Kate Palmer von der Huffington Post

Interview mit Kate Palmer über viralen Journalismus

Erfolg im Internet bedeutet Probieren, Probieren, Probieren. Mit Zugang zu mehr Daten als je zuvor können Verlage ihre besten Inhalte für sofortige Viralität platzieren, während sie ihre weniger populären vom Rande der Vergessenheit zurückholen. // von Parse.ly

Kate Palmer von der Huffington Post

Mit über 1,200 täglich veröffentlichten Originalinhalten (zusammen mit zwischen 500 und 600 Blogs) ist die Huffington Post der Traum eines jeden Datenwissenschaftlers. Aber die mengenmäßigen Einblicke, die all diese Inhalte bieten, sind nur dann wertvoll, wenn sie mit der guten, alten menschlichen Intuition kombiniert werden. Wir sprachen mit Kate Palmer, der leitenden Herausgeberin des Huffington Post, über die Tradition des Verlages, zu experimentieren, den Aufschwung dessen Viral-Redakteuren und mehr.

Parse.ly: Wie macht die Huffington Post Gebrauch von all den Daten, die für digitale Verlage zugänglich sind?

Kate Palmer: Teil unserer ursprünglichen Mission war, Technologie und Redaktion zu verbinden, sodass wir kluge Entscheidungen über unser Produkt und redaktionelle Aufmachung fällen können. Wir decken ab, was wir für wichtig halten. Das Tolle ist, dass wir unbegrenzten Platz zur Verfügung haben, um sehr viele Geschichten anbieten zu können und wir wissen, dass es viele Dinge geben wird, die es wert sind zu tun, selbst wenn sie nicht unsere viralste Geschichte werden. Also lassen wir so viele Menschen an so vielen verschiedenen Arten von Geschichten arbeiten, damit wir mit verschiedenen Typen von Inhalten experimentieren können.

Wie sieht dieses Experimentieren aus?

Unsere Redakteure sind sehr klug, wenn es darum geht, Statistiken zu verstehen, und sie alle haben Zugang zu einer breiten Palette von Werkzeugen, um zu erkennen, wie gut ihre Geschichten ankommen und so zu verstehen, welche Schlagzeilen besser funktionieren. Ein A/B-Test zeigt ihnen, auf was das Publikum anspricht. Das ist in allem eingebaut, was sie den ganzen Tag tun. Sie haben Zugang zu den besten Hilfsmitteln und sie können Dinge verändern, wenn es einen besseren Weg dafür gibt. Das an und für sich ist wahrscheinlich, zumindest bei Veröffentlichungen, bei denen dies nicht immer der Fall gewesen ist, ein unglaublich innovativer Weg, um die Veröffentlichung anzugehen.

Verlangen die Art und Geschwindigkeit der digitalen Veröffentlichung nach neuem redaktionellen Können?

Wir haben Redakteure, die sich mit Geschichten beschäftigen, die wir für sehr teilenswert halten. Sie haben grundsätzlich einen guten Blick für solche Dinge. Sie wissen, welche Arten von Geschichten, die sie angefertigt haben, besonders gut geworden sind und welche nicht.

Können Sie uns ein Beispiel dafür geben, wie diese Viral-Redakteure über Inhalte denken?

Sagen wir mal, eine Geschichte über das Stillen wird viral. Es wäre für einen Redakteur ein Fehler zu sagen, „Okay, alle Geschichten übers Stillen werden sehr gut.“ So funktioniert das nicht. Man muss ein ausgeprägtes Urteilsvermögen haben und sagen, „Weißt du, was daran wirklich toll ist? Die Kombination aus dem Bild, dieser Schlagzeile hat mich überrascht und möglicherweise war eine Berühmtheit involviert, deshalb hat es Aufmerksamkeit erlangt.“ Der Aspekt des Datenverkehrs kann einen auch nur so weit bringen. Diese Art von Inhalten kann für unser Publikum vorteilhaft sein, aber lasst uns besser dafür sorgen, dass wir sie auf eine Weise präsentieren, die ihr die höchstmögliche Erfolgschance gibt.

Statistiken zeigen, dass bestimmte Schlagzeilenformate besser wirken als andere. Was denken Sie über Klickköder?

Es ist sehr verlockend, für etwas eine auffällige oder reißerische Schlagzeile zu wählen, aber wenn Sie etwas präsentieren, dass nicht mit dem übereinstimmt, was Sie dem Publikum mitteilen, werden Sie Probleme bekommen. Ihr Publikum wird es merken. Sie dürfen sie nicht unterschätzen. Wenn sie sich in die Irre geführt fühlen, werden Sie langfristig Leser verlieren. Das ist den anfänglichen Datenverkehr nicht wert.

Gibt es eine einzelne perfekte Metrik, auf die Redakteure achten sollten?

Nur eine Information oder einen Datenfluss zu betrachten, ist nicht sehr hilfreich. Wenn man sich zu sehr auf Dinge wie Seitenaufrufe oder die Tagesstatistiken konzentriert, wird man wahrscheinlich ein besseres Verständnis vom Gesamtbild missen. Sie alle sind Teile vom Ganzen.

Aber könnte es nicht zu sehr überwältigen, wenn man zu vielen Dingen auf einmal Aufmerksamkeit schenkt?

Es gibt eine Vielzahl von Datenströmen bei der Arbeit, die man produziert, also muss man irgendwann auf jene Metriken achten, die einem wichtig erscheinen und Entscheidungen für sich selbst fällen, basierend auf dem, was man weiß. Irgendwann muss man sich zurückhalten und sagen, „Okay, ich werde dieses Stück schreiben und es wird gut ankommen.“ Und ich meine nicht gut im Sinne des Datenverkehrs, sondern dass es auch bei einem Publikum, welches es ernst nimmt, Anklang finden und Wirkung zeigen wird.

Das ist nur die Spitze des Eisberges im Verständnis dafür, wie Daten genutzt werden können. Es ist etwas, womit Journalisten generell rechnen müssen, aber es ist etwas Faszinierendes.

Image by Kate Palmer


Der Artikel ist zuerst im englischen Original auf Digiday als Sponsored Post des Webanalyse-Dienstleisters Parse.ly erschienen. Wir haben die Erlaubnis bekommen, eine deutschsprachige Übersetzung des Interviews zu veröffentlichen. Auch wenn Netzpiloten.de kein Geld von Parse.ly bekommen hat, haben wir uns aufgrund des interessanten Inhalts für die Veröffentlichung entschieden, das Interview aber trotzdem als Advertorial markiert.


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