Notch für die Mittelklasse: Huawei P20 lite im Test

Der chinesische Hersteller Huawai hat kürzlich sein neues Mittelklasse-Smartphone P20 lite vorgestellt, dessen Design von den Topmodellen P20 und P20 Pro stammt. Mit dem flachen Glasgehäuse und der Display-Kerbe (Notch) möchte sich Huawei beim P20 lite besonders von anderen Mittelklasse-Smartphones abgrenzen. Für einen Preis von nur knapp über 350 Euro bekommt man sonst nirgendwo ein Smartphone mit Notch und so dünnen Rändern. Doch ob das Gerät auch sonst überzeugen kann, habe ich in meinem Test für euch herausgefunden.

Flagship-Design inclusive Notch

Beim Auspacken war ich von der Verarbeitung und dem Design des Gerätes begeistert. Die Glasrückseite und das auf beiden Seiten leicht abgerundete 2,5D-Glas wird einem Preis von 350 Euro mehr als gerecht. Das 5,8 Zoll große 18:9-Display ist mit einer Auflösung von 1.080 x 2.280 Pixeln schön scharf und lässt sich auch bei Sonnenlicht gut ablesen. Im Vergleich zum deutlich teureren P20 Pro handelt es sich aber um ein normales LCD-Display. Dieses bietet zwar gute Blickwinkel und ist auch bei Sonnenlicht ausreichend hell, kann aber nicht ganz mit der Farbwiedergabe und den Schwarzwerten von OLED-Screens mithalten.

Huawei P20 lite Rückseite
Die Rückseite des Huawei P20 lite mit 16-Megapixel-Kamera. Image by Timo Brauer

Die Besonderheit des P20 lite ist aber die Notchleiste am oberen Bildschirmrand. Im letzten Jahr sind viele Hersteller auf diesen Design-Trend vom Essential Phone und iPhone X aufgesprungen. Bis jetzt war das Designmerkmal aber nur in den Highend-Modellen zu finden. Durch das beinahe identische Design zum „normalen“ P20 lässt es sich nur bei genauerem Hinsehen von diesem unterscheiden. So befindet sich zum Beispiel der Fingerabdrucksensor des P20 lite auf der Rückseite des Gerätes und nicht unterhalb des Displays.

Altbekannte Komponenten

Der verbaute Octa-Core Prozessor Kirin 659 hat sich bereits in vielen Smartphones von Huawei und Honor bewährt. Das Huawei Mate 10 lite, Honor 9 lite sowie das Huawei P smart setzen alle auf diesen Prozessor. Für einen Preis von über 350 Euro hätte es hier ein wenig mehr sein dürfen, als ein Prozessor, der seit fast ein Jahr auf dem Markt ist. Anderseits hat Huawei bis jetzt noch keinen Nachfolger des 659 angekündigt, den sie hätten verbauen können. Dennoch bietet das Huawei P20 lite eine solide Performance und bei Alltagsaufgaben kommt es zu keinen größeren Gedenkpausen.

Durch die üppig bemessenen 4 GB Arbeitsspeicher müssen Apps auch nur selten neu laden und bleiben im Hintergrund geöffnet. Auch der interne Speicher ist mit 64 GB mehr als ausreichend groß und im Unterschied zu den deutlich teureren P20- und P20-Pro-Modellen lässt sich der Arbeitsspeicher sogar per MicroSD-Karte erweitern. Der verbaute Fingerabdrucksensor ist einer der schnellsten auf dem Markt und war im Test sogar minimal schneller als der Sensor vom iPhone 8. Die Gesichtserkennung reagierte ebenfalls innerhalb von einer Sekunde, bietet aber bei weitem nicht dieselbe Sicherheit, wie beispielsweise die Gesichtserkennung des iPhone X. Mit einem ausgedruckten Foto war es relativ einfach möglich, den Scanner hinters Licht zu führen.

Software

Typisch für Huawei sind die vielen zusätzlichen Einstellmöglichkeiten. So lassen sich etwa die Blautöne des Displays reduzieren und die Navigationsleiste am unteren Bildschirmrand nach den eigenen Vorlieben anpassen. Grundsätzlich gefällt mir Huaweis Softwareoberfläche EMUI sehr gut. Sie ist einfach zu verstehen und sieht modern aus. Wäre da nicht das recht altbackene Design des Homescreens.

