille, die Prozessorhersteller Qualcomm im Gepäck hatte. Mit lediglich On-Board-Rechentechnik konnten beachtliche Ergebnisse mit einem hohem Immersionsgrad erzielt werden. Neben der kabellosen Nutzung eines recht leichten Headsets ist der geringere Preis ein wichtiger Vorteil. Auch im boomenden Drohnenmarkt könnten die mobilen Brillen zum Einsatz kommen.

Einen immer wichtiger werdenden Markt stellt das Smartphone-Zubehör. Als Foto- und Video-Fan hat mir besonders das DJI Osmo Mobile gefallen – einem Kameragimbal für das Mobiltelefon, mit dem in Zukunft cineastische Aufnahmen und mobiles Storytelling in einer neuen Dimension möglich sind. Eine leistungsstarke Smartphone-Kamera vorausgesetzt, ließen sich in einem ersten Test beeindruckende Aufnahmen erzielen.


Lars Rehm:Im Vergleich zu den Vorjahren war es schwieriger, einen spezifischen Supertrend auf der IFA zu identifizieren. Stattdessen gab es interessante Neuerungen und Produkte in vielen etablierten Bereichen zu sehen, aber natürlich waren auch Wachstumsbranchen dabei. Bei den Smartphones konzentrierten sich die meisten Hersteller auf die obere Mittelklasse, wo es zwar keine bahnbrechenden Neuerungen, aber immer mehr Leistung fürs Geld zu sehen gibt. Das HTC One A9s bietet zum Beispiel ein edles Metallgehäuse zum Sparpreis und das ZTE Axon 7 kommt mit Stereo-Lautprechern und Soundchip – für Musikliebhaber, die sich ein Oberklasse-Smartphone nicht leisten können oder wollen. Einzig Sony hat mit dem Xperia XZ ein echtes Flaggschiff vorgestellt, das auch den anspruchsvollsten Nutzer zufriedenstellen dürfte.

Viele neue Produkte gab es im Bereich Wearables zu sehen, wo der Trend ganz eindeutig zu Fitness und Gesundheit geht. TomToms Touch-Fitnessarmband ist zum Beispiel das erste seiner Art, das Fett- und Muskelanteil am Körper messen kann. Samsungs Gear S4 Frontier ist eine ausgewachsene Smartwatch, die viel mehr kann als ein Fitnessarmband. Aber wenn man Design und Features der Uhr genauer unter die Lupe nimmt, ist klar, dass Samsung auch hier die Fitness- und Outdoorklientel im Visier hat.

Auch Dronenliebhaber kamen auf der IFA 2016 voll auf ihre Kosten. Fliegende, schwimmende und fahrende Varianten waren zahlreich zu bestaunen und testen. Hier stach die PowerEgg-Kameradrone, die sich bei Nichtbenutzung in Eiform zusammenfalten lässt, hervor. Der ungewöhnliche Mechanismus verwandelt die PowerEgg in ein Designobjekt und schützt gleichzeitig die empfindlichen elektronischen Komponenten, inlusive 4K-Kamera, vor Schäden beim Transport.


Berti Kolbow-Lehradt:Die IFA 2016 war kein Knaller, aber auch kein Rohrkrepierer, eher ein durchschnittlicher Jahrgang. Bei den Top-Trends Virtual Reality, Augmented Reality und Smart Home habe ich leider nichts Bahnbrechendes in Berlin erlebt. Bei Smartphones und Smartwatches scheinen die Innovationen in der Spitze auch ausgereizt. Vieles, was man schon kannte, wurde nochmals in die Breite verlängert. Das ist aber zum Glück nicht zwingend etwas Schlechtes, sondern führt dazu, dass gute Technik noch massentauglicher wird.

Virtual Reality ist eines der nächsten großen Dinge der Unterhaltungstechnik. Neue, alltagstaugliche Produkte und Anwendungen, die das Thema der Masse nahebringen, habe ich aber vermisst. Ja, es ist cool, dass VR-Headsets das Fotografieren mit Multicoptern erleichtern. Das ist aber nur was für die Nische. Hoffnungsfroh stimmen mich die Headset-Vorstellungen von Alcatel und Qualcomm, für die man weder ein zusätzliches Smartphone noch einen PC braucht. Das ist die Einfachheit, die VR massentauglich macht. Allerdings sind diese Neuerungen noch Zukunftsversprechen.

Augmented Reality könnte aus meiner Sicht noch viel größer werden als VR. In diesem Punkt war aber echt tote Hose. Schade, dass zum Beispiel Lenovo nicht, anders als erwartet, sein erstes AR-Smartphone nach „Google Project Tango“-Bauart vorgestellt hat. Immerhin hat Lenovo mit dem Yoga Book ein geniales 2in1-Tablet mit ungewöhnlicher Tastatur vorgestellt. Das Gerät hat das Zeug zum Kult-Objekt – aber leider hat es nichts mit AR zu tun.

Der Bereich Smart Home wartet auch nach der IFA 2016 noch auf seine Initialzündung. Die Hersteller vertändeln das Thema weiterhin mit Insellösungen, ohne eine gemeinsame Linie oder einen gemeinsamen Standard zu finden. Im Einzelnen gibt es hier aber Highlights, die mich begeistern. So habe ich aktuell einen Narren an smarten Kühlschränken gefressen.

Die beste Nachricht der IFA 2016: Es gibt immer bessere Smartphones mit Oberklasse-Features zu Mittelklasse-Preisen. Zwar gehen die Hersteller nach oben hin die Ideen aus, aber das Gefühl, nicht mehr den Gegenwert eines Jahresurlaubs in den Smartphone-Kauf investieren zu müssen, um etwas Ordentliches zu kriegen, ist auch was Feines.“


Image by IFA


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Patrick Kiurina

Patrick Kiurina

ist seit 2015 für die Netzpiloten aktiv und studierte vorher Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Uni Wien. Neben Technik interessiert er sich gleichermaßen auch für Sport und Musik.

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