#hydemo: Peerby – das Startup für die Nachbarschaft

Auf der hy! demo präsentierte das Startup Peerby seine Idee der Sharing Economy in Nachbarschaften, in denen sich Menschen nach Dingen fragen, die sie sich ausleihen können. // von Tobias Schwarz

peerby-teaser

Das aus den Niederlanden stammende Startup ermöglicht es Nutzern, innerhalb der Community von Peerby, aktiv nach Gegenständen zu fragen, die man sich ausleihen möchte. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, mit einem ähnlichen Ansatz, müssen Nutzer hier nicht ihr zu verleihendes Inventar auflisten, sondern stellen, sehen und beantworten nur unmittelbare Gesuche, nach einem Gegenstand, den jemand anderes braucht. Daan Weddepohl verkündet auf der hy! demo: „Wir haben die Sharing Ecoomy geknackt!


  • Peerby ermöglicht es Nutzern, sich auf Anfrage hin untereinander Gegenstände zu leihen.
  • Mehr als 80 Prozent der Gesuche werden innerhalb von 30 Minuten durch die Community erfolgreich beantwortet.
  • Zwar gibt es erst 25.000 Nutzer, aber das Interesse an Peerby ist jetzt schon groß – angeblich auch bei Facebook.

Sharing is Caring

Peerby versteht sich als Teil der globalen Sharing Economy. Nach der im August 2012 zuerst in Amsterdam gestarteten Beta-Phase, wollte das Unternehmen schnell wissen, ob es mit dem Konzept auch außerhalb der Niederlande erfolgreich sein kann. „Wir haben Pilotprojekte in verschiedenen Ländern gestartet, da viele Leute in den Niederlanden sagten, dass unser Erfolg auf einer bestimmten Kultur beruht, etwas Niederländisches ist. Wir werden sehen, ob das stimmt, wie Weddepohl im Interview mit Tina Amirtha verriet. Noch kommt ein Großteil der 25.000 Mitglieder zwar aus den Niederlanden, aber inzwischen gibt es auch schon Peerby-Communities in New York, London, Berlin und Spanien.

Die Idee für die Vernetzung von Menschen, damit diese sich gegenseitig Dinge leihen können, kam Daan Weddepohl nach einem persönlichen Unglück, wie er auf der hy! demo dem interessierten Publikum erzählte: „Als mein Haus abbrannte schaute ich auf das Fenster aus dem der Rauch aufstieg, da alle meine Sachen verbrannten und dachte, warum habe ich mir eigentlich den ganzen Mist überhaupt gekauft.“ Danach musste er sich erst einmal viele Sachen leihen, bis er alles, was er verloren hatte, wieder herstellen konnte. Zusammen mit Jonas Matser und Eelke Boezeman gründete er Peerby und half fortan Menschen durch Vernetzung, dass Beste aus unserer auf den Überfluss setzenden Gesellschaft zu holen: das Teilen.

Der Austausch der Gegenstände zwischen den Nutzer bleibt kostenlos und wie bei analog getroffenen Vereinbarungen, müssen die Gegenstände natürlich auch wieder zurückgegeben werden. Peerby hat deshalb auch noch kein Geschäftsmodell, allerdings sprach Weddepohl vor den versammelten Investoren und Startups auf der hy! demo die Option an, vielleicht eine freiwillige Versicherung einzuführen, mit der Nutzer sich vor Schäden schützen könnten. Das Startup ist noch jung, wächst aber ständig und ist noch auf der Suche nach Geld für seine Entwicklung. Durch Seed und Grant Funding hat das Unternehmen bisher rund 244.000 US-Dollar gesammelt.

Peerby – how does it work? from Peerby on Vimeo.

Warum Facebook das noch kleine Unternehmen kaufen sollte

Anfang Oktober schrieb der US-amerikanische Finanzanalyst Tim Beyersauf der Motley Fool, dass Facebook sich Peerby kaufen sollte, bevor es zu spät ist. Wer das Unternehmen nicht kannte, wunderte sich bestimmt, dass ein Finanzanalyst, dessen Aufgabe es ist, Investoren mit finanziell viel versprechenden Ideen zu verbinden, ein kleines Startup mit gerade einmal 25.000 Mitgliedern zu einem der wichtigsten Kaufziel für das mehr als 1 Milliarde Mitglieder umfassende Facebook erhob. Bei genauerem Betrachten der Analyse merkt man aber, dass Beyers einen wichtigen Punkt erkannt hat: Peerby vernetzt nicht nur, es steigert die Produktivität und wirtschaftliche Kraft eines jeden einzelnen.

An sich genommen ist Peerby natürlich ein lokal arbeitendes Sharing-Netzwerk, in dem sich Menschen in urbanen Nachbarschaften gegenseitig Gegenstände leihen. Anstatt direkt den Nachbarn von der Wohnung gegenüber zu fragen, wird eine Anfrage an die Peerby-Mitglieder der näheren Nachbarschaft geschickt. Im Gegensatz zu Facebook besitzt Peerby damit ein Vielfaches an Wert für seine Nutzer, die sich mithilfe eines Facebook-Kontos aus der Seite registrieren können. Durch eine Integration von Peerby, so Beyers, könnte Mark Zuckerberg seiner Community einen lokalen und zugleich wirtschaftlich wertvolleren Anstrich verpassen. Um mir dann etwas von meinen wahrscheinlich ebenfalls auf Facebook angemeldeten Nachbarn etwas zu leihen, müsste ich Facebook nicht verlassen.

Noch hat Mark Zuckerberg nichts getan und Peerby ist immer noch ein unabhängiges Unternehmen und kein Teil von Facebook. Aber Beyers Gedanke ist naheliegend und wahrscheinlich korrekt. Die Sharing Economy wird immer wichtiger für unsere Gesellschaft, in einer Stadt wie Berlin ist das fast an jeder Ecke bereits sichtbar.


Teaser & Image by Peerby


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Tobias Kremkau

Tobias Kremkau

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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