Zum Glück könnt ihr dieses „Design-Problem“ relativ einfach lösen, indem ihr einen Launcher installiert. Ich habe den Microsoft-Launcher installiert, weil er mir optisch am Besten gefällt und einige praktische Swipe-Gesten zum öffnen des App-Launchers sowie des Benachrichtigungscenters bietet. Kleine Gimmicks werten die UI zusätzlich auf. So lässt sich per Lauter-Taste und Powerbutton eine Bildschirmaufnahme starten und beim Aufladen des Gerätes bekommt man eine coole Animation angezeigt, die euch über die verbleibende Ladedauer informiert.

Endlich USB-C

Der Akku des P20 lite lieferte im Test eine durchschnittliche Laufzeit. Bei normaler Nutzung kam ich problemlos durch den Tag, musste aber jede Nacht an die Steckdose. Kurze Ladepausen während des Tages waren zwar nicht nötig, dank Schnellladetechnologie des mitgelieferten Netzteils ist der Akku jedoch in kurzer Zeit wieder aufgeladen. Außerdem verbaut Huawei das erste Mal in einem Mittelklassegerät einen USB-C Port, der das Einstecken des Kabels vereinfacht und das Gerät zukunftssicherer macht.

Foto top, Video flop

Die rückseitige Kamera bietet eine Auflösung von 16 Megapixel und macht bei guten Lichtbedingungen sehr schöne Fotos mit guter Farbtreue und Schärfe. In Huaweis eigener Kamera-App findet ihr viele verschiedene Modi zum Herumspielen. So findet sich beispielsweise ein Modus für Lichtmalerei oder einer mit Snapchat-ähnlichen Filtern für euer Gesicht. Im sogenannten Profi-Foto Modus könnt ihr Belichtungsdauer, Blendenöffnung oder den ISO-Wert manuell einstellen. Auch wenn die Kamera-App durch die zahlreichen Modi etwas überladen wirkt, ist sie logisch aufgebaut und läuft ohne Ruckler.

Einzig der Portrait-Modus schaffte es manchmal nicht, Vordergrund vom Hintergrund zu trennen. Insgesamt haben mich die Ergebnisse beim Fotografieren überzeugt. Hingegen ist die Videofunktion eher weniger zu gebrauchen. Videos werden lediglich in Full-HD aufgenommen und verwackeln relativ stark. Eventuell kann Huawei diese Probleme durch ein Softwareupdate aber noch lösen.

Fazit: Das Huawei P20 lite ist ein Handy für Design-Fans

Das Huawei P20 lite ist ein solides Mittelklassegerät und das fast randlose Display mit Notch ein absoluter Blickfänger. Die Verarbeitung ist sehr hochwertig und der Speicher ausreichend groß bemessen. Das Display dürfe aber auch einer der größten Kostenfaktoren für Huawei sein und mit einer UVP von 379 Euro ist der Preis für das Smartphone relativ hoch angesetzt. Erfahrungsgemäß sollte dieser aber in den nächsten Wochen noch ein wenig sinken.

Wer auf der Suche nach einem schicken Smartphone ist und kein Vermögen dafür ausgeben möchte, sollte sich das Huawei P20 lite auf jeden Fall einmal ansehen. Einzig Video-Enthusiasten würde ich eher zum Kauf des Huawei P10 raten. Das Huawei-Flaggschiff aus dem letztem Jahr kostet mittlerweile ähnlich viel. Zwar ist es mit einem deutlich kleineren Display mit dickeren Rändern ausgestattet, bietet aber die in meinen Augen bessere Videoqualität. Das günstige Huawei-Smartphone bei Amazon (Provisions-Link)

Dieser Artikel erschien zuerst auf Netzpiloten Android.


Images by Timo Brauer


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Timo Brauer

Timo Brauer

studiert Technikjournalismus in Bonn und beschäftigt sich mit jedem Technikprodukt, das ihm unter die Finger kommt. Besonders Gadgets fürs Smart Home haben es ihm angetan. Wenn er nicht gerade mit Technik herumspielt, ist er auf Reisen - Smartphone und Kamera immer dabei.

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